Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kunst Digitale Kunst

Wenn digitale Kunst zur grenzenlosen Erfahrung wird

Auf Facebook und Instagram machen Videos des digitalen Museums in Tokio namens "MORI Building Digital Art Museum – teamLab Borderless" gerade die Runde. LEAD-Autor Björn Eichstädt war vor Ort und tauchte in die audiovisuellen Welten ein.

(Bild: Björn Eichstädt)
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Irgendwann habe ich mich dann in den interaktiven Räumen und den audiovisuellen Welten von teamLab verloren, als ich Ende August 2018 erstmals das frisch eröffnete Museum des digitalen japanischen Künstlerkollektivs teamLab besuchte. Der etwas sperrig betitelte Erlebnis-Space "MORI Building DIGITAL ART MUSEUM – teamLab Borderless" ging im Frühsommer im Tokyoter Stadtteil Odaiba an den Start und hat sich nicht zuletzt durch diverse Kurzvideos, die auf Facebook und Instagram die Runde machten, zu einer Besuchersensation entwickelt.

Ken Kato ist für die Kommunikation des DIGITAL ART MUSEUMs zuständig. Er führt mich durch dunkle Gänge, Abzweigungen erscheinen schemenhaft vor uns. Und schnell ist klar, dass teamLabs Museum eine ganzheitliche Erfahrung ist, die das, was die Digitalmagier in den letzten Jahren als Events für die Tokyoter zauberten nun in den institutionalisierten Rahmen eines Museums bringt.

Img 9333
Mittendrin in den audiovisuellen Welten: LEAD-Autor Björn Eichstädt (Bild: Björn Eichstädt)

Digitale Schmetterlinge und Raupen auf der Hose

Schon die erste Installation zeigt, dass der Begriff "Museum" eine recht ungenaue Vorstellung dessen liefert, was hier passiert. Eventspace wäre vermutlich der richtigere Begriff. Oder aber Heimathafen für die Arbeit des aufregendsten Digitalkollektivs des Planeten – um es mal auf den Punkt zu bringen. Schmetterlinge flattern über die Wände, durchqueren Bildschirme und landen auf meinem Hemd. Digitale Schmetterlinge wohlgemerkt, die auf einmal als Raupen meine Hosenbeine herunterkrabbeln.

Anzeige

"Borderless", das Motto der Ausstellung, des Museums, das Motto teamLabs ist omnipräsent – und auch die folgenden Räume lassen es aufleben. Schmetterlinge werden zu Blumen, die sich über den Boden und die Wände ergießen und die Zuschauer in die Kunst einbinden.Wer mit der Hand über die Blumen an der Wand streicht, sieht wie sich die Blumen winden und verändern. "Als ich die Mona Lisa in Paris sah, war sie von schusssicherem Glas eingeschlossen", erzählt Ken Kato. "Eingeschlossen und begrenzt war das. Das was teamLab mit digitaler Kunst erreichen kann ist anders. Digitale Kunst kann sich nicht abnutzen. Wenn die Zuschauer sie berühren und dadurch verändern, ist sie transformiert, aber nicht zerstört. So ist eine ganz neue Art barrierefreier Kunst möglich."

  • Img 9315
  • Img 9323
  • Img 9327
  • Img 9343

Große Kunst für alle

Klein hat teamLab angefangen, vor vielen Jahren. Und sich in Japan über die Jahre einen Ruf als führende digitale Eventfirma, als Kunstkollektiv, als digitale Agentur erarbeitet. Was genau teamLab ist, das ist schwer zu fassen. Je nachdem, wer sie betrachtet, sieht etwas anderes. Die Disziplinen verschmelzen. Kunst und Kommerz gehen bei teamLab Hand in Hand. Sie werden von den Intellektuellen geliebt – und von der großen Masse. "Ja, diese Grenzenlosigkeit ist ein zentraler Teil der Identität von teamLab", sagt Ken Kato, als ich ihn auf dieses Nachallenseitenoffensein der Gruppe anspreche.

Und da die Identität von teamLab das zentrale Gestaltungselement des Museums ist, bleibt das Ganze natürlich nicht bei einem Verschwimmen von Räumen, Kunst und Zuschauern stehen. Je tiefer man in "MORI Building DIGITAL ART MUSEUM – teamLab Borderless" eintaucht, desto grenzenloser wird die Erfahrung. Eine Landschaft aus Bergen und Tälern liegt vor mir. Wasserfälle stürzen Pfeiler im Raum herab und sammeln sich in Seen. Kinder sitzen am Rand der Landschaft und malen mit Buntstiften Krokodile auf großen Papierblättern aus – scannen sie und entlassen sie als animierte Wesen in die digitale Landschaft. Jauchzen und Zeigen. Wenn die Fantasie in reale Räume entlassen wird, dann ist das tatsächlich vollkommen "Borderless".

Die schönsten Eindrücke gibt es hier in den folgenden Videos:

Null, Eins und dann das große Staunen

Und so geht es immer weiter, tiefer und tiefer hinein in das digitale Gehirn von teamLab. Stunden kann man hier verbringen, wahrscheinlich Tage. Es geht um Ecken, durch dunkle Gänge, hinein ins Licht. Projektionen und Interaktionen, reale Gegenstände, die zur Manipulation des Digitalen verwendet werden können. Kinder rennen, Alte bleiben mit offenem Mund stehen. Und alles verschmilzt. Wenn es so etwas wie eine digitale Utopie geben sollte: das hier könnte sie sein. Aus Einsen und Nullen zaubert teamLab großes Staunen und noch größere Emotion.

Am Ende geht es wieder durch dunkle Gänge, hinaus ans Licht, die Gebäude von Odaiba in Tokyo. Ken Kato verabschiedet mich. Ich werde wiederkommen, soviel steht fest. Denn was teamLab in ihrem Museum bieten ist nicht von dieser Welt. Vielleicht ist das nächste Mal sogar in Europa. Denn hierher breitet sich das grenzenlose Kollektiv inzwischen auch immer wieder aus.

Wer teamLabs Kunst erleben möchte und nicht gleich nach Japan reisen will: Derzeit findet die Ausstellung "Massless" in Helsinki statt, die Auszüge aus "Borderless" im Norden Europas vorstellt.

Björn Eichstädt (43) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur Storymaker. Die Agentur fokussiert sich auf die Unterstützung von technologie-getriebenen Unternehmen im Bereich PR, Digitalkommunikation und Content-Entwicklung. Darüber hinaus ist Storymaker in Ostasien aktiv mit Schwerpunkten in China und Japan.

Teilen
Jederzeit top informiert

Die wichtigsten LEAD Nachrichten per Messenger oder Newsletter

Anzeige
Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote