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Korbinian Hackl und Juan Sanmiguel setzen digitale Standards in der Hotellerie, die es bisher noch nicht gab (Bild: Hotelbird)
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Das Smartphone als Zimmerschlüssel

Das Start-up Hotelbird aus München hat eine Vision: die Hotelbranche digitalisieren. Dank ihrer Software soll der gesamte Buchungsablauf digitalisiert und verdichtet werden – im Smartphone des Nutzers. Dafür haben die Gründer Juan A. Sanmiguel und Korbinian Hackl große Pläne.

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Der Sommerurlaub steht an. Flugtickets buchen. Das Geld überweisen. Die Routen planen. Kleider und Badehosen shoppen. Heute regeln wir fast alles mit dem Smartphone. Und das Hotel? Buchen, kein Problem. Der Rest sieht dagegen oft altmodisch aus. Wenn zum Beispiel der Rezeptionist nach langem Anstehen und Warten im Hotel einen Schlüssel in die Hand drückt.

Überall ist die Digitalisierung angekommen – außer in der Hotellerie. Das geht auch anders, dachten sich die zwei Unternehmer aus München, Juan A. Sanmiguel und Korbinian Hackl. Sie gründeten im April 2015 ihr Start-up Hotelbird.

Eine digitale Lösung braucht die Hotellerie

In der Sonnenstraße in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs befindet sich das Büro von Hotelbird. Hinter den zwei Türen mit dem blauen Logo, ein Vogel in einem runden Kreis, arbeiten mittlerweile 13 Mitarbeiter. Da stehen überall Bierkästen neben den großen Schreibtischen. Die Whiteboards tragen Ergebnisse von intensiven Brainstormings. Ein Kicker in der Ecke, klar. Typisch Start-up eben.

Die beiden Geschäftsführer Sanmiguel und Hackl teilen sich ein Büro. Auf den Regalen stehen verschiedene aneinandergereihte Tür-Attrappen. Ein Fahrrad lehnt an der Wand.

Wenn die beiden 30-jährigen Unternehmer von Hotelbird erzählen, wirken sie lässig. So, als ob sie das Geschäftsmodell nebenbei entwickelt hätten. Das stimmt nicht ganz. Aber von vorne. Das Konzept sieht so aus: Der Gast wählt ein Hotel aus, das mit der Hotelbird-Software arbeitet. Nun kann er sein Zimmer direkt über das Smartphone buchen, bezahlen und einchecken. Der digitale Schlüssel wird bereitgestellt. Im Hotel angekommen, braucht man nun nicht mehr an der Rezeption anstehen. Auschecken klappt ebenfalls über die App.

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Das Büro von Hotelbird-Gründern Juan A. Sanmiguel und Korbinian Hackl (Bild: Hotelbird)

Auf der Suche nach einer Innovation für Hotels

Wenn die beiden 30-jährigen Unternehmer von Hotelbird erzählen, wirken sie lässig. So, als ob sie das Geschäftsmodell nebenbei entwickelt hätten. Das stimmt nicht ganz. Auf die Idee ist Sanmiguel auf seiner Reise in Miami vor einigen Jahren gekommen, nachdem er sich an anderen Geschäftsideen probiert hatte. Er verkaufte Sonnenbrillen, Armbänder, T-Shirts und Powerbanks für das Oktoberfest in München, später vertrieb er einen Online-Shop für Trachtenmode.

Nachdem die Geschäftsideen nach einiger Zeit nicht mehr ganz den Wünschen entsprachen, war Juan Sanmiguel auf der Suche nach einer neuen Idee. "Ich habe Zeit für mich gebraucht, um mich zu sammeln und neue Energie zu gewinnen", erinnert sich Sanmiguel. "Ich bin viel gereist und habe überlegt, was mich antreibt und worin ich Spaß habe und das war die Technik."

Seine Familie stammt fast allesamt aus der Hotellerie: Oma, Opa, Eltern und nun auch der Schwager. "Ich habe darüber nachgedacht, welches Problem viele Menschen nervt – und ich lösen kann", erinnert sich Sanmiguel. "So habe ich mir ein Konzept überlegt, wie man verschiedene Prozesse im Hotelbetrieb digitalisieren und dabei den Service für den Gast verbessern könnte." Die Idee zu Hotelbird war geboren.

Mit dem Konzept hat er sich auf die Suche nach Mitgründern gemacht und seinen jetzigen Geschäftspartner Korbinian Hackl kennengelernt, der vor Hotelbird die IT-Dienstleistungsagentur Apropos gegründet und geleitet hat. "Wir haben zusammen das Konzept entwickelt und sind damit auf die Straße gegangen", erzählt Sanmiguel. Die beiden investierten viel Zeit, um mit Hoteldirektoren, Branchenkennern und Rezeptionisten zu sprechen und zu prüfen, ob die Idee überhaupt bei den Kunden ankommt.

