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Bild: Fotolia
Digitalisierung Sport

Disruption im Sport: Wo Deutschland digitalen Nachholbedarf hat

Die Digitalisierung macht auch vor der Sportbranche nicht halt. Deutschland muss einen Innovationssprint hinlegen, um mit den IT-Nationen mitzuhalten.

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Power Units: Digitale Maßstäbe made in USA

Die amerikanischen Ligen sind denen in Deutschland - gar in Europa - ein großes, digitales Vorbild. Hier setzen die Entscheider und Funktionäre schon seit Jahren auf den Aufbau digitaler Power Units. Mit MLB Advanced Media entstand eine Plattform, bei der Baseballspiele verschiedenster Ligen im Abo plattformübergreifend gestreamt werden können und zusätzliche Live-Inhalte und Statistiken die Fans fesseln. 

Ähnlich ist es auch im Basketball: Dort ist mit NBA Digital von professionellen Interview-Formaten bis hin zur detaillierten Live-Berichterstattung alles dabei, was das Fan-Herz begehrt. NBA Digital bietet z.B. den NBA League Pass an, der es erlaubt live oder on-demand die Basketball-Profiliga komplett mitzuerleben. Die Premium-Version eröffnet Nutzern die Möglichkeit, sich individuell anpassbare, tägliche Highlights der eigenen Lieblingsspieler, Teams und Spiele anzusehen. Auch der Zugang zu NBA TV und dem 24/7-Streaming von Live-Sendungen, Analysen und Spezial-Dokumentationen ist inklusive. Und das ist nur eines der möglichen Pakete. 

Fan-freundlich ist auch das Bezahlmodell: Die einzelnen Pakete sind jährlich, monatlich oder auch täglich buchbar. Ein zusätzliches Bonbon: Dieser Service ist so beliebt, dass er mittlerweile für die deutschen Fans optimiert und angepasst wurde. Ein schönes Format ist auch der “Players Only: Fan Talk". Hier treten die Moderatoren in den direkten Kontakt mit den Basketball-Liebhabern und tauschen sich über aktuelle Neuigkeiten rund um den Ballsport aus. Für die Zeit zwischen den Saisons hat sich NBA Pulse etabliert. Mittels Content Marketing wird so in der spielfreien Zeit das Engagement in der Off-Season gepusht. Dabei steht im Mittelpunkt, was aktuell auf den NBA Social-Media-Kanälen debattiert wird; unabhängig von redaktioneller Berichterstattung entscheiden die Fans über Schlagzeilen und News.     

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Auch auf Facebook zeigt sich, dass die NBA mit der Zeit geht: Dort liefert ein Chatbot aktuelle Statistiken zu Lieblingsspielern und Teams. Und ebenso im mittlerweile gehypten Fußball gibt es Bewegung. Genau deswegen arbeitet ein Team von Strategen, Designern und Technologie-Experten im Rahmen der MLS Digital Labs daran, das Erlebnis Fußball für die Amerikaner noch attraktiver und digital zugänglich zu gestalten. Livestreams sind über die App abrufbar, genauso wie Live-Stats und Updates. Darüber hinaus entscheiden die Fans, welche News sie erhalten, der Content lässt sich aufs eigene Lieblingsteam individualisieren.

Außerdem setzt die Women’s Tennis Association seit 2017 auf das Online-Netzwerk WTA Network. Ziel ist es, Tennisliebhabern, Spielern und Partnern eine gemeinsame Plattform zu geben. Auch das Thema Storytelling, Behind-the-Scenes-Specials und Porträts der Star-Spielerinnen spielen eine große Rolle, um den Zuschauer digital auf die weltweite Tennis-Tournee mitzunehmen.

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Tickaroo-CEO Naomi Owusu war bei der SXSW - und zieht für LEAD ein Fazit zur Digitalkonferenz (Foto: Tickaroo/NO)

Kooperationen, Super-Technologien und Vermarktung für Sport Experience 3.0

Live-Statistiken sind im Sportbereich ein alter Hut, der Fan möchte noch näher am Geschehen sein. Zur Fußball EM und WM kommen zumindest in Deutschland Second-Screen-Technologien zum Einsatz - längst Standard in den USA. Schon 2015 entschloss sich die Eishockey-Liga NHL zu einer Kooperation mit dem Kamera-Hersteller GoPro, um Aufnahmegeräte auf den Helmen zu befestigen und den Zuschauer so aufs Eis zu bringen. Der Superbowl feierte 2017 gar seine Virtual-Reality-Premiere. Jüngst präsentierte dann das Footballteam der Minnesota Vikings in Zusammenarbeit mit Zeality die erste VR-App, bei der Fans seit 2016 auf 360-Grad-Videos und Fotos Zugriff haben. 

Mit ShotTracker findet im Basketball eine Technologie Anwendung, die es ermöglicht Ball- und Spielerbewegungen in Echtzeit zu monitoren und zu analysieren. Damit nicht genug: Das israelische Startup WSC Sports konnte sich vor allem in der NBA bereits einen Namen machen. Mit künstlicher Intelligenz generierten, personalisierten Echtzeit-Videoschnipseln, die auf beliebigen Content-Plattformen ausgespielt werden können, ist der Fan mittendrin im Live-Geschehen, egal ob er zu Hause oder unterwegs ist. Und auch in punkto Selbstvermarktung setzen amerikanische Vereine und deren Spieler Maßstäbe: So etablierte sich "The Players’ Tribune" als eine Plattform von Spielern für Fans, bei der die Profis exklusive Einblicke in das Profi-Dasein vermitteln. 

Mehr Mut verlangt mehr Investitionen

Die amerikanischen Profi-Ligen und Teams gehen als Paradebeispiel voran:  Sie setzen mit Mut auf neue Technologien und Selbstvermarktung. Mit Power Units und Kooperationen werden die digitalen Möglichkeiten vollends ausgeschöpft. In Deutschland hapert es mit der Digitalisierung im Sport. Eigene Apps der Profi-Vereine sprießen zwar aus dem Boden und auch der Videobeweis ist ein vielversprechender, technologischer Ansatz, aber ganzheitlich gesehen fehlt noch die Entschlossenheit neue Wege zu gehen. Im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung ist der Fußball und selbst dort gibt es noch deutlich Potenzial. Die deutsche Branche kann sich einiges aus Übersee abschauen, es braucht eine Disruption im Sport. 

Das Grundproblem in Deutschland ist das Investitionsvolumen beziehungsweise der Mut, neue Wege zu gehen, deren Output im Vorhinein nicht messbar ist. Aber: Vor allem die NBA zeigt, dass es sich lohnt über den Tellerrand zu schauen und mutig zu sein. Deutschlands Startup-Szene, die innovativen Geschäftsideen und Technologien finden weltweite Anerkennung. An den Entscheidern liegt es nun, dieses Potenzial zu erkennen und es auszureizen. Selbstredend wird das Finanzkraft verlangen, die Investition ist es aber wert, um als Team, als Spieler und folglich auch als Liga näher am Fan zu sein.

Über die Autorin: Naomi Owusu ist CEO und Co-Founder des Live-Content-Tools Tickaroo und dort für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig. Vor der Gründung des Regensburger Unternehmens arbeitete sie als Beraterin mit Schwerpunkt Produktstrategie digitaler Medien.  

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