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Immer mehr Netzbetreiber bieten die mobile Nutzung von Services wie Streaming-Apps ohne Anrechnung auf den Datenverbrauch an (Foto: Gettyimages/Westend 61)
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Ein (Alb-)Traum wird wahr: Endlich grenzenlos streamen

Immer mehr Netzbetreiber bieten die mobile Nutzung von Services wie Streaming-Apps ohne Anrechnung auf den Datenverbrauch an. LEAD zeigt, wer davon am meisten profitiert.

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Seit Ende 2017 sind Inklusiv-Volumen in Deutschland so richtig en vogue. Fast alle großen Telekommunikationsanbieter haben eine Zusatzleistung eingeführt, mit der sich Apps unterwegs nutzen lassen, ohne dass die wertvollen mobilen Daten aufgebraucht werden. Klingt erst einmal gut – denn niemand mag die Benachrichtigungen, dass man ab sofort nur noch gedrosselt surft. Damit wurde jedoch ein gefährlicher Prozess angestoßen, der das Internet langfristig zu einem Zwei-Klassen-System machen könnte.

Mehr Freiheit beim Surfen

Keine Frage, Telekom- und Vodafone-Nutzer profitieren davon Videos, Musik und Games nach Belieben streamen zu können, ohne dass sich der erhöhte Datenverbrauch auf der Monatsrechnung bemerkbar macht. Mit Telekom-Vertragsabschluss spielt es beispielsweise keine Rolle, wie viel man mobil bei Netflix, Prime Video oder auch der ARD Mediathek streamt. Bei Vodafone entscheidet man sich dagegen einmal für eine Gruppe von Apps (Video, Musik, Social oder Chat), die dann fortlaufend genutzt werden kann, ohne auf den Datenverbrauch angerechnet zu werden.

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Nachteilige Preisentwicklungen

In der Fachsprache wird diese Praxis auch als "Zero-Rating" bezeichnet. Die Mobilfunkanbieter unterscheiden also zwischen freigestelltem Datenvolumen für spezifische Dienste und einer monatlichen Volumengrenze für den Rest des Internets. Laut einer Studie des Grundrechte-NGO’s Epicenter.Works und Mozilla bieten allein in Europa 186 von 225 Netzbetreibern entsprechendes Angebote an – also vier von fünf Anbietern und nur in Finnland und Bulgarien gar nicht. Das besorgniserregende Detail: Lediglich in Ländern ohne Zero-Rating fiel der Mobilfunkpreis um acht Prozent, während er überall anders um zwei Prozent anstieg. Kein Wunder, denn ein entsprechender Tarif führt zu einer Aufwertung, die sich prima vermarkten lässt.

Mit aller Macht

Die Datenschützer und Netzaktivisten bemängeln in ihrer Studie aber noch einen weiteren Punkt: Unter den Diensten, die am häufigsten unter die Regelung zur Gratis-Nutzung fallen, befinden sich nämlich all die großen Plattformen, die man in so einer Liste erwarten würde (WhatsApp, Netflix, YouTube & Co.). Sie alle nutzen also ihre Marktmacht, um gute Deals auszuhandeln und Nutzer damit noch stärker an sich zu binden. Das Nachsehen haben ganz klar kleine Anbieter, die sich erst noch einen Namen machen wollen und munter auf das Datenvolumen angerechnet werden.

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(Screenshot: epicenter.works)

Von den 20 Diensten, die am häufigsten am Zero-Rating-Programm teilnehmen, handelt es sich nur in drei Fällen um Firmen aus der EU. Zum PDF geht es hier.

Netzneutralität, anyone?

Mit ihren Zero-Rating-Angeboten verstoßen Telekommunikationsanbieter also ganz klar gegen das wichtige Prinzip der Netzneutralität. Sie haben ein Verbauchssystem kreiert, das für immer höhere Tarifpreise sorgt, damit einkommensschwache Nutzer ausgrenzt und auch noch große Inhalte-Anbieter bevorzugt. Mit einer klassischen Flatrate hat das nicht mehr viel gemeinsam. Und auch das europaweit verankerte Prinzip der Gleichbehandlung von Daten, Diensten und Geräten im Internet wird missachtet.

Rede von Datenschützer Thomas Lohninger bei der Telekom-Hauptversammlung 2019 über StreamOn und Uploadfilter

Europa hat es verbockt

Blöderweise hat die EU erst die Weichen für entsprechende Angebote gestellt. Im Tausch für das Ende von Roaming-Gebühren ist man den Mobilfunkern nämlich in dieser Sache entgegenkommen. Leider werden in den Zero-Rating-Angeboten aber nun auch munter die Übertragungsraten gedrosselt und das Prinzip "Roam like at home" ausgehebelt. Denn die Anrechnung der Partnerdienste auf das Inklusivvolumen muss "aus wirtschaftlichen Gründen" selbstverständlich mit der nationalen Ländergrenzen enden. Das alles war so nicht geplant. Die Bundesnetzagentur befindet sich deshalb seit Jahren in der gerichtlichen Auseinandersetzung mit Telekom, Vodafone & Co. – ohne wirklich vorwärts zu kommen. Denn Sanktionen werden entweder gar nicht durchgesetzt oder sind alles andere als abschreckend.

Weg frei für die Datenautobahn

Einen noch genaueren Blick sollten wir auch auf Cloud-Anbieter wie AWS von Amazon werfen. Denn im Gegensatz zur öffentlichen Infrastruktur für den Mobilfunk werden private Anbieter mit eigenem globalen Netzwerk gar nicht reguliert. Und AWS hat erst kürzlich eine Datenpriorisierung angekündigt, mit der Filme, Musik und Games noch besser und zuverlässiger übertragen werden sollen – gegen Aufpreis natürlich. Die Frage ist nun, wie lange wir uns noch über höhere Datenraten und geringere Ladezeiten bei gleichzeitig steigenden Preisen und weniger Auswahl im Internet freuen werden.

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