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Die beiden Gründer von Hotelbird (v.l.) Korbinian Hackl und Juan Sanmiguel (Bild: Hotelbird)

Etwas verkaufen, das es noch gar nicht gibt

Eine große Herausforderung war es, Kunden von der notwendigen Digitalisierung in der Hotelbranche zu überzeugen. Viele Schließsystemhersteller seien anfangs eher skeptisch gewesen. So beschlossen die Unternehmer, erst einmal große Hotelketten für sich zu gewinnen. "Die Aufgabe war es, ein Produkt zu verkaufen, das es noch gar nicht gibt", stellt Hackl fest. Obwohl Hotelmitarbeiter zunächst nur einen Prototyp zu sehen bekamen, waren sie von der Idee sofort überzeugt.

Die Vorteile für die Hotels: Die Prozesskosten sinken, weil es einen nahtlosen Check-In gibt, die Bezahlung und der Check-out über das Smartphone laufen. So müssen keine fehlerhaften oder verlorenen Keycards ersetzt werden. Außerdem gibt es Direktbuchungen ohne Provision, die Hotels zum Beispiel bezahlen müssen, wenn jemand über beliebte Online-Hotel-Plattformen bucht.

Die All-in-One Software

Ein Hotelier verwendet üblicherweise verschiedene Systeme. Zum Beispiel ein Hotelverwaltungssystem für Zimmerreservierung und Abrechnung. Hotelbird ist keine völlig neue Hotelsoftware, sondern integriert die neuen digitalen Services über seine Schnittstellen in das bestehende IT-System des Hotels. Die Mitarbeiter müssen nicht umlernen und die Transaktion der Gäste wird digital eins zu eins im bestehenden System verarbeitet. Für den schlüssellosen Schlüssel nutzt Hotelbird ein Bluetooth-System im Türschloss.

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So sieht die Boarding Card für das Hotel aus (Bild: hotelbird/Steigenberger Hotel)

Letztlich waren auch die Schließsystemhersteller bereit, die neue Technologie mitzuentwickeln. Sollte ein Gast kein Smartphone besitzen, kann er sich einen QR-Code vor dem Hotelbesuch ausdrucken und damit trotzdem schneller einchecken oder die lokale iPad-Station im Hotel nutzen.

Juan Sanmiguel und Korbinian Hackl konnten Investoren schnell von ihrer Idee begeistern und bekamen Finanzierungen in Höhe von mehreren Millionen. Zuletzt schlossen sie die Erste-Serie-Finanzierung ab. Hotelbird beschäftigt aktuell 13 Mitarbeiter in Vollzeit.

Zu den Kunden von Hotelbird zählen heute die IntercityHotels und Jaz-Hotels der Deutschen Hospitality, Leonardo Hotels, Super 8 Hotels, IBB Hotels, mehrere Arthotel Ana Häuser, die szenigen Lindner City Hotels, sowie die BoxHotels.

"Wir wollen eine Lösung entwickeln, die auf bestehende Systeme aufbaut und sie nicht ersetzt. Wir haben nicht vor, den Kundenkontakt wegnzunehmen" Korbinian Hackl

Den Gästen eine digitale Alternative bieten

Hotelgäste können weiterhin die Keycards oder normale Schlüssel verwenden, wenn sie möchten. "Auch wenn derzeit viel von Disruption die Rede ist, unser Ziel war es von Anfang an, eine Lösung zu entwickeln, die auf bestehenden Systemen aufbaut und diese erweitert und modernisiert. Und keine, die diese ersetzt", betont Sanmiguel. Gegner ihrer Idee könnten meinen, sie wollten etwa die Hotelliere ersetzen. Aber eigentlich möchten die Unternehmer die Kommunikation zwischen der Rezeption und dem Gast erleichtern.

"Das ist wie bei der Bank. Früher sind Leute an den Schalter gegangen und heute gibt es Online-Banking", erklärt Hackl. "Somit kann man immer noch in die Bank oder in Hotels zur Rezeption gehen. Dem Hotel den Kundenkontakt wegzunehmen, wäre der falsche Ansatz. Dieser soll jedoch nicht für lästige Routinen stehen, sondern dann stattfinden, wenn er wirklich erwünscht ist und gebraucht wird."

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Mit einem Klick öffnet man in der Hotelbird-App die Zimmertüre (Bild: Hotelbird)

Es geht darum, den Hotelgästen überhaupt die Entscheidung und Freiheit zu geben, digital einchecken zu können. Geschäftsleute und Vielreisende etwa, die bereits zum zehnten Mal in ihr Stammhotel gehen, brauchen nicht mehr unbedingt die Hilfe der Rezeption, um über bestimmte Dinge im Hotel informiert zu werden.

Das Ziel für die nächsten Jahre ist es, noch mehrere Hotels von der Software zu überzeugen. Eine nachhaltige Wirkung soll im Markt geschaffen werden - der Name Hotelbird soll sich in der Hotellerie etablieren. In der Zukunft will das Start-up die Guestjourney vor und nach dem Hotelbesuch digitalisieren. Der gesamte Reiseweg soll über Hotelbird steuerbar sein.

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