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Ces Andreas Gebel
Damit Videos auch an öffentlichen Orten abgerufen werden können, sollten Untertitel zum Standard gehören (Screenshot: André Gebel/CES)
Digitalisierung Barrierefreiheit Usability

Digital ohne Einschränkungen

Bei der digitalen Barrierefreiheit geht es darum, möglichst viele Inhalte für möglichst viele Menschen auf möglichst vielen Geräten und in möglichst vielen Situationen zur Verfügung zu stellen. Es geht dabei eben nicht nur um die vermeintlich kleine Blase der Menschen mit Behinderung, sondern hilft am Ende uns allen.

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Situationen im Alltag

Nun gibt es natürlich die klassischen Fälle von temporären oder dauerhaften Behinderungen, wie z.B. Gipsarme, Seh- und Hörschwächen, Blindheit und Gehörlosigkeit. Wie kann die digitale Barrierefreiheit uns allen helfen? Drei typische Situationen:

Die U-Bahn

In der U-Bahn ist das Netz oft schlecht, die Verbindung bricht immer wieder ab. Bilder werden nur langsam oder gar nicht geladen, trotzdem möchte ich aber gern wissen, was denn zu sehen ist. Eine Bildbeschreibung hilft also nicht nur blinden und sehbehinderten Menschen, sondern auch jedem, der mal in dieser Situation war.

Der Einkauf

Falls ich trotz Lieferservices doch mal wieder analog einkaufen gehen muss, habe ich meist schwere Tüten dabei. Um alles sicher nach Hause zu bringen, brauche ich mindestens eine Hand dauerhaft für die Einkaufstüten. Mit der anderen Hand möchte ich trotzdem mein Smartphone ordentlich bedienen, um meine Lieblingsartikel auf dem Heimweg lesen zu können.

Eine responsive Bedienung der Webseite ist also nicht nur für dauerhaft motorisch eingeschränkte Menschen interessant, sondern hilft uns allen. Eine Webseite, die auf möglichst vielen Geräten bedien- und erlebbar ist, ist somit ein wichtiger Beitrag zur digitalen Barrierefreiheit.

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Der Hörsaal

Immer wieder gibt es Situationen, in denen ich nicht durch hörbare Musik oder Videos auffallen will. Das kann der klassische Hörsaal sein, aber auch in der oben erwähnten U-Bahn oder eigentlich überall in der Öffentlichkeit möchte ich nicht, dass andere mitbekommen was ich gerade höre. Trotzdem möchte ich aber vielleicht ein Video, einen Kinotrailer oder sonstige animierte Szenen auf dem Smartphone sehen, und dazu noch mitbekommen, was auf dem Bildschirm gerade passiert. Untertitel in Filmen tragen dazu bei, dass jeder erleben kann, was im Trailer, Film etc. passiert, auch wenn gerade kein Ton verfügbar ist.

Die Umsetzung

Wie setzt man die genannten Punkte nun um? Um eine Webseite oder PDF-Dokumente barrierefrei zu gestalten, ist tatsächlich fachmännische Arbeit gefragt. Das ist mit Aufwand verbunden, hier geht es auch um Gesetze und Richtlinien. Eine Webseite zumindest barrierearm zu gestalten, ist nicht schwer, der Aufwand im Vergleich zum Gewinn auch eher gering.

Das Zwei-Sinne-Prinzip

Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Sinne eingeschränkt sind, ist viel geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass “nur” ein Sinn eingeschränkt ist. Es hilft daher sehr, Inhalte für mindestens zwei Sinne verfügbar und erlebbar zu machen. Das geht zum Beispiel so:

  • Dem Bild eine Bildbeschreibung hinzufügen
  • Das Video mit Untertitel versehen
  • Texte so aufbereiten, dass ein Screenreader sie “lesen” kann

Verständliche Texte

Klingt eigentlich logisch, wird aber leider nicht immer umgesetzt. Verständliche, logisch aufgebaute Texte helfen allen. Ellenlange Schachtelsätze dagegen helfen keinem.

Design von Inhalt trennen

Der Inhalt sollte vom Design getrennt sein. Bei WordPress und anderen Content-Management-Systemen passiert das in der Regel sowieso ganz automatisch. Generell hilft es aber, darauf zu achten. So können z.B. schneller ladbare oder kontrastreichere Designs recht schnell ausgetauscht werden, wenn die Sicht auf die Webseite durch Behinderung oder schlechte Lichtverhältnisse eingeschränkt ist.

Wohin geht die Reise?

Es passieren gerade viele spannende Dinge im Bereich der digitalen Barrierefreiheit. Gerade dass große Firmen wie Microsoft, Twitter und Google so viel in dem Bereich machen, zeigt, dass das Thema relevanter wird.

Twitter

Bei Twitter muss es leider noch händisch via “Einstellungen” aktiviert werden, aber dort ist es möglich, eine “Bildbeschreibung” zu aktivieren. Ist die Funktion aktiv, können ganz einfache Bildbeschreibungen für hochgeladenen Bilder angelegt werden. Dies geht via Webseite als auch in der Twitter-App.

Facebook

Auch Facebook hat die Funktion der Bildbeschreibung mittlerweile live geschaltet. So können beim Bildupload Beschreibungen hinzugefügt werden. Facebook geht hier sogar noch einen Schritt weiter als Twitter, denn die internen Algorithmen erkennen schon ziemlich viel. Dadurch werden direkt Vorschläge gemacht, wie “Personen”, “draußen”, “drinnen”, “Haus”, “Baum” etc. Die vorgeschlagene Beschreibung kann nun noch ergänzt und korrigiert werden.

Betriebssysteme

Moderne Betriebssysteme wie Windows oder Android bringen sogenannte Accessibility-Tools direkt nativ mit. So können in Android-Smartphones Screenreader aktiviert werden oder in Windows Bildschirmlupen und Diktierfunktionen, die die Arbeit mit dem System deutlich erleichtern.

Seeing AI

Eine sehr spannende Entwicklung ist die Seeing AI App mit Brille von Microsoft. Die Brille beschreibt dem Träger, was gerade um ihn herum passiert. So kann zB Menschen mit Sehbehinderung geholfen werden ihre Umgebung besser wahrzunehmen.

Neben den großen Herstellern gibt es viele Firmen, die auf die Entwicklung von Accessibility-Tools und Apps setzen. Ein spannendes Beispiel ist die Be my Eyes App. Hier können blinde Menschen sich von anderen Usern erklären lassen, was gerade vor der Kameralinse passiert. So können sie sich etwa Kleidung beschreiben lassen, die Umgebung erklären oder ein Haltestellenschild beschreiben lassen.

Mit künstlicher Intelligenz und Algorithmen, die Bilder erkennen und beschreiben können, machen wir große Fortschritte. Mit Techniken, die Vorträge live und in Echtzeit in Text- oder sogar Gebärdensprache übersetzen, werden wir in den nächsten Jahren noch viel erleben. Die digitale Barrierefreiheit ist damit auf einem sehr guten Weg. Es bleibt spannend.

Über den Autor: Johannes Mairhofer arbeitet als Dozent für Bildungseinrichtungen wie der VHS und unterstützt als freier Berater seine Kunden in digitalen Themen wie z.B. Fotografie, Social-Media und WordPress. Außerdem fotografiert er selbst für seine Lieblingskunden und befasst sich seit einiger Zeit intensiv mit digitaler Barrierefreiheit.

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