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Egret
It‘s fun, it‘s fast, it‘s green – and it's verboten. Das gilt für E-Scooter in Deutschland (Foto: Egret)
E-Scooter Smart City Mobilität

E-Scooter: Schlau gegen den Stau

Die städtische Mobilität von morgen – in San Francisco, London, Paris oder Wien funktioniert sie schon heute. Dort fahren die Menschen mit dem Elektro-Tretroller zur nächsten Bus-Haltestelle, falten ihren E-Scooter zusammen, und nehmen ihn mit in den Bus. Solche "Last Mile"-Lösungen sind schnell, sauber, praktisch – und in Deutschland verboten. Denn bei uns gibt es nach wie vor keine Zulassung für die handlichen E-Scooter, die weltweit dermaßen boomen, dass der US-Rollerverleiher Bird bereits mit zwei Milliarden Dollar bewertet wird.

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Deutschland hinkt hinterher, beziehungsweise rollert hinterher. LEAD erklärt den aktuellen Stand und stellt fünf E-Scooter vor – von denen zwei in Deutschland dank cleverer Hersteller und dem Ausnutzen von Gesetzeslücken doch auf Radweg und Straße dürfen.

Weltweit sind E-Scooter schon sehr gefragt:In den USA haben mit Bird, Lime und Spin gleich drei Tretroller-Verleiher für eine regelrechte Invasion auf den Straßen gesorgt. Dort gilt in Sachen Scooter tatsächlich "Hyper, Hyper".

Bei Bird, das vom ehemaligen Uber-Manager Travis VanderZanden gegründet wurde, kostet das Ausleihen der Roller, die an so genannten "Nestern" überall in den Städten stehen, einen Dollar. Für jede Minute Fahrzeit werden weitere 15 US-Cent fällig. Bei der Konkurrenz liegen die Preise ähnlich. In China, Indien und in vielen europäischen Metropolen boomt der Verleih von E-Scootern ebenfalls.

In Wien hat neben Bird und Lime seit September auch das Berliner Startup Tier Mobility, das im eigenen Land noch zum Warten verurteilt ist, unter dem Motto "It‘s fun, it‘s fast, it‘s green" 250 Roller auf der Straße.

Auch interessant: So wird die Mobilität in der Stadt revolutioniert

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Die Schattenseiten der neuen Mobilität sind auch schon zu erkennen: Unter dem Hashtag #ScootersBehavingBadly ("Scooter, die sich mies benehmen") häufen sich auf Instagram Beschwerden über rücksichtslose Fahrer der bis zu 25 km/h schnellen Gefährte. Auch vom "Scootergeddon" ist die Rede. In Cleveland ist es bereits zu einem ersten Todesfall gekommen, bei dem eine – an ihrem Unfall unschuldige – 21-jährige Roller-Fahrerin von einem Autofahrer angefahren wurde und starb.

Und in Deutschland? Bei uns dürfen simple E-Scooter zum Zusammenfalten zwar verkauft werden - das Fahren ist aber nur auf Privatgelände erlaubt (woran sich viele Fans längst nicht mehr halten). Eine Zulassung ist zwar in Arbeit, wird dank deutscher Gründlichkeit aber mindestens noch bis Anfang 2019 auf sich warten lassen.

Gesetzesgrundlage soll die so genannte "Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV)" sein, die den Einsatz dann exakt regelt. Nach Inkrafttreten dürfen die Elektroroller voraussichtlich ohne Kennzeichen, ohne Führerschein und ohne Helmpflicht bis zu 20 km/h schnell auf Radwegen und notfalls auf der Straße unterwegs sein.

Gefahren werden darf ab 14 Jahren, Gehwege bleiben vernünftigerweise tabu. Die Beschränkung auf 20 km/h gilt dabei als umstritten, weil praktisch weltweit 25 km/h als Standard üblich sind, und weil die Roller damit zum Hindernis für E-Bikes werden könnten, die mit Tempo 25 fahren dürfen. Bereits jetzt erlaubt, aber zulassungs- und versicherungspflichtig, sind dagegen größere E-Scooter mit Sitz, Beleuchtungsanlage, Blinker und Rückspiegel – die aber als "Last Mile"-Lösung zu unhandlich sind.

IO Hawk Sparrow
Das rockt! Mit bis zu 24 Sachen macht der IO Hawk Sparrow in der Stadt mächtig Wind (Foto: IO Hawk)

Wer in deutschen Städten mit einem nicht zugelassenen E-Scooter unterwegs ist, riskiert bis zu 70 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Bei "Wiederholungstätern" kann die Polizei das Vehikel beschlagnahmen, und bei einem Unfall muss der Rollerfahrer für alle Schäden aufkommen. Auch die Nutzung als reiner Tretroller ohne Strom ist verboten. Straffrei bleibt nur das Schieben auf dem Gehsteig.

Diese fünf E-Scooter sind ihr Geld wert

Experten raten dringend dazu, von Billigst-Scootern aus dem Baumarkt oder vom Discounter die Finger zu lassen, die durch kippeliges Fahrverhalten und schlechte Bremsen lebensgefährlich werden können – für den Fahrer und für andere Verkehrsteilnehmer.

Im Autobild-Test ist beim 130-Euro-Roller Takira Electronic Star V6 nach wenigen Metern eine Schweißnaht gebrochen, und die Plastikbremsgriffe machen schon beim Hinsehen Angst. Fazit der Tester: "Schrott ab Werk." Mindestens um die 500 Euro sollte ein vernünftiger E-Scooter kosten – wie die fünf Modelle, die LEAD hier präsentiert.

