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Influencer Instagram Hacker

Der Tag, an dem mein Instagram-Account gehackt wurde

Es ist der Albtraum eines jeden Influencers: Jahrelang baut man sich eine Community auf, verdient Geld mit Kooperationen und plötzlich: Der Account wurde gehackt. LEAD-Autorin Antonia Wille ist das mit ihrem Online-Magazin amazed passiert.

Gehackt zu werden, ist der Albtraum jedes Influencers. LEAD-Autorin Antonia Wille erzählt, wie es ihr ergangen ist (Bild: iStock/Minerva Studio)
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Gehackt werden. Das passiert doch nur in Filmen. Oder eben den anderen. Wie schnell tatsächlich gehen kann, musste ich selbst am Leib erfahren. Gemeinsam mit meinen Journalismus-Kolleginnen Amelie Kahl und Milena Heißerer betreibe ich das Onlinemagazin amazed. Unser Instagram-Account ist die logische Weiterentwicklung auf Social Media. Hier folgen uns knapp 20.000 Follower, im Reich der Influencer sind wir also eher ein kleiner Fisch.

Für Hacker aus Russland aber dann wohl doch nicht. Denn trotz zweistufiger Authentifizierung und jeder anderen möglichen Sicherheitsmaßnahme ist es passiert, verschaffte sich jemand Zugriff zu unserem Account.

"Leute, wir wurden gehackt"

Es ist Freitagabend, als eine Mail von Instagram im Postfach landet: "Ihr Instagram-Passwort wurde geändert." Ich lese die Mail zufällig, bevor ich das Wochenende einläuten will,und hake bei meinen Kolleginnen im Facebook-Chat nach. "Wer von euch hat das Passwort geändert?" Bevor die beiden antworten können, trudelt die nächste E-Mail ein. "Ihre E-Mail-Adresse wurde geändert. Sie lautet jetzt ..." Es folgt eine Zahlenkombination, die mit ".ru" endet. Russland. Niemand von uns sitzt in Russland. Wir kennen niemanden in Russland.

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"Leute, wir wurden gehackt." Panik macht sich breit. Noch ist der Account zu sehen. Aber wir kennen sie, die Horror-Storys von verschwundenen Accounts, und gnadenlosen erzwungenen Neustarts auf Instagram. Unser Business basiert glücklicherweise nicht auf Instagram, sondern auf der Website, und trotzdem: Ein verschwundener Instagram-Account wäre jetzt wirklich nicht gut.

In Windeseile klicken wir auf den Link zur Passwort-Änderung von Instagram und erobern uns unseren Account gerade noch zurück. Wir ändern die E-Mail-Adresse in unsere und bekommen eine Bestätigung von Instagram. Nochmal alles gut gegangen?

Zumindest auf den ersten Blick. Denn hätten wir die E-Mails erst später gesehen, hätte der Hacker dank E-Mail-Änderung vollen Zugriff auf das Konto und die Authentifizierung gehabt. Unser schnelles Reagieren hat das Schlimmste verhindert. Unser Account ist trotzdem erstmal weg. Warum erfahren wir am nächsten Morgen. "Ihr Instagram-Konto wurde deaktiviert, da es gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen hat." Der Hacker-Angriff wurde von Instagram erkannt. Eine Vorsichtsmaßnahme. Eigentlich ja gut, wenn wir denn noch Zugriff auf unser Konto hätten.

  • Instagram Hack1
    (Screenshots: Antonia Wille)
  • Instagram Hack2
  • Instagram Hack3

Hatten wir die letzten sechs Jahre keinerlei Kontakt zu Instagram, baut sich langsam eine Freundschaft auf. Denn die nächste E-Mail kommt noch am selben Tag. "Um Ihr Konto zu entsperren, benötigen wir einen Nachweis. Senden Sie eine oder mehrere der folgenden Unterlagen an uns: Steuererklärung, Gründungsurkunde, Gesellschaftsvertrag, Rechnung oder Strom-Rechnung."

An Wochenende ist nicht zu denken, hektisch kramen wir in unseren Unterlagen, scannen wie wild und verfluchen den Hacker, der uns das Schlamassel eingebrockt hat.

Von allen Seiten hagelt es Beileidsbekundungen und Horror-Stories

Eine nächste E-Mail fordert uns auf, einen mitgeschickten Code auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein Foto mit unserem Gesicht zu machen. Sind wir im Agententhriller? Wir wissen es nicht, folgen den Anweisungen, machen ein Selfie und hoffen, dass alles zur Lösung führt.

