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Johannes Mairhofer Fotografiert Von Sandra Schink
Johannes Mairhofer hat das Projekt speakabled initiiert (Foto: Sandra Schink)
diversity New Work Unternehmenskultur

Stellt endlich mehr Menschen mit Behinderung ein!

Welches Unternehmen will sich 2019 nicht mit dem Buzzword Diversity schmücken? Nicht wenige Firmen werben mit internationalen Teams und Netzwerken für Frauen. LEAD-Autor Johannes Mairhofer kritisiert, dass Unternehmen zwar Diversität propagieren, aber oft Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen nicht mit einbeziehen.

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“Eine Demokratie ist nur gut, wenn sie inklusiv ist”, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, im Interview mit der Tagesschau. Dies gilt auf allen Ebenen der Gesellschaft - von sozialem Miteinander, digitaler wie analoger Kommunikation, Nutzbarkeit der öffentlichen Verkehrsmittel bis hin zum Arbeitsumfeld.

Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention seit über zehn Jahren gültig ist, besteht hier leider auf vielen Ebenen noch Handlungsbedarf, auch wenn es einige positive Entwicklungen gegeben hat.

Viele Firmen brüsten sich damit, wie ernst alle Hierarchie-Ebenen Diversity nehmen. Es geht dabei schon oft um Vielseitigkeit, gemeint ist aber eher “nur” das Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft und verschiedenen Geschlechts. Nur selten sind auch Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen gemeint. Die Folge: Menschen mit Behinderung fühlen sich nicht angesprochen.

Dabei ist Vielseitigkeit tatsächlich wichtig, denn die Arbeitswelt ist ein Abbild der Gesellschaft - und Menschen mit Behinderungen bringen oft ganz andere und neue Sichtweisen und Ideen mit ein.

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Hürden in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung abbauen

In einer Industrienation, in der wir es nicht schaffen, echte Diversität im Arbeitsumfeld zu leben, werden wir auch in der Sozialgesellschaft Schwierigkeiten haben. Aber sowohl in der Sozialgesellschaft, als auch in der Arbeitswelt sind vermeintliche Hürden in Wirklichkeit oft gar keine. Und wenn es doch welche werden, gibt es meist vielseitige Lösungen.

Viele Firmen lassen sich von rechtlichen Vorgaben, vermeintlichen Unkündbarkeiten oder äußeren Umständen verwirren.

Erschwerend kommt hinzu, dass Berührungsängste existieren. Wenn Chefs und Mitarbeiter im privaten Umfeld keinen Umgang mit Menschen mit Behinderung haben, entsteht oft eine unbegründete Angst. So werden dann lieber keine Menschen mit Behinderung angestellt- ein Teufelskreis.

Menschen mit Behinderung sind so vielseitig und unterschiedlich wie Menschen ohne Behinderung und so gibt es hier natürlich auch viele verschiedene Charaktere.

Was auf jeden Fall hilft: Fragen. Keiner weiß besser, welche Anforderungen wirklich wichtig sind, wie die Person, um die es geht. Auch wenn es eventuell rechtliche Vorgaben gibt, sieht die Realität oft ganz anders aus und für viele Barrieren gibt es auch Förderungen, die in Anspruch genommen werden können.

Wer sich immer noch unsicher ist, kann zum Beispiel einen Experten für Arbeitsrecht aufsuchen.

Lead 4 Diversity 1200X1200
Wir sind mehr!

Diversity am Arbeitsplatz ist eine Chance und ein Investment zugleich. Im LEAD Bookazine 4/2018 erfährst du, wieso Chancengleichheit die Produktivität steigert und erfolgsentscheidend für jede Agentur und jedes Unternehmen ist. Es geht also auch um Geld.

Gelebte Diversity: positive Beispiele von Firmen

Viele Firmen haben erkannt, dass Menschen mit Behinderung nicht nur die Vielseitigkeit erhöhen, sondern bei manchen Tätigkeiten sogar Vorteile haben können.

