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Tickaroo-CEO Naomi Owusu war bei der SXSW - und zieht für LEAD ein Fazit zur Digitalkonferenz (Foto: Tickaroo/NO)
SXSW Blockchain Social Media

Digitale Welt gegen Realität

Die Zukunftskonferenz SXSW 2018 schloss vor wenigen Tagen ihre Tore und gab wieder genügend Stoff zum Nachdenken. Über Social-Media-Kritik und Blockchain-Hype: ein Rückblick auf die South by Southwest Conference 2018.

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Die South by Southwest Conference in Austin, Texas, sorgte auch in diesem Jahr für neue Impulse - nicht nur im digitalen Business. Die Konferenz begann mit einer Rede der belgischen Psychologin Esther Perel, die zum Nachdenken anregte: Perel beschrieb, wie die fortschreitende Digitalisierung auch immer stärker unsere Emotionen verändert - sei es im privaten oder geschäftlichen Umfeld. Soziale Kontakte würden zunehmend ausschließlich digital stattfinden. Einsamkeit gilt in den USA bereits als das größte gesundheitliche Problem. Selbst konventionelle soziale Netzwerke (zum Beispiel Nachbarschaften), bei denen es um einen physischen direkten Austausch geht, werden immer stärker durch digitale (nicht-physische) Kommunikationsmodelle ersetzt. Dating wird zum Business: Über Dating-Apps ist der moderne Mensch auf der Suche nach dem einzigartigen Soulmate, und lässt sich dennoch die Möglichkeit offen, zahlreiche andere potenzielle Partner zu finden - dies verwirrt und irritiert den Menschen.

Dennoch sind die sozialen Netzwerke als Werbeplattform für Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Immer, überall und jederzeit mit allen Mitmenschen kommunizieren. Facebook und Co. sind als Community-Plattformen angetreten, doch mehr und mehr entsteht eine digitale Scheinwelt, die die Realität vergessen lässt und die Wahrnehmung manipuliert. Esther Perel rief die Innovatoren und Kreativen dazu auf, auch das Thema Beziehung auf die Agenda der Zukunftsthemen zu setzen. Nichts würde unsere Lebensqualität stärker beeinflussen. Sowohl im Business als auch privat.

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Trotzdem brauchen wir Social Media

Mir fiel auf, dass über die Tech-Riesen um Facebook und Google sehr kritisch diskutiert wurde. Bei allen Beschwerden, die derzeit auf die Unternehmen einprasseln, sollten wir uns fragen: Können wir ohne sie? Vorerst nein. Sie sind nicht mehr wegdenkbar. Und: Sie sind ein wichtiger Kanal für alle. Die "Wahrheit" liegt auch hier wie so oft in der Mitte. Die Distributed Content-Problematik hängt aktuell wie ein Damoklesschwert über allen Publishern. Sie sollten ihren Content nicht für fremde Plattform erstellen, sondern den eigenen Zweck im Auge behalten. Dem Konsumenten "Lust auf mehr" machen. Es geht nicht darum gegen Facebook und Co. zu hetzen - sie sind wichtige Katalysatoren. Es geht darum, das eigene Brand Building zu stärken. Content muss grundsätzlich nachhaltig sein, denn jede Marke hat einen Charakter und dieser muss vorrangig durch die eigene Präsenz gezeigt werden. Sobald das passiert, profitieren alle Beteiligten hinsichtlich der Authentizität. Derzeit ist Facebook ein weltweites digitales Anzeigenblatt und den Weg zurückzufinden, zu dem, wofür das Netzwerk gedacht war, ist schwierig, aber erstrebenswert.

Befinden wir uns in der Digital Renaissance?

Auf einem Talk von Jim Bowles und Robert Belgrave, die gemeinsam den Tech-Podcast "Alexa Stop!" betreiben - lautete das Thema "The best is yet to come: Digital Renaissance". Sie sprachen über eine Renaissance im digitalen Zeitalter. In einem schön verpackten Talk wurde friedlich über das Bevorstehende philosophiert: Mit fortschreitender Technik haben Menschen mehr Zeit, können sich auf das Wesentliche konzentrieren. Services werden kostenlos nutzbar sein und so das Leben optimieren. Doch ich vermute, so harmonisch, wie ihre Worte klangen, wird es nicht. Und sind wir mal ehrlich: War die damalige Renaissance so harmonisch? Es gab großen Widerstand und es ist bereits bekannt, dass viele Jobfelder unter dieser Transformation leiden werden. Hat Zalando nicht gerade 250 Marketing-Angestellte entlassen und sie durch künstliche Intelligenz ersetzt? Ich bezweifle stark, dass diese Vorgehensweisen in der gesamten Gesellschaft so blumig ankommen werden, wie sie dargestellt worden sind.

