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Deutscher Computerspielpreis 2019
Partystimmung beim Deutschen Computerspielpreis: Gruppenfoto mit allen Gewinnern (Foto: Getty Images/Franziska Krug for Quinke Networks)
Games Gamesweek Digitalpolitik

Deutscher Computerspielpreis: Schicksalsjahre einer Superheldin

In Berlin wurde der Deutsche Computerspielpreis 2019 verliehen. In 15 Kategorien gab es 590.000 Euro Preisgeld. LEAD stellt die Gewinner vor und zieht das Fazit der Game-Gala.

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Die Schirmherrin kam nicht in ihrem Flugtaxi, aber immerhin im Superhelden-Outfit. Wie eine weibliche Marvel-Figur wirkte Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2019 auf der Bühne im Berliner Admiralspalast im Latexkleid der österreichischen Designerin Marina Hoermanseder.

Jedenfalls: Deutschland feierte die einheimische Games-Branche. 590.000 Euro Preisgeld in 15 Kategorien, 210.000 Euro extra als Media-Leistungen für die Gewinner – der deutschen Gaming-Branche geht es inzwischen auch besser: 4,4 Milliarden Euro Umsatz generierte der deutsche Games-Markt 2018 – ein Plus von neun Prozent im Vergleich zu 2017. Doch weltweit ist der Anteil deutscher Publisher noch immer nicht der Rede wert.

Das soll sich bald ändern, wenn es nach Bundesverkehrsminister Andreas "der Andy" Scheuer und Bär im Superhelden-Kostüm geht: 50 Millionen Euro wollen Bär und Scheuer für eine bessere Förderung von Computerspielen mit dem Siegel "Made in Germany" ausgeben.

"Trüberbrook" als "bestes deutsches Spiel 2019" ausgezeichnet

Deutschlands Game-Branche soll weniger trüb werden und mehr moderne Ideen entwickeln. Da ist es sicher nur Zufall, dass das vom Bundesverband game und der Bundesregierung höchstprämierte Game des Abends "Trüberbrook" heißt. Trüb ist keinesfalls die Ausführung des Games, das in mühevoller Kleinarbeit und wunderschönem Grafikstil entstanden ist. Ein Augenschmaus, allerdings auch aus einem Genre, das schon in den 70er Jahren große Erfolge feierte: wohl bekannt, Point-and-click-Adventure im klassischen Stil. Die Älteren erinnern sich wohlwollend an Games wie Leisure Suit Larry oder später Monkey Island. "Trüberbrook" hat auch uns gefallen, erfindet die Spielewelt aber nicht neu, wenn ein Physiker in ein Dorf (der 60er Jahre?!) gerät.

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Ausführender Entwickler ist ein Berliner Indie-Studio, das aber wiederum zum Kölner Unternehmen bildundtonfabrik gehört. Diese Firma steckt ansonsten vor allem hinter Jan Böhmermanns "NEO Magazin Royale". Erst eine Kickstarter-Kampagne, die 150.000 Euro eingespielt hatte, ermöglichte den Startschuss zur Produktion des Games. So gesehen fehlen vielen talentierten Gaming-Produzenten in Deutschland offenbar die finanziellen Mittel, um ihre Ideen erst einmal anzustoßen.

"Trüberbrook" ist bereits für PC, macOS und Linux erhältlich. Ab dem 17. April lässt sich der Sieger des Deutschen Computerspielpreises auch auf der Konsole zocken. Gemächlich. Denn Action wird hier nicht geboten. Eher Reminiszenzen an die guten alten Gamer-Tage. So sind denn die Kritiker auch euphorischer als die ersten Spieler selbst. Im Mac App Store kommt das Game in den Bewertungen der Gamer gerade mal auf 2,6 von 5 möglichen Sternen. Anfangs machte gerade die ruckelige Steuerung Probleme, inzwischen haben die Entwickler aber lobenswerterweise ein fixes Bugfix-Update veröffentlicht.

Als Sieger erhalten die Macher 110.000 Euro Preisgeld und 110.000 Euro Extra-Media-Leistungen zum Bewerben ihres Spiels. Keine trüben Aussichten, im Gegenteil.

"Unforeseen Incidents" ist "das beste Jugendspiel"

Kameraschwenk zur Kategorie "Das beste Jugendspiel": Hier sicherte sich "Unforeseen Incidents" 75.000 Euro Prämie plus 50.000 Euro Medialeistung. Und du ahnst es, auch dieses Game ist ein Point-and-click-Adventure. Gut gemacht zweifellos, aber eben das gleiche Genre wie Über-Sieger "Trüberbrook".

