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E-Fußballprofi Timo Siep alias TimoX ist Spieler des VfL Wolfsburg (Foto: Yvonne Göpfert)
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E-Sports: Anders schwitzen

E-Sports wird noch mehr abheben, wenn die Generation Y ins Berufsleben bzw. in Führungspositionen einsteigt. Wir haben mit einem der Stars der Szene gesprochen: Timo Siep alias TimoX, FIFA-Profi, zweifacher deutscher Meister sowie Vizeweltmeister im E-Fußball.

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LEAD: Hast du früher echten Sport gemacht?

TimoX: Ja, ich habe früher beides gemacht - normalen Sport und virtuellen. Aber irgendwann habe ich mir beim Fußballspielen den Arm gebrochen. Das musste zweimal operiert werden. Danach hatte ich ziemliche Angst vor Zweikämpfen und habe dann mit Fußball auf dem Platz aufgehört.

In welchem Alter hast du dein erstes Fußball-Game gespielt?

TimoX: Da war ich zwölf. Damals war es FIFA 06.

Wenn du früher mit heute vergleichst, was ist der Unterschied beim Spielen?

TimoX: Früher war die Grafik extrem pixelig. Heute wirken die Szenen wie eine Live-Übertragung auf Sky. Außerdem kann ich heute vernetzt gegen Leute aus aller Welt spielen. Und das finde ich richtig cool. Außerdem ist die Einstellung zum Spiel natürlich eine ganz andere geworden. Früher habe ich immer aus Spaß gegen den Computer gespielt, heute verdiene ich mit dem Spielen mein Geld.

Schwitzt du auch mal so richtig bei FIFA-Spielen?

TimoX: Es ist kein so ein Schwitzen wie man es vom Sport her kennt. Aber bei brenzligen Szenen verschafft mir FIFA durchaus einen ziemlichen Adrenalinkick.

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Wenn du dich vorstellst und sagst du bist Profi-E-Sportler, wie reagieren die Leute?

TimoX: Eigentlich dachte ich, dass das bei den Leuten nicht so gut ankommt. Denn die denken vielleicht, dass man den ganzen Tag im Keller sitzt und zockt. Aber ich mache immer wieder die Erfahrung, dass es gut ankommt. Die Menschen sind interessiert und merken, dass man eben nicht nur im dunklen Kämmerchen sitzt. Und sie fragen mich dann fast ein Loch in den Bauch. Zwei typische Fragen, die die Leute stellen, sind: ‘Wieviel Geld kann man da verdienen?’ und ‘Was genau machst du da eigentlich?`

Was ist dein Erfolgsgeheimnis? Wie bist du zweimal Deutscher Meister und einmal Vize-Weltmeister geworden?

TimoX: Es ist total wichtig, nicht nervös zu werden. Viele Spieler können sich nicht mehr konzentrieren nach einer bestimmten Zeit. Vor allem bei Endspielen ist das auch ziemlich schwierig. Denn da sind so 500 bis 600 Leute im Raum. Wenn die kurz vor einer Torszene aufseufzen, darf man sich nicht rausbringen lassen. Das ist eine der Herausforderungen bei den FIFA-Meisterschaften.

Wie bereitest du dich auf große Wettbewerber vor?

TimoX: Wir haben vor großen Wettbewerben ein Bootcamp, welches von meiner Agentur STARK eSports organisiert wird. Dort bleiben wir drei bis vier Tage und bereiten uns auf die großen Turniere vor. Wir treffen uns unter anderem mit anderen Spielern vom VfL Bochum, von Stuttgart und Schalke und dazu kommen auch Analysten. Sie analysieren die Spielszenen mit uns und geben uns Tipps, was wir besser machen können. Dazu verwenden sie ein Programm, indem sie uns mit Pfeilen zeigen: Hier hättest du besser köpfen sollen. Oder da wäre ein Pass nach rechts außen die klügere Entscheidung gewesen.

Du sagst, bei einem Endspiel sind 500 bis 600 Leute im Stadion. Bei der „echten“ WM sind es 80 000. Fändest du es toll, auch vor so einem so großen Publikum zu spielen?

TimoX: Es wäre schon cool, vor mehreren tausend Leuten zu spielen. Aber es lenkt auch ab. Wenn das Publikum mitgeht und im Hintergrund eine große Geräuschkulisse ist, dann kann einen das schnell rausbringen.

Wie stehst du zum „realen“ Fußball? Willst du im E-Sport mal so berühmt werden wie die Elf von Jogi Löw es heute ist?

TimoX: Ich finde, der reale Fußball wird immer der große Fußball bleiben. Aber von der Wertschätzung her sollte sich der E-Sport annähern. Wie viel Wertschätzung E-Sports erfährt, hängt übrigens stark davon ab, wo man rumläuft. Auf der Gamescom zum Beispiel denke ich immer, E-Sport ist das Größte.

Hast du noch ein zweites Standbein neben dem E-Sport?

TimoX: Zur Zeit mache ich den E-Sport hauptberuflich und in Vollzeit. Nächstes Jahr möchte ich mit einem Studium beginnen - Sportmanagement. Die Branche wächst und die Preisgelder steigen. Dennoch sollte man sich stets weiterentwickeln und auch Vorkehrungen für die Zeit nach der aktiven E-Sportlerkarriere in die Wege leiten.

Danke für die spannenden Einsichten.

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