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Digital Detox Cr 123Rf De
Kuscheln? Fehlanzeige. Auch im Bett können viele Paare nicht ihre Finger vom Smartphone lassen. (Bild: 123rf.de)
Digital Detox Smartphone

Einmal offline sein, bitte!

Britische Forscher haben herausgefunden, dass Kiffen die Konzentration und die geistige Leistungsfähigkeit um fünf Prozent senkt – exzessiver Smartphone-Gebrauch dagegen um zehn Prozent. LEAD präsentiert acht Tipps, wie die digitale Entgiftungskur gelingt.

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Im Jahr 1984 brachte Motorola mit dem DynaTAC das erste Mobiltelefon auf den Markt. Knapp ein Vierteljahrhundert später warnt das Unternehmen vor seiner eigenen Erfindung. Auf einer Website fragt der Handy-Pionier, der sich mittlerweile in chinesischem Besitz befindet, die Smartphone-Nutzer: "Beherrschen Sie Ihr Telefon – oder beherrscht Ihr Telefon Sie?" Die Kampagne mit alarmierenden Beispielen, mit Tests und Tipps zur Selbsthilfe erinnert nicht zufällig an Aktionen gegen Alkohol und Zigaretten. Denn für viele Experten wie den iPhone-Miterfinder Tony Fadell gilt der übermäßige Gebrauch, die Sucht nach dem Smartphone, längst als das neue Rauchen. Er fordert Apple oder Samsung auf, sich genau wie Marlboro oder Camel Maßnahmen gegen Missbrauch auszudenken: "Die Hersteller müssen uns helfen, unsere digitalen Abhängigkeiten in den Griff zu bekommen."

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Diagnose: Facebook-Sucht. (Bild: Sergej Yolkin)

Britische Forscher haben herausgefunden, dass Kiffen die Konzentration und die geistige Leistungsfähigkeit um fünf Prozent senkt – exzessiver Smartphone-Gebrauch dagegen um zehn Prozent. Und so wird Hilfe gegen die Smartphone-Sucht für Hersteller von Apps und Gadgets, aber auch für Therapeuten und Psychologen, zu einem immer wichtigeren Thema. LEAD präsentiert 8 Tipps für "Digital Detox".

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1. Die Selbsterkenntnis

Bin ich bereits süchtig nach meinem Smartphone? Experten kennen hier ein ganz einfaches Alarmzeichen: Bei wem das vollgeladene Handy nicht einmal den ganzen Tag durchhält, sondern zwischendurch zum Nachtanken an die Steckdose muss – der schaut zu oft auf den Bildschirm. Bei normaler Nutzung (und funktionstüchtigem Akku) sollte ein einigermaßen aktuelles Smartphone bis zum Abend nicht schlapp machen. Wer es genauer wissen will, findet im Internet mittlerweile zahllose Tests zum Thema Smartphone-Sucht. Zwei der besten kommen von der Universität von Connecticut und - wie angesprochen- von Motorola.

2. Die Handy-Prothese

Das "NoPhone", das es für 12 Dollar, also 9,75 Euro, bei Myshopify gibt, ist ein schwarzer Plastikblock in Smartphone-Form ohne jede Funktion. Tests haben ergeben, dass sich Süchtige tatsächlich besser fühlen, wenn sie zumindest solch einen schwarzen Block in den Händen halten. Hinweis des Herstellers: "Das NoPhone hat keine Garantie und ist nicht dazu gedacht, für irgendetwas verwendet zu werden. Nicht inbegriffen sind Textnachrichten an Deinen Ex-Freund oder Deine Ex-Freundin, GPS-Ortung, zu knappe Datentarife, leere Akkus – und ein Smartphone."

8 No Phone
Das NoPhone - die Handyprothese ohne jede Funktion. (Bild: NoPhone)

3. Zurück zu Nokia

Die aktuellen Modelle der finnischen Kult-Firma eignen sich exzellent zur digitalen Entgiftung. Denn mit den Neuauflagen von Klassikern wie dem 3310 (40 Euro) oder dem bananengelben Schiebehandy 8110 (ab Mai für 89 Euro) bleiben Nutzer zwar erreichbar, können telefonieren und simsen. Apps wie Facebook oder Instagram laufen darauf aber nicht. Nokia-Manager Shaun Durandt sieht darin einen der Hauptgründe, die technisch längst nicht mehr zeitgemäßen Geräte überhaupt wieder anzubieten: "Seit dem ersten Nokia 3310 aus dem Jahr 2000 hat sich der Markt massiv verändert. Aber heute bieten sie ihrem Nutzer ein Stück Ruhe und Entspannung, und helfen beim Digital Detox." 

9 Nokia 3310
Handy-Klassiker wie das Nokia 3310 oder das 8110 helfen beim Detox. (Bild: Nokia)

Eine Alternative ist das Elari NanoPhone C (40 Euro) – ein Feature-Phone nur zum Telefonieren und Simsen, das aber auch als Bluetooth-Fernbedienung fürs Smartphone dient, und so nur die einfachsten Funktionen ermöglicht. Solche minimalistischen Handys liegen im Trend. Das Light Phone 2 (200 Euro) wurde auf Indiegogo (https://www.indiegogo.com/projects/light-phone-2-smartphone-design) gerade mit knapp einer Million Dollar finanziert. Die wichtigsten Features sind die Apps, die sich darauf garantiert nicht installieren lassen: Facebook, WhatsApp, Twitter oder E-Mail.

