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Tech-Backlash: Kommt die digitale Apokalypse oder ist der Begriff wieder nur ein neues Buzzword? (Bild: AdobeStock/Jane)
Digitalisierung Buzzword Technik

Die Legende von der Technik-Angst

Zurück in die Zukunft, eine neue Technik-Skepsis? Davon sprechen gerade viele, Stichwort Tech-Backlash. Das ist wie beim Klimaschutz - alle wollen ihn, in der Praxis passiert dann nicht viel. Schaut man auf Trends aus der digitalen Welt, zeigt sich: Der vermeintliche neue Blick auf digitale Technik findet nur in theoretischen Debatten statt.

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Fragen wir erstmal Wikipedia, was so ein Tech-Backlash sein soll. Da steht: "Als Backlash (deutsch "Gegenschlag, Rückschlag") bezeichnet man gegen als fortschrittlich erachtete Entwicklungen gerichtete Bestrebungen oder auch die Rückkehr konservativer Wertvorstellungen sowie die Einflussgewinnung von dahingehend orientierten Kräften."

Genau das, behaupte nicht wenige, passiere momentan auch bei der Digitalisierung. Kurz gesagt: zurück ins Analoge, weil das Digitale seine vielen Versprechen einfach nicht halten will.

Gibt es diesen Backlash überhaupt?

Wenn mal richtig punkten will in Debatten über das Netz und die Digitalisierung, dann zeigt man sich neuerdings also am besten ein bisschen technikskeptisch. Unsere eigenen Geräte machen uns süchtig und kaputt. Die Geräte anderer spionieren uns aus. Social Media? Ein Tummelplatz für Hass und schlechte Laune und russische Trolls. Kein Wunder also, dass es diesen Tech-Backlash gibt (den Begriff bitte unbedingt im englischen Original verwenden, das erhöht die Credibility enorm).

Die Frage bleibt trotzdem: Gibt es diesen Backlash überhaupt? Oder ist er einfach nur ein Begriff, der trendy ist? Ok, Politiker haben darüber diskutiert, die Regulierung von Unternehmen zu verschärfen. Es wurden Geldbußen verhängt, Trennungen gefordert. Webseiten und Magazine, die der Gadget-Lust gefrönt haben, zeigen sich plötzlich ein wenig skeptischer. Romane und Filme zeichnen ein zunehmend düsteres Bild davon, wohin uns die Technik führt. Wir alle kennen Menschen, die diesen oder jenen Social-Media-Dienst theatralisch beendet oder digitale Sabbaticals angekündigt haben. Und Jaron Lanier hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, warum man augenblicklich aus dem Elend der sozialen Netzwerke aussteigen sollte. Es stand in Deutschland sogar mal in den Bestseller-Listen. Viele wollen raus, die wenigsten tun es.

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Jede Technologie hat ihre Schattenseiten

Und damit zu den aktuellen Facebook-Zahlen: Die Zahl der täglich (1,59 Milliarden) und monatlich (2,4 Milliarden) genutzten Facebook-Konten stieg gegenüber dem Vorquartal um jeweils 8 Prozent, schreibt das Unternehmen in seinem aktuellen Quartalsbericht.

Backlash? Klingt ein bisschen wie die Beteuerungen von unzähligen Menschen, künftig klimafreundlicher und nachhaltiger leben zu wollen. Die Zahl der Flüge und der zugelassenen Autos, insbesondere der SUV-Modelle, steigt trotzdem unablässig. So ist das auch mit der Technik: Man hätte gerne weniger und dafür etwas mehr Kontrolle über die Technik und vor allem über sich selbst, kann (will?) dann aber doch nicht verzichten.

Zudem bleibt die Frage: Ist es gleich ein Backlash, nur weil man allmählich beginnt, auch die andere Seite der Digitalisierung zu hinterfragen? Nur Naivlinge oder ausgewachsene Trottel glauben an Technologien, die keinerlei Schattenseiten oder Missbrauchspotenziale hat.

Software, Hardware, Social Media: Von Ermüdung keine Spur

Dabei geht es ja nicht um Facebook alleine. Auch die anderen Netzwerke, die gerne mal 360-Grad-Hölle bezeichnet werden, lassen es sich erstaunlich gut gehen, gemessen daran, dass gerade der große Backlash kommen soll. Im gleichen Quartal wie Facebook hat auch Twitter fünf Millionen neue tägliche Nutzer hinzugewonnen. Snap meldet, dass die tägliche Nutzerzahl seines Flaggschiffs Snapchat um sieben Prozent gestiegen ist. So gut waren die Zahlen noch nie, seit Snap zur AG geworden ist. Wir erinnern uns: Twitter und Snapchat gehören zu den Kanälen, denen man regelmäßig den baldigen Untergang vorhersagt.

Nun könnte man sagen: alles Gewohnheit und außerdem klassisches Suchtverhalten, jeder Raucher und jeder Übergewichtige weiß ja schließlich auch, dass er etwas ändern müsste. Aber auch bei neuen Technologien deutet nichts auf einen Backlash hin. Amazon beispielsweise hat nach eigenen Angaben weltweit über 100 Millionen Alexa-Geräte im Einsatz. Google dürfte ebenfalls inzwischen auch beachtliche Zahlen kommen. Und bei Apple hat sich die Watch inzwischen zu einem echten Gewinnbringer gemausert.

Apropos Apple: Jeder Tech-Journalist, der etwas auf sich hält, prophezeit Apple den baldigen Einbruch mit seinen iPhones. In der Praxis deutet aber hier noch bei anderen Smartphone-Herstellern irgendetwas darauf hin, dass sich Menschen erschrocken vom Smartphone abwenden. Das iPhone 11 wird schon jetzt zum potenziellen Langweiler runtergeschrieben, die Verlaufszahlen könnten in den kommenden Monaten aber leicht auch zu einem anderen Schluss kommen. In den ersten Verkaufstagen standen die Besucher jedenfalls mal wieder Schlange.

Aber klar, wir können uns weiter über die demnächst bevorstehende digitale Apokalypse beklagen. Vorher allerdings fragen wir Alexa aber erst mal, wie das Wetter morgen wird.

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