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Naomi Uwusu (rechts) mit (v.l.) Mirta Gilson (make.tv), Dereyck Moore (ELEAGUE Turner Sports), Leonard Armato (MPE), den Teilnehmern des Sports-and Media Panels (Bild: Tickaroo)

Schließlich definiert man sich in unserer Zeit über den persönlichen Status, von dem der eigene Beruf ein großer Teil ist. Unsere Persönlichkeit wird heutzutage mehr denn je vom eigenen Job geprägt. Du bist, was du arbeitest. Die Identität hängt mehr als jemals zuvor von dem ab, was wir den Tag über machen. Wo wir arbeiten, mit wem wir arbeiten und natürlich: was wir verdienen. Online lässt sich alles über uns erfahren, sei es nun in beruflichen oder sozialen Netzwerken. Die beschriebene "Digitale Renaissance" führt unter anderem dazu, dass viele Berufe, von Maschinen übernommen werden. Folglich müssen Menschen in der Zukunft ihren Status anders definieren können. Wie definiert sich persönlicher Status in der Zukunft? Wie kann man dem Identitätsverlust entgegenwirken?

Und was ist eigentlich mit Blockchain?

Das Hype-Thema schlechthin war Blockchain. Kaum einer kommt derzeit daran vorbei. Bitcoin und andere Kryptowährungen waren bislang nur der Anfang. Es wird weitergehen, und auch in der Gesellschaft ankommen. Ob Smart Citys oder die Sportbranche, es wird branchenübergreifend nicht mehr nur einen Anbieter geben, sondern die Stärke des Kollektivs entscheiden. Das Interesse vor Ort war dementsprechend riesig, doch eine Herausforderung ist, aufzuklären, was Blockchain nun eigentlich ist. Wie funktioniert Blockchain? Die digitale Wirtschaft wird durch diese Technologie zum Kollektiv, das ist sicher, aber das detaillierte Verständnis fehlt noch. Es wird einige Zeit dauern bis sich neben der Finanzwelt die ersten Best Practice-Beispiele etablieren, sobald sich der erste Hype legt. Es ist jedoch als trendweisend zu bewerten, dass Blockchain die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Impulse für Business und Gesellschaft

Die SXSW ist ein Happening der besonderen Art. Und es gelingt ihr Jahr für Jahr wichtige Impulse zu setzen, nicht nur für das Business. Es lohnt sich in mehrfacher Hinsicht und ich meine, vor allem bei der SXSW, zwischen den Zeilen lesen zu können. Bei vielen Konferenzen stehen VCs, Big Money und Funding-Runden im Fokus. Sie entwickeln sich zu einem großen Schaulaufen für Geschäftstätige. Die SXSW bringt dagegen Experten aus allen Bereichen zusammen und schafft so eine Plattform für gesellschaftliche Zukunftssysteme und präsentiert dabei auch alternative Konzepte. Für die eigene Produktentwicklung hilft sie, ständig bekannte Schemata zu hinterfragen und aufzubrechen. Sie bewegt folglich nicht nur das Business, sondern auch die digitale Elite und bringt Licht in die digitale Scheinwelt. Die Erfindung des Internets ist meiner Meinung nach die größte Chance für die Menschheit aber vielleicht schafft es die Branche, dass sie manchmal etwas mehr kollaborativ und weniger "Old Business" denkt, damit nicht nur wenige Einzelpersonen davon profitieren können, sondern unsere ganze Gesellschaft.

Über die Autorin: Naomi Owusu ist CEO und Co-Founder vom Live-Content-Anbieter Tickaroo und dort vor allem für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig. Vor der Gründung des Regensburger Unternehmens arbeitete sie als Beraterin. Ihr Schwerpunkt lag auf Produktstrategien digitaler Medien und insbesondere die Planung und Konzeption mobiler Applikationen gehörten zur ihren Arbeitsbereichen. Die Idee zu Tickaroo kam ihr bei der Umsetzung einer Sport-App, als sie feststellte, dass es an guten Tools zur Live-Berichterstattung mangelt.  

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Hamburg: 24./25. Mai 2018 *** München: 20./21. Juni 2018 

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