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Karriere Reise Job

Der coolste Job der Welt? So arbeitet eine Yachturlaub-Testerin

Alyzée Joy Monatana hat sich vor einem Jahr gegen mehr als 3000 Bewerber durchgesetzt und den "coolsten Job der Welt" ergattert: Sie testet Yachturlaube und reist dabei um die Welt. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen, das Leben auf hoher See und die Schattenseiten dieses Traumjobs.

Für Sailsquare, eine Plattform für Segelurlaube, ist die 26-jährige Alyzée Joy Monatana oft mit an Bord. (Bild: Alyzée Joy Monatana)
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LEAD: Wie sind Sie auf den Job von Sailsquare aufmerksam geworden?

Alyzée Joy Monatana: Über Facebook. Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht, da sie überzeugt davon waren, dass das der perfekte Job für mich wäre.

LEAD: Sie haben ihn ja auch ergattert. Gibt es denn so etwas wie einen Arbeitsalltag in diesem Job?

Monatana: Mein Job besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus den weltweiten Segeltörns auf hoher See, zum anderen aus der Produktionsarbeit in den Sailsquare-Büros in Paris und Mailand. Auf hoher See sind meine Tage sehr intensiv: Mithilfe fünf verschiedener Kameras versuche ich die besten Momente festzuhalten.

Dazu kommt die Produktion von Instagram-Stories, um den Leuten zu zeigen, wie ein Tag auf dem Segelboot aussieht, weitere Social-Media-Aktivitäten und das Führen eines Tagebuchs. Am Abend, wenn die Crew sich ausruht, wird es für mich auch etwas leichter: Dann konzentriere ich mich auf das Bearbeiten der Fotos und die Vorbereitung für den nächsten Tag.

LEAD: Wie schaffen Sie es, sich an den schönsten Orten der Welt auf die Arbeit zu konzentrieren?

Monatana: Die Umgebung ist in der Tat idyllisch, aber die Tage auf dem Boot sind lang und kosten viel Energie. Von Juni bis September bin ich auf dem Mittelmeer unterwegs, von Dezember bis März dagegen in der Karibik und im Indischen Ozean.

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In der Hochsaison im Sommer packt mich das Adrenalin und ermöglicht es mir, von Trip zu Trip zu springen. Aber wenn ich drei Monate in Folge auf verschiedenen Segeltörns bin, bekomme ich die wunderbare Umgebung gar nicht mehr so mit, da ich darauf konzentriert bin, all meine Aufgaben zu erfüllen. Wenn ich dann zurück an Land bin und mir die Fotos in aller Ruhe angucke, realisiere ich oftmals erst, wie wunderschön die Orte waren, von denen ich gerade zurückgekommen bin.

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In diesem Job muss man sehr spontan und abenteuerlustig sein. (Bild: Alyzée Joy Monatana)

LEAD: Hat dieser Job denn auch seine Schattenseite?

Monatana: Wie alle Jobs hat auch dieser unangenehme Aspekte. Zum Beispiel das Planen, das nicht immer einfach ist. In den intensivsten Perioden muss ich besonders flexibel sein, da Last-Minute-Starts zur Normalität gehören.

Ich muss jederzeit bereit sein, denn wenn noch ein Plätzchen an Bord frei ist, muss ich packen und los geht‘s. Das mit meinem Privatleben zu koordinieren, ist nicht immer leicht. Ein Beispiel: Als ich am 1. März 2018 meinen ersten Tag im Büro in Mailand hatte, fragte mich das Team, ob ich bereit wäre, am Tag darauf zu meinem ersten Trip in Kuba aufzubrechen. Das war sehr kurzfristig, aber der beste Weg, um mich in dieses Job-Abenteuer zu stürzen.

LEAD: Was sind die größten Herausforderungen auf dem Boot?

Monatana: Die Bilder und Videos zu machen, ohne die Gäste zu stören. Ich muss dafür die richtige Balance finden, gut kommunizieren und mich in ihre Gruppe integrieren. Auch wenn die Versuchung da ist, mich selbst je nach Gruppe anzupassen, bleibe ich mir und meiner Personalität treu. Schließlich ist der zentrale Teil meines Jobs, mit anderen Menschen eine besondere Erfahrung zu teilen. Bislang hat das gut funktioniert.