Auticon

Auticon ist laut eigenen Angaben eine "internationale IT-Beratung und das erste Unternehmen in Deutschland, das ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultants beschäftigt. Wir sind stolz darauf, autismusfreundliche Arbeitsumgebungen zu schaffen und unseren Kunden hervorragende Qualität zu liefern".

Auticon ist tatsächlich aus persönlichen Erfahrungen heraus entstanden: Bei einem der Kinder der Gründer wurde Autismus diagnostizert.

Discovering Hands

Discovering Hands arbeitet mit blinden und sehbehinderten Frauen zusammen, um diese als MTU (Medizinisch-Taktile Untersucherin) auszubilden. Dabei kommt ihnen ihr oft den sehenden Menschen überlegener Tastsinn zugute. Durch diese ergänzende Diagnoseform kann die Brustkrebsfrüherkennung unterstützt werden.

Was kann die Situation verbessern?

Auch wenn sich schon viel getan hat, ist immer noch viel Luft nach oben. Dabei möchte ich vor allem auf zwei Punkte eingehen:

Miteinander

Es wäre schön, wenn in Bezug auf Menschen mit Behinderungen Ängste abgebaut und Erfahrungen gesammelt werden würden. Ich denke, dass es beispielsweise eine interessante Erfahrung sein könnte, einmal einen Tag im Rollstuhl zu verbringen - gerade für Menschen, die nicht darauf angewiesen sind. Diverse Einrichtungen bieten hier Workshops an.

Bei solchen Workshops erleben die meisten Teilnehmer, dass viele Hürden allein baulicher Natur und eigentlich unnötig sind.

Medien

Die Berichterstattung über Menschen mit Behinderung ist oft katastrophal und geradezu unmenschlich. Da werden dann Menschen “an den Rollstuhl gefesselt”, “meistern ihr Leben” “trotz” einer “grausamen, fürchterlichen Krankheit”. Das ist schwierig, weil die Medien damit ein Bild von Menschen mit Behinderung vermitteln, das sehr oft nicht stimmt. Hier wird teilweise viel Leid kommuniziert, wo eigentlich keines ist.

Unterstützende Organisationen für Menschen mit Behinderung und Arbeitgeber

Wenn du Menschen mit Behinderung auf Jobsuche kennst, oder selbst eine Behinderung hast und nach einem Arbeitsplatz suchst, habe ich einige Tipps, welche Organisationen dich dabei unterstützen können.

Capjob

Capjob ist noch relativ neu auf dem Markt. Bei Capjob kannst du direkt Jobs für Menschen mit Behinderung suchen oder einstellen. In der gewählten Stellenanzeige neben den üblichen Informationen stehen auch weitere Infos dazu, “welche Behinderung geeignet ist”. Da steht dann zum Beispiel: “für Rollstuhlfahrer geeignet”. Jobs in Werkstätten werden hier nicht vermittelt, Capjobs konzentriert sich auf den ersten Arbeitsmarkt.

MyHandycap

Bei MyHandycap können sich sowohl Menschen mit Behinderung, als auch Arbeitgeber über alle Themen aus der Arbeitswelt informieren. Es gibt Tipps zu Zeugnissen, Hilfsmitteln und Fördermöglichkeiten. Außerdem können Angebote für Jobs und Suchaufträge eingestellt werden. Es gibt dort auch ein Forum zu vielen anderen Themen außerhalb der Arbeitswelt - so etwas finde ich persönlich allerdings etwas schwierig, weil der “Leidensdruck” in solchen Foren, wie im Internet üblich, sehr hoch ist.

Sozialhelden

Die Sozialhelden wurden von Raul Krauthausen gegründet und realisieren viele Projekte, die sich alle um Diversity, Inklusion und gesellschaftliches Miteinander drehen. Hier entstanden zum Beispiel spannende Ideen wie die wheelmap oder die leidmedien. Es gibt dort zwar keine Jobbörse für Menschen mit Behinderung, aber die Sozialhelden suchen immer wieder selbst neue Mitarbeiter für die verschiedenen Projekte und geben allgemeine Tipps zu dem Thema.

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