"Unforeseen" ist ein gemeinschaftliches Werk von Backwoods Entertainment aus Bochum und den renommierten Application Systems aus Heidelberg ("Frag doch mal die Maus", "Cafe International").

Mystery-Style, klassisch: Hobbybastler gerät in der Kleinstadt an eine Frau mit mysteriöser und hochansteckender Krankheit und wird Opfer einer Verschwörung. Dunkle Geheimnisse. Viele Rätsel. 2D-Grafiken, 60 handgezeichnete Hintergründe, Prädikat schön und unterhaltsam. Es gibt an dem Spiel rein gar nichts zu kritisieren. Einerseits. Andererseits steht der gemeine Dauer-Gamer danach aber auch nicht aus seinem lederbezogenen 3000-Euro-Gaming-Sessel auf und ist, nun ja, geplättet vor Glück.

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Was für Liebhaber klassischer Games halt, im Jahr 2019. Aber warum sollte eine Bundesregierung, die ja in ihrer Amtszeit auch häufig nur auf Bewahrendes und klassische (alte) Themen setzt, plötzlich bei der Auszeichnung von Games alle konservativen Prinzipien über Bord werfen? Das war nicht zu erwarten.

...und doch wurde auch Überraschendes ausgezeichnet!

Die eine oder andere Überraschung beim Deutschen Computerspielpreis gab es dann doch. Damit ist sicher nicht der (undotierte) Preisträger in der Kategorie "Beste Internationale Spielewelt" gemeint: Red Dead Redemption 2 von Rockstar Games. Darauf hätten wir alle kommen können, ja, wohl müssen. Und gemeint ist damit auch nicht das "Beste Internationale Multiplayer-Spiel" (ebenfalls undotiert): "Super Smash Bros. Ultimate" von Nintendo. Mario! Nintendo! Um es mit Louis de Funes zu sagen: Nein! Doch! Ohhhhhh!

Erfreuliches hingegen leistet der verdiente Sieger der Kategorie "Kinderspiel": "Laika" aus dem Berliner Studio Mad About Pandas. Das kostenlose Browserspiel, entstanden mit Fördermitteln der EU-Lerninitiative, wendet sich an Kids im Vorschulalter und appeliert an soziale und emotionale Fähigkeiten der Kinder bzw. will diese ausbauen. Überraschend gut gelungen.

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Die verdienteste Auszeichnung ging an diesem Abend in Berlin aber nach unserem Geschmack an den deutschen Entwickler Philipp Stollenmayer aus Riedstadt. "see/saw" wurde als "bestes mobiles Game" mit 40.000 Euro Preisgeld belohnt. Stollenmayer, (einziger) Inhaber der App-Schmiede kamibox, schert sich seit Monaten und Jahren nicht um alte klassische Genres, sondern probiert in seinen Games stets das Neue und Andere und vor allem Unerwartete aus. Fernab gängier Game-Konvention wird bei Stollenmayer probiert, verworfen, neu gedacht.

Der Platformer "see/saw" bietet 150 außergewöhnliche Game-Level. Zwar sind diese auch inspiriert von Klassikern wie Super Meat Boy, aber anders als in vielen anderen Spielen steuerst du nicht direkt den Protagonisten, sondern die Welt rundherum. Diese wird geneigt und gedreht. Ziel ist es, einen vorgegebenen Punkt in den Leveln zu erreichen. Gefragt ist auch mal die Kollision mit Fallen.

Überhaupt steht gerade Stollenmayer für Aufbruch, für andere Denkweisen bei der Entwicklung von Spielen. Sein Lineup ist in jungen Jahren schon gewaltig und bis auf wenige Ausnahmen empfehlenswert. Wer sich auf Überraschendes einlassen mag, probiert Games wie "Rätselei-Ei", "Verticow" oder "Bacon – The Game" unbedingt einmal aus.

Kreative, andersrum-gedachte Leuchttürme sind jetzt in der deutschen Game-Branche gefragt, um international den Anschluss zu finden. Die Gesamtflughöhe beim Deutschen Computerspielpreis darf 2020 also gern eine deutlich höhere als 2019 sein. Auch wenn Bär 2020 dann wohl immer noch nicht mit einem Flugtaxi nach Berlin zur Preisverleihung einschweben dürfte. Schicksalsjahre einer "Superheldin". Aber das ist wieder eine andere Geschichte...

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