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Papier adé: Bürokratische Prozesse zu digitalisieren, sollte das Minimumziel jeder Firma sein (Foto: Getty Images/Rick Barrentine)
Digitalisierung Mittelstand Transformation

Digitalisieren ist wie eine neue Schrift lernen

Kodak entwickelte 1975 die erste Digitalkamera - und versteckte sie in der Geheimschublade. Ein Paradebeispiel, wie es Mittelständler nicht machen sollten, findet Professorin Claudia Linnhoff-Popien. LEAD erklärt die Digicon-Initiatorin, wie kleine Unternehmen die Digitalisierung in die Hand nehmen sollten.

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Claudia Linnhoff-Popien, die die Digital-Konferenz Digicon mitinitiiert, ist Professorin am Lehrstuhl für Mobile und Verteilte Systeme am Institut für Information an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

LEAD: Mit der Digicon möchten Sie dem Mittelstand helfen, die digitale Transformation zu meistern. Welche Probleme haben die kleineren Firmen denn dabei?

Linnhoff-Popien: Das allererste Problem für einen Mittelständler ist: Was ist eigentlich Digitalisierung? Welche Aspekte umfasst die Digitalisierung? Wenn ich digitalisieren möchte, wo fange ich da an? Wenn ich mir keinen Digitalisierungs-Chef leisten kann, wie starte ich dann selbst mit bescheidenen Mitteln und Ressourcen? Wenn der Mittelständler den Mut hat, sich selbst einzugestehen, dass er dieses Problem hat, so ist er schon einen Schritt weiter.

Sind große Firmen da im Vorteil?

Linnhoff-Popien: Große Firmen haben dasselbe Problem, oder haben zumindest auch so angefangen. Vielleicht ist der Mittelständler auch einen Schritt weiter und hat an der einen oder anderen Ecke bereits angefangen zu digitalisieren. Er hat eine Webseite und einen Onlineshop, verwendet unterschiedlichste Programme zur Unterstützung seiner internen Prozesse. Dann ist das ein guter Anfang. Doch Digitalisierung ist immer mehr, weil sie sich täglich weiter entwickelt und neue Möglichkeiten bietet.

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Was ist Ihr Ansatz?

Linnhoff-Popien: Wir unterscheiden bei der Digitalisierung drei Dimensionen.

1. Die Digitalisierung der internen Prozesse

Es geht zunächst darum, die Produktion der aktuell angebotenen Produkte und Dienstleistungen effizienter zu gestalten. Dabei sollen in erster Linie Ressourcen eingespart werden. Dies geschieht zum Beispiel, indem analoge Prozesse digital gesteuert werden, indem automatisiert wird, Analytics zur Überwachung und Erfolgskontrolle eingeführt werden und künstliche Intelligenz dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.

2. Die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen

Darauf setzt ein Innovationsprozess. Dafür muss der Markt analysiert werden, um zu erkennen, wo Bedarf besteht. Andererseits gilt es den technischen Fortschritt zu beobachten und neueste Technik zu evaluieren, inwiefern diese einen Anreiz für neue Geschäftsmodelle geben kann. Nehmen wir das Beispiel Kodak: Diese Firma entwickelte 1975 die erste Digitalkamera, doch steckte sie in einer Geheimschublade. Man hielt weiter an analogen Produkten fest und musste 2012 Insolvenz anmelden. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, seine Produktpalette frühzeitig neu zu denken, denn die meisten Produkte und Dienstleistungen ändern sich im Kontext der digitalen Welt.

3. Die gesellschaftliche Wahrnehmung

Erkennen die Konsumenten da draußen, dass die Firma innovativ ist und mit dem technischen Fortschritt mithält? Dass sie sich auf Neues einlässt, neue Wege geht und alle Möglichkeiten ausschöpft? Der Wandel der Digitalisierung verlangt nach unternehmerischem Mut. Das hat man in der Vergangenheit an vielen Beispielen gesehen. Nur eine innovative Firma kann auch in Zukunft ein zuverlässiger Geschäftspartner bleiben.

Diese drei Dimensionen bedingen sich natürlich. Ein Beispiel: Nur wenn ich neue innovative Produkte entwickle, kann ich das auch nach außen aussenden und meine Kunden wahrnehmen lassen.

Welche Technologien und auch Strategien stehen bei den drei Dimensionen im Vordergrund?

Linnhoff-Popien: Wichtig ist es zunächst zu akzeptieren, dass die Digitalisierung eine sehr komplexe Sache ist, die sich durch alle Bereiche eines Unternehmens hindurchziehen muss. Daher kann man nicht von einer Technologie oder Strategie sprechen, sondern muss ganzheitlich darauf achten, dass jede Abteilung und jeder Bereich individuell entscheidet, wie er digitalisieren kann.

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Prof. Claudia Linnhoff-Popien (Foto: privat)

Welche Mitarbeiter und welche Skills sind gefragt?

Linnhoff-Popien: Vergleichen wir mal die Einführung der Digitalisierung mit der Erfindung der Schrift. Nehmen wir an, eine Firma, die nur mündlich kommuniziert, soll dies auf einmal schriftlich tun. Dann müssen Absender und Empfänger einer Nachricht die gleiche Schrift nutzen. Ansonsten ist eine Kommunikation unmöglich. Wenn Sie nun fragen, welche Mitarbeiter gefragt sind, so sind dies alle.

Digitalisierung ist Chefsache. Nur wenn der Firmenchef eine stimmige Digitalisierungsstrategie hat, kann er jeden Bereich, jede Abteilung und jeden Mitarbeiter begeistern und mitziehen. Dabei ist primär Offenheit gefragt - die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf neue Technologien einzulassen. Dann ist Geduld gefragt. Neue Techniken müssen eingeführt und ausprobiert werden. Zudem sind Feedbackschleifen notwendig. Es muss iteriert werden, geprüft werden, was beim Kunden ankommt und was nicht. Schnittstellen und Interoperabilität sind notwendig - und ganz viel Fleiß, um die Komplexität zu bewältigen.

Was ist die langfristige Vision bei der Digitalisierung des Mittelstands?

Linnhoff-Popien: Die Digitalisierung des Mittelstands ist die Gesamtheit der Digitalisierungsbemühungen jedes einzelnen Unternehmens. Hier kann man nicht verallgemeinern, man muss sich individuell mit den Problemen beschäftigen. Eines haben jedoch alle Bemühungen gemeinsam: Digitalisierung braucht Zeit.

Ein Unternehmen sollte nicht das Ziel haben, den Digitalisierungsprozess in drei oder fünf Jahren abzuschließen. Ein Zehn-Jahres-Plan ist eine gute Sache, ein Sammeln von Know-How, ein immer tieferes Einsteigen, ein Beobachten, wie sich Techniken des Internet of Things, Machine Learning und der Artificial Intelligence weiter entwickeln.

Wie realistisch ist die Angst, dass der Transformation Arbeitsplätze zum Opfer fallen? Wie soll der Mittelstand damit umgehen?

Linnhoff-Popien: Der Mangel an geeigneten Fachkräften steigt in Industrieregionen immer weiter an. Einige Arbeitsplätze fallen weg, doch andere Arbeitsplätze entstehen neu. Es kommt zu einer Verschiebung des benötigten Aufgabenprofils hin zu einer zunehmenden Spezialisierung. Vor diesem Hintergrund ist Weiterbildung gefragt und der Austausch mit gleichermaßen Betroffenen. Man kann ebenso von Mitbewerbern lernen, doch auch von Firmen vergleichbarer Größenordnung anderer Branchen. Die Unternehmen sollten Netzwerke nutzen und den Austausch suchen.

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