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Nein, das ist keine Flugzeugkabine, sondern ein gewöhnlicher Raum in einem Hochhaus mitten in Tokio. Setzt man die VR-Brille auf, ist das aber ganz schnell vergessen (Foto: Björn Eichstädt)
VR Trends leadfaces

Ein VR-Traum erster Klasse

First Airlines ist eine besondere Attraktion in Tokios Stadtviertel Ikebukuro. In der achten Etage eines mehrstöckigen Gebäudes - über ein paar Kneipen und einem Pornoschuppen - hat Softwareentwickler Hiroaki Abe einen täuschend echten Langstreckenflugsimulator gebaut, den er als VR-Experience vermarktet. LEAD-Autor Björn Eichstädt hat eingecheckt.

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Ende Februar 2018 stand auf einmal "Virtual Reality Fluglinie in Japan" als Headline auf unserem Amazon Echo Show im Agenturbüro in München. "Alexa, erzähl mir mehr" – und so erfuhr ich, dass es da wohl etwas Neues in Tokio geben sollte: Einen virtuellen Langstreckenflug vom Flughafen Narita in unterschiedliche globale Metropolen. Mit einer echten First Class, einer Virtual-Reality-Stadtführung und vielem mehr. Da die nächste Geschäftsreise nach Tokio vor der Tür stand, war klar: Das muss ich ausprobieren. Die Buchung des First-Class-Tickets für umgerechnet etwa 50 Euro über die Website von First Airlines war erledigt, dem ungewöhnlichen Trip stand also nichts mehr im Wege.

Mit dem Simulator von Tokio nach New York

Eine Woche später. Kurz vor acht Uhr abends – es ist schon ziemlich dunkel - stehe ich vor einem etwas heruntergekommenen Haus im Tokioter Stadtteil Ikebukuro. "First Airlines 8F" steht auf einem der kleinen Schilder. Das Treppenhaus hat einen 70er-Jahre-Plattenbau-Charme. Der Aufzug ist klein und schmucklos. In der achten Etage öffnet sich die Tür – und auf einmal stehe ich am Gate von First Airlines. Das alles fühlt sich an wie auf einem Flughafen. Einem kleinen Flughafen zugegebenen, aber das Gefühl ist von Anfang an sehr authentisch. Auf der Anzeigetafel sieht man die Flüge, die demnächst starten – und auch mein Trip nach New York City ist dabei.

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Zwei freundliche Flugbegleiterinnen mit frisch gebügelten Uniformen stehen am Eingang zum Flugzeug. Personalisierte Bordkarten und ein japanischer Pass werden jedem Gast des Trips überreicht. Und dann geht es in den Rumpf des Fliegers – also eigentlich ins Nebenzimmer; aber dass ich mich nicht wirklich auf einem Flughafen befinde, das habe ich schon längst vergessen. Die Inszenierung ist einfach zu schön.

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    "First Airlines 8F" steht auf einem der kleinen Schilder (Foto: Björn Eichstädt)
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    Auf der Anzeigentafel sieht man die Flüge, die demnächst starten (Foto: Björn Eichstädt)
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    Personalisierte Bordkarten und ein japanischer Pass werden jedem Gast des Trips überreicht (Foto: Björn Eichstädt)
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    Der Rumpf des Fliegers befindet sich im Nebenzimmer (Foto: Björn Eichstädt)

Dann beginnt der eigentliche Flug. Auf der linken Seite des Raums sind typische Flugzeugfenster auf die weiße Wand projiziert. Rechts erfüllen Flachbildfernseher eine ähnliche Rolle. Die extra komponierte Airline-Musik bringt die Passagiere in Stimmung – und die Flugbegleiterinnen beginnen ihre Durchsagen auf Japanisch und Englisch. Langsam beginnt der Flieger zu vibrieren und vor den (projizierten) Fenstern beginnt sich das Flugfeld zu bewegen. Je schneller die Bewegung, desto lauter das Dröhnen und auch die Sitze rütteln einen ganz schön durch. Und schließlich hebt der Raum, der schon lange ein Flugzeug ist, ab.

Ein Stapel Gear VR-Brillen

Mit kleinen Wagen rollen die Stewardessen durch den Gang. Ein Tomatensaft, eine Cola oder ein Ginger Ale? Und dann der erste Gang – auf echten Tellern und mit Besteck aus Metall. Schließlich ist das ein First-Class-Flug. Das Essen sieht auch entsprechend aus und schmeckt wirklich gut (einige Food-Fotos finden sich auf dem offiziellen Instagram-Account von First Airlines).

