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Karsten Lohmeyer Klein
LEAD-Kolumnist Karsten Lohmeyer (Foto: privat)
Content Marketing leadfaces Kolumne

Die digitale Welle rollt längst

LEAD-Kolumnist Karsten Lohmeyer wundert sich, dass alle vor dem digitalen Tsunami warnen – schließlich sind wir doch schon mittendrin.

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Der digitale Tsunami. Was für ein bedeutungsschwerer Begriff. Ich erinnere mich noch, wie mir Nicolas Clasen im Herbst 2013 einen Auszug aus seinem gleichnamigen Buch als Gastbeitrag auf Lousypennies.de anbot und mit wie viel Interesse ich den Text las. Und jetzt, rund fünf Jahre später, ist der Begriff wieder da. Diesmal spricht L’Oréal-Chef Jean-Paul Agon in einem Interview vom digitalen Tsunami, der insbesondere den deutschen Mittelstand hinwegspülen werde.

Das der Tsunami kommt, ist sicher

Ich dachte mir: Wenn so ein erfahrener Konzernlenker wie Jean-Paul Agon davon spricht, dass nun aber wirklich, endlich und ganz sicher der digitale Tsunami bevorstehe, dann wird das auch schon so sein. Oder nicht? Nun ja, ich weiß es nicht. Das Blöde an Tsunamis ist ja, dass alle ständig vor ihnen warnen und alle wissen, dass irgendwann einer kommt – aber wann genau, das kann keiner so genau sagen.

Ich persönlich glaube ja, dass die viel wichtigere Frage ist: Wann genau ist eigentlich ein Tsunami ein Tsunami? Ist er es in dem Moment, indem die Riesenwelle das Land trifft und alles vernichtet? Oder ist es eher der Moment, wenn sich weit draußen unter dem Meer die tektonischen Spannungen entladen und sich die Riesenwelle aufbaut?

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Die Welle rollt längst

Wenn wir uns also einig sein sollten, dass ein Tsunami bereits weit, weit draußen auf dem Meer beginnt, dann ist der digitale Tsunami bereits da – und nicht mehr aufzuhalten. Die tektonische Spannung hat sich bereits vor Jahrzehnten aufgebaut, und spätestens als aus den vier GAFAs Google, Apple, Facebook und Amazon milliardenschwere Unicorns geworden sind, hat sie sich mit voller Wucht entladen. Die Welle rollt längst. Und sie ist durch nichts mehr aufzuhalten.

Die digitalen Gurus warnen und mahnen

Oben auf der großen Welle sitzen ein paar digitale Gurus wie Nicolas Clasen, Nico Lumma oder Klaus Eck in ihren Booten, die aber angesichts der schieren Macht der GAFAs oft nur wenig mehr sind als löchrige Nussschalen. Sie versuchen die Dimension der Riesenwelle zu beschreiben, die Folgen für die Menschen. Sie funken verzweifelt ihre Warnungen an Land.

Hier wundern sich die alten Marken ein bisschen, dass das Meer heute so weit ist, sind aber mit viel Wichtigerem beschäftigt – dem Tagesgeschäft, das doch so wunderbar läuft. Die Funksprüche hören sie zwar, aber die fremde Sprache verstehen sie nicht, außer ein paar Wortfetzen ohne tieferen Sinn: Digital. Wandel. Transformation. Disruption. Neue Geschäftsmodelle. Knnrkkss …

Wer rechtzeitig handelt, gewinnt. Vielleicht.

Glücklicherweise beinhaltet das Bild des Tsunami auch etwas Hoffnung. Man erinnere sich zum Beispiel an den japanischen Küstenort Fudai. Dessen Bürgermeister wurde in den 1970er-Jahren als verrückt gescholten, als er eine riesige Schutzmauer bauen ließ – heute gilt der Mann als Held. Denn als 2011 ein Tsunami die japanische Küste überrollte, rettete die Riesenmauer den Ort und das Leben von rund 3000 Menschen.

Vielleicht sind die weitsichtigen Bürgermeister von heute Manager wie Jean-Paul Agon, Matthias Döpfner von Springer und die Lenker der Otto group, die längst begriffen haben, dass der digitale Tsunami unaufhaltsam alles vernichten wird, was sich nicht rechtzeitig digitalisiert. Und dass es notwendig ist, sich von den alten, einst erfolgreichen Modellen zu trennen: vom Otto-Katalog. Von der Hörzu. Vom Hamburger Abendblatt

Surfen statt überrollt zu werden

Zum Schluss möchte ich aber doch noch aus dem Bild fallen: Mauern zu bauen, wird gegen den digitalen Tsunami nicht helfen. Dafür ist er zu mächtig. Mauern sind in meinem persönlichen Empfinden auch nie wirklich gut. Stattdessen gilt es, Teil des Tsunamis zu werden und dafür zu sorgen, dass die GAFAs dieser Welt nicht alles unter sich allein ausmachen. Zumindest sollte man aber oben auf der Welle surfen, anstatt von ihr überrollt zu werden – und einen Plan dafür haben, wenn die Riesenwelle auf Land trifft.

Zum Autor: Wer sich mit dem Thema digitales Content Marketing und der digitalen Transformation beschäftigt, kommt dabei kaum an Karsten Lohmeyer vorbei. Der 45-Jährige arbeitete lange Jahre als Journalist, gründete das bekannte Medienblog LousyPennies.de und baute u.a. eine Content-Marketing-Tochter der Deutschen Telekom mit auf. Heute entwickelt und realisiert er als Consultant komplexe Content-Marketing-Strategien und beschäftigt sich mit seinem liebsten Steckenpferd, dem Growth Hacking.

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