4. Die Detox-Apps

Immer mehr Apps messen den Smartphone-Konsum ihrer Nutzer und helfen bei der Entwöhnung. Motorola empfiehlt "Space". Die App, die von Wissenschaftlern aus den USA und Großbritannien entwickelt wurde, hilft dabei, Digital-Detox-Ziele zu setzen und einzuhalten. Einer der Tricks: Bei zu langer Nutzung wird der Bildschirm immer dunkler – bis nichts mehr zu sehen ist. Freunde und Familienmitglieder können sich damit gegenseitig Herausforderungen schicken: Wer schafft am Tag weniger Stunden am Smartphone? 

Weitere empfehlenswerte Apps: Mit "Forest" züchtet der Nutzer Bäumchen auf seinem Bildschirm, die bei zu langer Nutzung wieder eingehen. Und "Offtime" oder "Flipd" sperren das Smartphone für bestimmte Zeiträume. Der Nutzer kann dabei selbst festlegen, in welchem Umfang sich das Gerät dann noch benutzen lässt. Alle Apps gibt es für iOS und Android.

5. Smartphone raus aus dem Schlafzimmer

Es soll Paare geben, die liegen abends nebeneinander im Bett, und schicken sich Facebook-Nachrichten. Motto: "Ich liege übrigens neben Dir!" Damit es nicht soweit kommt, empfehlen Experten, das Smartphone generell aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Und das gilt für die ganze Familie. Die bessere Alternative ist ein gemeinsamer "Handyparkplatz", an dem die Smartphones nachts liegen und geladen werden. Wer entgiften will, sollte sich zudem einen Wecker oder eine Armbanduhr zulegen – und hat damit nachts einen Grund weniger, aufs Smartphone zu schauen. Wer sein Handy trotzdem auf den Nachttisch legt, sollte es zumindest ausschalten oder den Flugmodus aktivieren. Digital-Therapeutin Anitra Eggler mahnt: "Nur ein Notarzt muss rund um die Uhr erreichbar sein. Wenn Sie keiner sind: Smartphone nachts ausschalten!"

6. Notebook verwenden

Wer statt seines Notebooks praktisch nur noch das Smartphone nutzt, sollte den PC oder Mac wieder entstauben und in Betrieb nehmen. Denn: Während es am Handy supereinfach ist, "eben mal schnell" bei Facebook oder Instagram vorbeizuschauen, ist das am Rechner deutlich zeitaufwändiger und umständlicher. Einschalten, hochfahren, Browser öffnen – das dauert und schreckt ab. Effektive Maßnahme zur Reduzierung der Social-Media-Zeiten: Facebook-App auf dem Smartphone löschen, und das Netzwerk nur noch am Notebook nutzen.

7. Ratgeber lesen

Bücher zur Smartphone-Entwöhnung gibt es jede Menge – zum Beispiel "Im digitalen Hamsterrad" von Gerald Lembke (Medhochzwei, 20 Euro). Einer der gelungensten Ratgeber kommt von der mehrfach preisgekrönten US-Autorin Catherine Price und heißt „How to break up with your Phone“ ("Wie du mit deinem Telefon Schluss machst"). Untertitel des englischsprachigen Buches, das rund 10 Euro kostet: "Der 30-Tage-Plan, um dir dein Leben zurückzuholen". Ziel der Autorin ist es nicht, das Smartphone komplett zu verbannen, sondern sein Handy nur noch so zu verwenden, dass es sich "gut anfühlt".

8. Smartphone wegsperren

Wenn das Bedürfnis, das Smartphone immer und immer wieder in die Hand zu nehmen, einfach zu groß ist, helfen womöglich nur mehr härtere Maßnahmen wie das Wegsperren des Geräts. In den USA wird bei vielen Konzerten am Eingang bereits die Handyhülle Yondr ausgegeben. Dort müssen die Besucher ihr Smartphone hineinlegen, und nehmen es dann gut verpackt mit in den Saal. Der Verschluss funktioniert ähnlich wie die Diebstahlsicherung im Kleidungsgeschäft. Für die Dauer des Konzerts bleibt das Handy in dieser Tasche und kann auch nicht herausgenommen werden. Am Ausgang stehen dann die Stationen zum Öffnen des Yondr. Künstler sind begeistert, dass sie bei ihren Auftritten nicht mehr in ein Meer von Handys schauen müssen, sondern dass sich die Zuhörer wieder auf die Show konzentrieren. 

Sängerin Amy MacDonald: "Es war so erholsam, keine 10.000 Smartphones zu sehen – und stattdessen Menschen, die sich wieder miteinander unterhalten. Das ist die Zukunft!“ Von Samsung kommt der Smartphone-Safe "Offline Box", eine Art Tupperdose mit zeitgesteuertem Schloss. Der Nutzer legt sein Handy für einen selbst gewählten Zeitraum in die Box, und hat keinen Zugriff mehr. Im Notfall lässt sich das Schloss zwar knacken, wird dabei aber unwiderruflich zerstört. Samsung verteilt die Offline Box meist bei Gewinnspielen, sie ist aber auch bei Ebay um die 50 Euro zu finden. Alternative, ebenfalls für rund 50 Euro, ist der "Kitchen Safe" mit Zeitschloss, den es zum Beispiel bei Amazon gibt.

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Die Offline Box von Samsung. (Bild: Samsung)
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