IO Hawk Sparrow

IO Hawk Sparrow
Mein Spatz, Du bist ne Wucht! Für 549 Euro ist der IO Hawk Sparrow eine gute Wahl für Einsteiger (Foto: IO Hawk)

Für 549 Euro einer der günstigsten wirklich empfehlenswerten E-Scooter, die in Deutschland zu haben sind. Die Trittfläche ist mit 53 Zentimetern gut zehn Zentimeter länger als bei der Konkurrenz üblich, und erinnert eher an ein Longboard. Das bringt mehr Platz für die Füße und mehr Fahrkomfort. Bis zu 24 km/h sind drin, hier könnte ein Software-Update für die künftige Limitierung auf 20 km/h sorgen.

Die Reichweite liegt bei maximal 28 Kilometern. Scheibenbremsen und Bremsleuchten sorgen an dem kalifornischen Roller für Sicherheit, und die individuell einstellbare LED-Unterbodenbeleuchtung für einen ziemlich coolen Auftritt. Mit 12,5 Kilo Gewicht ist das Mitnehmen in Bus oder Bahn gut möglich – wenn nur das Fahren in Deutschland bisher nicht verboten wäre.

BMW X2City

BMW X2City
BMW X2City: Exzellente Idee, aber der Kampf um die Zulassung ist noch nicht ausgestanden (Foto: BMW)

In Zusammenarbeit mit Fahrrad-Spezialist Kettler hat BMW Motorrad einen ganz besonderen E-Scooter auf die Räder gestellt. Die Münchner sprechen selbst von einem "Pedelec Scooter". Diese Bezeichnung, deren erste Hälfte an ein E-Bike erinnert, deutet schon an, was den X2City tatsächlich einmalig macht. Denn der Roller hat hinten am Trittbrett eine Fußtaste, die alle fünf Meter getreten werden muss, und die den Elektromotor am Laufen hält.

Technisch ist das zwar gar nicht nötig. Aber dadurch gilt der BMW-Roller als Pendant zum Elektrofahrrad, das ohne Treten auch stehenbleibt. Durch dieses Schlupfloch ist er in Deutschland schon jetzt zulassungsfähig – hofft zumindest BMW, das seit Monaten mit den Behörden um eine Genehmigung ringt. Schade, dass der hochwertig verarbeitete und exzellent ausgestattete X2City, der nun Anfang 2019 erscheinen soll, mit 2.400 Euro extrem teuer ist – und mit 20 Kilo Gewicht für die "letzte Meile" auch recht unhandlich.

Eneway Revoluzzer 2.0

Eneway Revoluzzer 2.0
Dicker Brummer: Der Eneway Revoluzzer 2.0 ist quasi die Harley unter den E-Scootern (Foto: Eneway)

Mit den federleichten Klapprollern zum Überallhin-Mitnehmen hat der Autobild-Testsieger nichts zu tun. Hersteller Eneway aus Bruchsal spricht vom "Premium Scooter aus Deutschland", und hält auch Wort. Der 1.200-Watt-Motor treibt den Revoluzzer, der eher an ein Mofa erinnert, auf bis zu 45 km/h. Es gibt aber auch 20 km/h-Versionen.

Dicke und stabile Reifen, Scheibenbremsen, einstellbare Federung, Tempomat und ein flüsterleiser Nabenmotor garantieren exzellentes und sicheres Fahrverhalten. Der Revoluzzer 2.0 ist ab 1.299 Euro zu haben. Er erfordert Versicherung, Zulassung und einen Helm. Wer den 50 Kilo schweren Brummer zusammenklappt und im Bus mitnimmt, stellt die Liebenswürdigkeit seiner Mitmenschen allerdings auf eine harte Probe.

Egret Ten V3

Egret Ten V3
Non, je ne egret-te rien! Der Egret Ten V3 ist ein guter Kauf, aber in Deutschland (noch) nicht zugelassen (Foto: Egret)

Auch das neueste und 1.500 Euro teure Modell der Hamburger Firma Walberg Urban Electrics ist "Designed in Germany" – aber mit 17 Kilo viel handlicher als der Eneway Revoluzzer. Mit bis zu 42 Kilometern kommt der V3 extrem weit. Und mit zwei Scheibenbremsen ist der Scooter, der sich in Österreich und in der Schweiz schon erfolgreich verkauft, bereits auf die mutmaßlichen Zulassungsbestimmungen in Deutschland vorbereitet.

Die größte Schwäche des sehr solide verarbeiteten E-Scooters steht ganz am Ende des Datenblatts: "Im Bereich der StVZO nicht zugelassen." Zumindest noch nicht…

Xiaomi M365

Xiaomi M365
Der Xiaomi M365 ist der Roller mit der App. Er garantiert an jedem Tag des Jahres Mobilität, außer am 29. Februar (Foto: Xiaomi)

Der gewaltige Hype um die E-Scooter in Asien hat dazu geführt, dass ganz neue Firmen in den Markt einsteigen – wie zum Beispiel der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi. Mit 12,5 Kilo ist der China-Roller angenehm handlich und kompakt, er schafft 25 km/h und kommt bis zu 30 Kilometer weit. Seine Wurzeln kann und will der M365 nicht verleugnen.

Weil sich Hersteller Xiaomi bestens mit Smartphones auskennt, lassen sich jede Menge Funktionen wie Bremsstärke, Höchsttempo oder Diebstahlschutz per App einstellen. Mit 560 Euro in der EU-Version ist der Roller um einiges teurer als Billig-Chinaware. Dafür ist der Besitzer auch sicherer und komfortabler unterwegs – wenn es denn in Deutschland erlaubt wäre...

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