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Drei beliebte Tricks, wie man Tricks von Influencern enttarnt (Bild: Fotolia / Alessandro Biascioli)
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Die dubiosen Instagram-Tricks der Möchtegern-Influencer

Blogger suchen immer neue Methoden, Reichweite, Engagement und neue Follower auf ihren Instagram-Kanal zu ziehen. Denn das verspricht lukrative Werbedeals. Drei Tricks und wie man sie enttarnt.

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Der entscheidende Wandel geschah im Sommer 2016. Instagram führte einen Algorithmus ein, der die Posts der User nun nicht mehr chronologisch, sondern nach Relevanz für die einzelnen Follower sortierte. Ähnlich wie auf Facebook sehen seitdem nur noch wenige Prozent der Follower die Beiträge einer Seite. Je mehr Follower, desto geringer die Prozentzahl. Zeitgleich wuchs die Plattform schneller als Facebook – auf inzwischen 15 Millionen monatlich aktive User allein in Deutschland. Wer sich gegen die höhere Aufmerksamkeitskonkurrenz im Feed und den strengeren Algorithmus durchsetzen will, muss erfinderisch werden.

Weil inzwischen auch die letzte Hausfrau mitbekommen hat, dass man mit Influencen auch bequem von Zuhause gutes Geld verdienen kann, blüht das Geschäft mit den Möchtegern-Bloggern. Selbsternannte Instagram-Gurus geben Tipps, welche Fotos am besten funktionieren und welche Taktiken zu mehr Engagement führen. Sie verkaufen Online-Kurse, Coaching-Sessions und Konferenzen, um ihren treuen Anhängern zu mehr Markendeals über Instagram zu verhelfen. Das Geschäft ist lukrativ, manche Coaches prahlen mit ihren monatlich sechsstelligen Einnahmen. Die Muttis folgen in Scharen und kopieren, ohne nachzudenken, was ihnen empfohlen wird.

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1. Engagement Bots: Automatische Interaktion

Es ist eine Taktik, die seit Jahren auf Instagram gut funktioniert: Wer viel mit Content anderer interagiert, bekommt Interaktion zurück. Das heißt: Likes, Kommentare, Follows muss man selbst verteilen, damit man welche zurückbekommt. Im gesunden Rahmen bedeutet das einfach: Sei auf Instagram aktiv, dann wächst auch dein Account. Allerdings muss für solches Engagement viel Zeit investiert werden. Die kommt obendrauf für Zeit, um Content zu erstellen. Und schnell wird Instagram zum Vollzeit-Job.

Deshalb nutzen ausgefuchste User inzwischen Engagement-Bots. Auf Websites wie Gold Nitro oder MegaFollow kann man einstellen, zu welchen Hashtags der Automatismus liken, kommentieren und anderen Usern folgen soll. Dann legt er los: Ganz ohne eigenes Zutun interagiert er blind mit Instagram-Content. Für Außenstehende sieht das zuweilen aus, als wäre der User extrem unentschlossen: Er folgt und entfolgt wild tausenden Accounts.

Das führt tatsächlich zu Wachstum, weil die gute alte #Follow4follow-Methode scheinbar bei manchen Usern immer noch zieht. Dumm nur, dass Marketer, die mit solchen Influencern zusammenarbeiten möchten, den Einsatz von solchen Bots ziemlich einfach nachvollziehen können. Auf Websites wie Socialblade kann jeder beliebige Account eingesehen werden. Hohe Follow- und Unfollow-Zahlen über einen längeren Zeitraum sprechen für den Einsatz solcher Tools.

Engagement Pods: Zwanghaftes Kommentieren

Echte Menschen verabreden sich dagegen in so genannten „Engagement Pods“. Damit Instagram ihnen nicht auf die Schliche kommt und sie blockiert, bilden sich die Gruppenchats in anderen Messenger-Apps. Wer Teil davon sein will, muss strengen Regeln folgen. Hauptzweck der Versammlung ist es, den Content aller Gruppenmitglieder zu liken und kommentieren. Am besten sofort nach Veröffentlichung, was dem Instagram-Algorithmus signalisieren soll: Dieser Post ist besonders relevant, zeige ihn noch mehr Menschen. Dadurch soll die Reichweite steigen.