Zwei Tage hören wir nichts. Wir sitzen auf heißen Kohlen. Sollen wir einen neuen Account eröffnen? Oder doch hoffen, dass alles gut geht. Von allen Seiten hagelt es Beileidsbekundungen und Horror-Stories. Doch wir bleiben optimistisch. Bis Montag wieder eine E-Mail eintrudelt. "Die gesendeten Unterlagen reichen nicht aus, um Ihren Account zu verifizieren. Bitte senden Sie eine oder mehrere der folgenden Unterlagen..."

Runde #2 also. Diesmal schicken wir den Gesellschaftsvertrag und unsere Gründungsurkunde, von der wir gar nicht mehr wussten, dass wir sie besitzen. Gleichzeitig kontaktieren wir unseren deutschen Kontakt bei Instagram. Wir schildern das Problem, er verspricht, sich schlau zu machen. Es vergeht ein weiterer Tag, zähe Stunden. Wir geben Kooperationspartner Bescheid, dass eventuell unser Account noch eine Weile nicht funktioniert, und drücken uns hinter den Kulissen die Daumen.

Dienstagabend, 22 Uhr: Wir bekommen die Info, dass wir eine andere E-Mail-Adresse angeben müssen. Doch bevor wir uns kümmern können, erreicht uns nachts die Nachricht, dass unser Konto wieder da ist. Es wurde verifiziert.

Wir ändern E-Mail-Adresse wie Passwort – und sind zurück. Aufatmen! Fünf Tage haben wir um unseren Instagram-Account gebangt und hatten Glück im Unglück. Denn nicht immer geht es so schnell.

Monatelang um den Instagram-Account bangen

Die Schweizer Bloggerin Steffi Müller musste ganze zwei Monate um ihren Instagram-Account bangen. "Ein Freund, der auch auf Instagram ist, schrieb mir per Whatsapp, dass mein Instagramaccountname auf @jarred_3cinto9 geändert wurde und ob das absichtlich sei. Als ich dann probierte, mich auf Instagram einzuloggen, wurde mir angezeigt, dass meine E-Mail-Adresse nicht existiert."

Auch in ihrem Mailpostfach hatten sich zwei E-Mails gesammelt: eine Anfrage, das Passwort zurückzusetzen und eine zweite Benachrichtigungsmail von Instagram, dass die E-Mailadresse erfolgreich geändert wurde. Ebenfalls auf eine russische Adresse. Anders als wir hatte Steffi das Ganze zu spät bemerkt. Der Account mit dem Namen @bellemelleblog war weg.

"Bei der Recherche fand ich heraus, dass ich anscheinend von einem russischen Bot gehackt wurde, wie viele andere Instagram-User auch. Ich habe auf Instagram sofort das Formular für "gehackte Konten" ausgefüllt." Ein paar Tage später landete folgende E-Mail von Instagram bei Steffi:

"Hi, Thanks for contacting Instagram. In order to help you get back into your account, we'll need the following information:

1. A brief description of the issue you're experiencing, including the date you last had access to your account and how you lost access.
2. The email address or mobile phone number you used to sign up for your account. If you signed up using your phone number, please also include your device type (example: iPhone, Android, iPad, Other).
3. Any previous usernames you've had.

Keep in mind that we won't be able to help you until we receive this information. For help logging into your account, you can also visit the Help Center!

Thanks, The Instagram Team"

Nach einer Antwortmail wurde auch die Schweizer Bloggerin aufgefordert, ein Foto von sich mit einem zugeschickten Code zu machen, um ihre Identität zu verifizieren. Gesagt, getan. Nach der Verifizierung kam die erlösende Mail: Eine Anleitung, wie sie ihren Account wiederbekommen könne. Schritt für Schritt befolgte sie die Anleitung – und der Account war wieder ihrer.

Ganze zwei Monate hatte das Prozedere gedauert. Für sie, die nicht hauptberuflich bloggt, kein Drama, aber ärgerlich. Schließlich wollen einem ja die Freunde folgen und nicht einem Hacker aus Russland. Aus der Hack-Geschichte hat Steffi aber eines gelernt: Sicherheit geht vor. "Ich habe auf sämtlichen Webseiten meine Passwörter geändert (keine identischen mehr) und habe überall die 2-Schritt-Authentifizierung mit Handy aktiviert."

So schützt man seinen Instagram-Account vor Hackern

1. Die zweistufige Authentifizierung aktivieren

2. Ein kompliziertes und schwer zu knackendes Passwort auswählen

3. Passwörter immer mal wieder ersetzen

4. Das E-Mail-Postfach im Auge behalten, falls doch ungewohnte Aktivitäten festgestellt werden

5. Im Falle eines Hacker-Angriffs schnell reagieren

6. Ruhe bewahren – wer schnell reagiert, hat gute Chancen, seinen Account wiederzubekommen

7. Niemals ein Business nur auf ein digitales Standbein aufbauen – ist der Instagram-Account für zwei Monate weg, liegt auch das Business erstmal brach

Ctab Influencer Contentbild
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