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Warum geht es mit der Diversität in Deutschland so langsam voran? (Foto: GettyImages/Dimitri Otis)
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"Die Förderung von Diversität ist keine politisch korrekte Strafarbeit"

Fränzi Kühne sitzt - neben ihren Rollen als Mutter und Geschäftsführerin der Agentur für digitales Business TLGG - im Freenet-Aufsichtsrat und AllBright-Stiftungsrat. Trotz vielerlei Einblicken versteht sie nicht, warum es mit der Diversität in Deutschland so langsam voran geht.

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LEAD: Bei welchen Aspekten von Diversity besteht in deutschen Unternehmen noch Nachholbedarf?

Fränzi Kühne: Die größte Herausforderung sehe ich darin, das Umdenken in den Unternehmen zu beschleunigen. Betriebe, die auf Talente verzichten möchten, werden mittelfristig ein Problem bekommen. Mir als Unternehmerin ist es unverständlich, warum dieser Wertewandel so lange dauert, wenn wissenschaftlich bewiesen ist, dass gemischte Teams eine höhere kollektive Intelligenz haben, krisenresistenter und erfolgreicher sind.

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Kühne, Fränzi (Foto: © Jennifer Endom)

Diese positiven Zusammenhänge zwischen Effektivität und Profitabilität lassen sich auch bei divers aufgestellten Aufsichtsräten und Vorständen beobachten. Der Gründer der AllBright Stiftung, Sven Hagströmer, lässt zum Beispiel die Investmentabteilung seiner Bank regelmäßig ausrechnen: Wie entwickeln sich die Börsenkurse der Firmen mit ausschließlich homogener Führungsriege? Wo stehen die Aktien der Unternehmen, in denen Frauen ganz oben sind?

Fast immer kommt dabei heraus, dass die Börsenkurse desto besser sind, je näher der Frauenanteil an einer paritätischen Verteilung im Vorstand liegt. Trotzdem haftet gemischten Teams noch immer etwas von „Multi-Kulti-Hipster-Lifestyle aus Berlin-Kreuzberg“ an. Die Förderung von Diversität ist aber keine politisch korrekte Strafarbeit, sondern unverzichtbar im Interesse des Unternehmenserfolges.

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Mehr Diversity-Themen findest du in der aktuellen Ausgabe der LEAD 04/18, die auch online zu haben ist.

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Wir sind mehr!

Diversity am Arbeitsplatz ist eine Chance und ein Investment zugleich. Im LEAD Bookazine 4/2018 erfährst du, wieso Chancengleichheit die Produktivität steigert und erfolgsentscheidend für jede Agentur und jedes Unternehmen ist. Es geht also auch um Geld.

Welche Aspekte von Diversität funktionieren schon gut?

Bei TLGG fahren wir seit zehn Jahren mit großer Offenheit beim Recruiting und einem schon seit der Gründung diversen Team gut. Die besten Talente müssen die Unternehmen heutzutage erstmal für sich gewinnen. Zudem hat sich einiges in den letzten zehn Jahren getan: Noch nie zuvor waren zum Beispiel so viele Frauen in Aufsichtsräten vertreten wie heute.

Auch in der Tech- und Werbebranche erkennt man mittlerweile, dass diverse Teams in Zeiten der gesellschaftlichen Zersplitterung und Individualisierung Kundenbedürfnisse besser verstehen und bedienen können. Oder dass in Zeiten der digitalen Umwälzungen, die vor Landesgrenzen keinen Halt machen, die sprachliche und kulturelle Vielfalt Zukunftssicherung bedeuten kann.

Welche konkreten Ideen oder Ansätze bringst du als junge Frau ein, die ohne ein vielfältig aufgestelltes Team ausgeblieben wären?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, denn die symbolische Berufung einer Frau in den Aufsichtsrat oder Vorstand macht ja wenig Sinn. Alle Studien und die Praxis zeigen, dass man immer eine kritische Masse braucht, um etwas zu bewirken. Trotzdem versuche ich in meiner Position als Aufsichtsrätin ein Bewusstsein für bestimmte Themen und ihre Gefahren zu schaffen.

Zum Beispiel, dass Unternehmensführungen, die Nein zu Frauen sagen, auch Nein zu Meritokratie und potentiellen Wachstumsmöglichkeiten sagen. Diese Unternehmen senden – bewusst oder unbewusst – ein verheerendes Signal an die Mitarbeiterinnen im Betrieb („Ihr werdet hier nichts“), an interessierte externe weibliche Führungskräfte („Ihr seid hier nicht willkommen“) und an die Öffentlichkeit („Wir sind nicht fähig und willens, uns an die veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen anzupassen“).

Als Geschäftsführerin bei TLGG sehe ich es als meine Aufgabe, Strukturen zu schaffen, die unterschiedliche Lebensmodelle zulassen. Wir versuchen, individuelle Lösungen für unsere Mitarbeiter zu finden und fordern im Gegenzug Veränderungsbereitschaft von ihnen. Zusammen probieren wir viel und oft Neues aus.

"Gleich und gleich rekrutiert sich immer noch gern."

Wie schätzt du das ein: Wird Diversity in deutschen Unternehmen ernst genug genommen? Werden aktiv Maßnahmen ergriffen?

Jein. Gleich und gleich rekrutiert sich immer noch gern, weil man zu wissen meint, woran man ist. Auch wenn den höchsten Ebenen der Unternehmen langsam bewusst wird, dass die Gesellschaft vielfältig ist und Unternehmensstrukturen von dieser Vielfalt profitieren, der Wandel bleibt noch immer schwerfällig.

Den deutschen Unternehmen geht’s anscheinend noch zu gut. Deswegen braucht es eine kritische Öffentlichkeit, um den Kulturwandel in den Unternehmen weiter voranzutreiben: Menschen und Initiativen, die hinschauen, was Unternehmen tun und in Debatten Stellung beziehen. Davon gibt es glücklicherweise immer mehr.

Auch interessant: „Sprache ist ein wesentliches Element, Diversity voranzutreiben“

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