Wer clever ist, verabredet sich in thematisch passenden Pods, also beispielsweise lokale Blogger oder solche mit einheitlichem Thema wie Mutterschaft oder Reisen. Wer besonders schmerzfrei ist, kommentiert auf alles, was in die Gruppe gepostet wird. Auch, wenn er im echten Leben nichts mit der Person oder dem Content zu tun hat. Dieses unauthentische Engagement ist für Marketer ebenfalls relativ einfach nachvollziehbar. Kommentieren immer dieselben Menschen einigermaßen sinnfrei auf die Posts des Influencers, sind das wahrscheinlich die Kollegen aus dem Engagement Pod.

Sinnvoll sind solche Pods nur, wenn sich ein Netzwerk aus echten Freunden gegenseitig auf Instagram unterstützen will. Aber in dem Fall reicht eigentlich auch der gesunde Menschenverstand: Wer auf Instagram aktiv ist, den Post eines Freundes sieht und dazu etwas zu sagen hat, der kommentiert einfach. Denn ob das zwanghafte Massenkommentieren wirklich zu mehr Engagement führt, bleibt dahingestellt. Die Algorithmen von Instagram und Facebook erkennen solche Muster und leveln die Reichweite auch bei vielen Kommentaren auf ein Mittelmaß.

Loop-Giveaways ("Follow Train“): Massenhafter Followerfang

Eine klassische Mechanik, schnell neue Follower zu gewinnen und Engagement anzuregen ist das gute alte Gewinnspiel. Häufig stellen Marken einen Gewinn zur Verfügung und der Influencer verlost ihn über seinen Kanal. Die Bedingung: Für die Teilnahme muss der User beiden Accounts folgen. So weit, so sinnvoll. Hat die Marke inhaltlich etwas mit den Themen des Influencers zu tun, kann das Gewinnspiel echten Mehrwert für alle Beteiligten bringen.

Eine etwas dubiosere Variante ist das so genannte „Loop Giveaway“: Eine Gruppe von Instagrammern legt zusammen, jeder steuert beispielsweise 20 Euro bei. Von den gesammelten 100 Euro wird ein Gutschein eines beliebten Shops gekauft. Wer ihn gewinnen will, muss allen beteiligten Instagrammern folgen.

Clevere Influencer verbünden sich mit thematisch ähnlichen Accounts, weil für das Gewinnspiel jeder seine Follower zum anderen schickt, quasi in einem Kreis („Loop“). Deshalb werden solche Taktiken auch als „Follow Train“ bezeichnet: Jeder zieht den anderen mit und versucht, Follower zu sammeln. Die Gewinne sind dabei so allgemeingültig wie möglich: Ein Starbucks- oder Amazon-Gutschein. Allerdings haben solche Gewinnspiele im Zweifel wenig mit den Themen des Influencers zu tun. Follower springen nach Ende des Gewinnspiels wieder ab und bestehende Fans sind abgeschreckt durch den maximal nervigen Anspruch, zehn anderen Accounts für eine verschwindend geringe Gewinnchance folgen zu müssen.

Für Marketer ist so ein Gewinnspiel einfach erkennbar: Sie finden offen auf den Kanälen der Influencer statt. Dadurch wird klar: Dieser Blogger ist krampfhaft auf der Followerjagd. Seine Community ist hauptsächlich scharf auf den Gratis-Gutschein, nicht unbedingt auf die authentischen Empfehlungen und die Glaubwürdigkeit des Influencers.

Für Marketer, die ihr Influencer-Budget in Kooperationen stecken wollen, ist wichtig zu wissen: Solche Accounts beeindrucken vielleicht auf den ersten Blick mit einer hohen Followerzahl. Aber wird unter den Posts wirklich authentisch von echten Freunden, Bekannten oder Fans kommentiert? Diese Methoden fördern keine gesunde Community, die ihrem Influencer im Zweifel alles abkauft. Sie frisieren lediglich Zahlen für arglose Marketer, die Budget zu vergeben haben.

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