Außerdem heißt es für mich, immer gut gelaunt zu sein – egal was mir gerade durch den Kopf schwirrt. Ich kann mich nicht von schlechten Gedanken runterziehen lassen, da ich damit ja den Urlaub der Gäste negativ beeinflussen würde. Ich muss immer professionell sein. Und last but not least: das Abschiednehmen. Ich verbringe mit jeder Crew pro Tag 24 Stunden auf dem Boot, sodass mir die Menschen, die ich vorher nicht kannte, ans Herz wachsen. Der Abschied tut immer weh – und hat verlässlich ein paar Tränchen zur Folge.

LEAD: Was war denn bislang das kurioseste Ereignis, das Sie erlebt haben?

Monatana: Vergangenes Jahr bin ich von einem Trip in Norwegen direkt zum nächsten auf die Seychellen geflogen. Dabei ging mein Gepäck verloren. Ich landete also in den Tropen mit Schneestiefeln und dicker Winterjacke. Zu allem Überfluss kam ich auch noch am späten Samstagabend an, wodurch alle Geschäfte auf der Insel geschlossen waren und ich mich nicht mit Sommerkleidung eindecken konnte.

Ein Crew-Mitglied des Flugzeugs war so lieb, mir einen Schwimmanzug und ein T-Shirt zu geben. Das Ärgerlichste war aber nicht einmal das Kleiderproblem, sondern die Tatsache, dass auch die Batterien und Ladegeräte für die Kameras in meinem fehlenden Koffer waren. Ich konnte also nicht einmal arbeiten. Es hat drei Tage gedauert, bis mein Gepäck via Wassertaxi auf eine kleine Seychellen-Insel gebracht wurde.

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Ein normaler Job kommt für die Yachturlaub-Testerin nicht in Frage. (Bild: Alyzée Joy Monatana)

LEAD: Hand aufs Herz: Ist es wirklich der „coolste Job der Welt“?

Monatana: Wenn man unter cool „funky“ versteht: ja. Aber nicht cool im Sinn von „einfach“. Es ist ein komplexes Projekt, das verschiedenste Qualitäten, konstante Kreativität und viel Energie braucht. Dann ist es auch eine Frage der Perspektive: Für Menschen, denen auf hoher See schlecht wird, wird es nie der Traum-Job sein.

Viele Menschen, die mit mir darüber sprechen, sagen mir auch, dass er für sie nicht in Frage käme, da er zu viele Abstriche in Sachen Privatleben mit sich bringen würde. Ich kann sagen, dass er cool ist, da ich jung, ungebunden und eine Abenteurerin bin. Als Frau aus der Franko-Karibik liebe ich das Meer – sogar mein Name Alyzée kommt vom gleichnamigen Karibik-Wind. Für mich passt es also wunderbar.

LEAD: Wo wird es Sie künftig hinziehen? Kommt ein normaler Beruf in Frage?

Ein normaler Job? Ich? Keine Chance! Ich sehe mich nicht in einem normalen Bürojob. Ich glaube nicht, dass ich dazu in naher Zukunft in der Lage wäre.

LEAD: Was kommt dann als nächstes?

Vielleicht etwas ähnliches, nur an Land? Immer noch mit Reisen und Entdecken verbunden. Die Welt ist so groß, es wäre ja verschenkt, nur die Meere und Küsten zu erkunden. Ich möchte alles sehen! Unsere Zeit ist so schnelllebig, dass aufgrund der neuen Technologien immer wieder Jobs dieser Art entstehen. Vielleicht ist dieser Job für mich der Startpunkt für ähnliche in der Zukunft.

Es gibt genügend neue Blickwinkel, neue Geschichten, um weiter Träume zu verkaufen. Ich bin sehr ambitioniert und habe gelernt, dass alles möglich ist, solange ich wirklich daran glaube und alles dafür tue. Ich bin schon gespannt, was das Leben als nächstes für mich auf Lager hat. Ich möchte den Menschen zeigen, dass jeder dazu in der Lage ist, wenn jemand wie ich es schafft. Walter Elias Disney hat mal gesagt: “All deine Träume können wahr werden, wenn du den Mut hast, sie zu verfolgen.” Deshalb bleibe ich an meinen verrücktesten Träumen dran, um sie mir zu erfüllen.

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