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Das Essen bei First Airlines sieht entsprechend aus und schmeckt wirklich gut (Foto: Björn Eichstädt)

Zwischendurch kommt der Wagen dann nicht mit Speisen oder Getränken vorbei, sondern einem Stapel von Gear VR-Brillen. Eine kleine New-York-Führung mit 360-Grad-Videos als Unterhaltungsprogramm zwischendurch. Doch eigentlich ist dieser Teil, der die Berichterstattung der Medien zumindest im Westen bestimmt hat, beinahe das Uninteressanteste an der First-Airline-Experience.

Der Nachtisch ist gegessen. Wir müssen uns wieder anschnallen. Und dann landen wir schließlich auf dem JFK-Airport in New York. Die Passagiere verlassen den Flieger. Und dann steht Captain Abe in der Tür, grinst mich fast schüchtern an. Und lässt sich zum Gespräch neben mir auf dem breiten First-Class-Sitz nieder.

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First Airlines-Gründer Hiroaki Abe mit Björn Eichstädt (Foto: Björn Eichstädt)

Wie kam es eigentlich zu der Idee für First Airlines?

Hiroaki Abe: Ich war schon immer ein großer Fan von Flugzeugen und dem Flughafen – vielleicht auch, weil ich persönlich gar nicht so viele Erfahrungen damit habe, nach Übersee zu reisen. Also wollte ich dieses Gefühl vermitteln. Und mehr Menschen zugänglich machen. VR war eigentlich gar nicht der Ansatz – aber da das gerade ein Trend ist, haben wir das Thema aufgenommen.

Wie viele Leute waren denn schon da und welches Publikum kommt?

Etwa 10.000 Besucher, die Hälfte davon sind eher ältere Leute, die nicht mehr so gut nach Übersee reisen können. Und oft sind solche Reisen Teil ihrer Geschichte. Das wollen sie noch einmal erleben. Außerdem kommt das Ganze bei Kindern gut an; Familien kommen immer wieder. Und die Kinder sind von dem Gefühl einer echten Flugreise sehr angetan.

Ja, es fühlt sich wirklich echt an. Wie haben Sie das gemacht? Welche Technologie wird eingesetzt?

Wir haben beispielsweise Vibrationsdevices in den Stühlen. Projektoren bringen die Fenster an die Wand, das sind vier Stück. Dann gibt es natürlich die Gear-VR-Goggles für die Tour. Und demnächst werden wir noch verstärkt mit Tablets arbeiten. Wir planen immer Neues. Denn inzwischen ist das Ganze schon deutlich über ein Jahr alt und wir wollen, dass Leute wieder kommen. Wir haben 2016 angefangen. Vor Kurzem hat CNN über uns berichtet. Danach ist die Berichterstattung im Westen durch die Decke gegangen – und wir haben seit ein paar Wochen auch viele neue Besucher aus anderen Ländern bekommen.

Da liegt es ja nahe, auch an eine Expansion ins Ausland zu denken, oder?

Viele Leute haben mich das schon gefragt. Aus den USA oder auch Europa. Aber derzeit denke ich eigentlich nicht über eine Expansion nach.

Wie soll es weitergehen? Was ist der Traum?

Ich möchte die Erfahrung noch viel intensiver machen. Die Vervielfältigung des Ansatzes ist nicht mein Thema, sondern immer besser zu werden. Ich möchte Dinge entwickeln, die wundervoll sind und noch nicht existieren. Es muss alles stimmen: die Musik, die Atmosphäre und so weiter. Es soll alles möglichst real sein.

Das VR ist also eigentlich ein PR-Stunt? Ein in der Realität verankertes Kunstprojekt, oder? Eine Emotions-Simulationsmaschine.

Genau. In Zukunft gibt es vielleicht gar keine VR-Brille mehr bei First Airlines. Im Moment ist das halt ein Trend. Aber eigentlich geht es mir um was anderes. Darum, dass man ein Wunder erlebt.

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Der Kapitän und die Stewardess verabschieden ihre Gäste (Foto: Björn Eichstädt)

Hiroaki Abe lächelt. Er hat alles gesagt, was es derzeit zu First Airlines zu sagen gibt. Ich bin beeindruckt. Und stehe langsam aus dem großen Flugzeugsitz auf. Eine Flugbegleiterin gesellt sich zu uns und verabschiedet mich mit einer tiefen Verbeugung. Ich gehe am First-Airlines-Schalter vorbei zur Tür, hinter der der schmucklose Aufzug liegt. Die "8" leuchtet über dem Lift auf. Als ich mich umdrehe, winken mir der Kapitän und die Flugbegleiterin noch einmal freundlich zu. Die Aufzugtür schließt sich und ich erwache aus einem Traum vom Fliegen.

Björn Eichstädt (43) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur Storymaker. Die Agentur fokussiert sich auf die Unterstützung von technologie-getriebenen Unternehmen im Bereich PR, Digitalkommunikation und Content-Entwicklung. Darüber hinaus ist Storymaker in Ostasien aktiv mit Schwerpunkten in China und Japan.

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