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Die Facebook-Gruppe ExposedABC will den Fall um Tegan und Keli Lane lösen (Foto: ExposedABC/Facebook)
Facebook Social Media Digitalisierung

Facebook-Krimi um verschwundenes Baby

Vor 22 Jahren verschwand die kleine Tegan, ein erst zwei Tage altes Baby, spurlos. Der Fall beschäftigt seitdem ganz Australien. Eine Journalistin hat jetzt eine Facebook-Gruppe gegründet, die das Rätsel um Tegan lösen soll - mit über 30.000 Mitgliedern, die eifrig nach Hinweisen suchen.

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Es ist das Jahr 1996, die kleine Tegan wird im australischen Auburn Hospital geboren. Zwei Tage später verschwindet sie spurlos. Ihre Mutter Keli Lane wird Jahre später wegen Mordes verurteilt - obwohl weder eine Leiche noch andere Beweise gefunden wurden und Lane die Tat bis heute abstreitet. Sie habe das Baby seinem biologischen Vater übergeben, der mit ihm untergetaucht sei.

Damals, als Tegan verschwand, gab es Facebook noch nicht. Doch nun soll die Plattform dabei helfen, den Fall endlich zu lösen. Die Journalistin Caro Meldrum-Hanna hat eine Facebook-Gruppe gegründet, um neue Hinweise zu sammeln, auszuwerten und zu diskutieren. Das Echo war immens: Die Gruppe wuchs innerhalb weniger Wochen auf über 30.000 Mitglieder.

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"Sollen wir die Leute jetzt einfach mit diesem Rätsel zurücklassen?"

Startschuss war eine dreiteilige Dokumentation des Fernsehsenders ABC über den Fall Tegan, in der Meldrum-Hanna den Fall neu aufrollt - und feststellt, dass noch viele Fragen offen bleiben: Wo ist Tegan - lebt sie sogar noch? Und wo ist ihr Vater?

Diese Fragen konnte sie bei ihrer Recherche bislang nicht lösen - auch wenn sie neue Hinweise fand, die ihrer Meinung nach die Schuld der Mutter immer mehr infrage stellten. So stand am Ende der Dokumentation ein großes Fragezeichen, das nicht nur Meldrum-Hanna, sondern auch die Zuschauer nicht zur Ruhe kommen ließ.

"Sollen wir die Leute jetzt einfach mit diesem Rätsel zurücklassen oder finden wir eine Plattform, auf der Leute sich austauschen und kommunizieren können?", sagte Meldrum-Hanna dem amerikanischen Journalismus-Portal NiemanLab. "Ich habe mich als investigative Journalistin noch nie so mit den Zuschauern ausgetauscht."

Wichitge Hinweise vs. Verschwörungstheorien

Meldrum-Hanna postet regelmäßig Updates und Aufgaben für die Mitglieder, um den Fall zu lösen. Ihre Kollegen von ABC helfen ihr dabei, die Gruppe zu moderieren und neue Hinweise zu dokumentieren. Die Demographie der Mitglieder würde zeigen, dass sie genau die Zielgruppe angesprochen hätten, die Hinweise liefern könne: 25- bis 54-Jährige. 85 Prozent der Teilnehmer seien Frauen - und meist sehr engagiert, etwas zur Lösung des Falles beizutragen.

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Screenshot der Facebook-Gruppe ExposedABC

Durch die schiere Größe und das eifrige Engagement müssen die Moderatoren ganze Arbeit leisten. Sie müssen verhindern, dass die Gruppe nicht völlig außer Kontrolle gerät, Verschwörungstheorien überhand nehmen oder einzelne Mitglieder anfangen, sich zu bekriegen. Außerdem müssen sie noch wertvolle Hinweise herausfiltern.

Das Team um Meldrum-Hanna installierte deshalb noch zusätzlich Superuser, die bei Problemen moderieren sollen, und sich meist aus Ex-Journalisten rekrutieren. Bei alten Posts deaktivieren sie sofort die Kommentarfunktion, damit sich die Leute auf die neuen Aufgaben konzentrieren. In den ersten Tagen der Gruppe war es noch erlaubt, unbegrenzt zu kommentieren, mittlerweile ist - weil so viele Verschwörungstheorien hochkochten - nur ein Kommentar pro Post erlaubt.

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"Die Tools von Facebook sind nicht gut"

Ein großes Problem für die Moderatoren ist nach wie vor, die Gruppe im Zaum zu halten - auch wenn es um das Einhalten von Gesetzen geht. Wenn jemand eine angeblich verdächtige Person beim Namen nennt, muss dies erst einmal bemerkt und dann händisch entfernt werden.

Flip Prior von ABC beschwert sich: "Die Tools von Facebook sind nicht gut. Man kann zum Beispiel nicht einzelne Keywords automatisch verbergen. Wir haben deshalb, seitdem wir die Gruppe gestartet haben, zu Facebook gesagt: 'Ihr müsst wirklich eure Tools verbessern, wenn ihr wollt, dass die Leute eure Gruppen nutzen.'"

Die Gruppe ist trotzdem für die Journalisten eine große Hilfe: So ist das Krankenhaus, in dem Tegan geboren wurde, mittlerweile abgerissen worden. Meldrum-Hanna benötigte deshalb dringend einen Gebäudeplan, um eine Theorie zu überprüfen, wurde aber nicht fündig. Helfen konnten ihr schließlich Archivare, die ihren Post in der Facebook-Gruppe gesehen hatten.

"Die Leute lieben den direkten Austausch mit den Journalisten. Manche wollen sie nur die neuesten Nachrichten mitbekommen, aber viele wollen aktiv helfen, den Fall zu lösen", sagte Prior.

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