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Trends 2018 Realitycheck

5 Zukunftstrends im Realitycheck

Smart Gott, Blockchain-Communities und Resonanzsport: Nie gehört? Es sind drei Szenarien aus dem Zukunftsreport, in dem Futurist Matthias Horx die Gesellschaftstrends des Jahres veröffentlicht. Mit ihnen lag er auch schon mal falsch. Wir haben uns für 2018 fünf herausgepickt - und sie einem Realitycheck unterzogen.

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Zukunftsprognosen haben ihre Tücken: Manche von ihnen klingen absurd, andere waren längst da, viele entpuppen sich später als falsch. Trotzdem bescheinigt die Flut an Prognosen, Trendvorschauen und Zukunftsvisionen unser Bedürfnis nach Orientierung.

Wie der Zukunftsreport, herausgegeben von Matthias Horx. Autoren ganz unterschiedlicher Bereiche stellen darin ihre Gedanken zur (digitalisierten) Gesellschaft vor.

Horx selbst hat in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal danebenprognostiziert: Zum Beispiel 2010, da prophezeite er das Ende Facebooks binnen fünf bis sechs Jahren. Klar, solche Prognosen stehen immer in einem Kontext. Trotzdem: Wir haben uns fünf Trends des 2018er-Reports angesehen und sie einem Realitätscheck unterworfen. 

1. Die Macht des Humors

Es gibt keine lustigen Witze über Roboter. Sonst stünde hier einer. Aber: Wie und was genau unser Hirn als komisch einstuft, darüber gibt es verschiedene Ansichten und Forschungen. Einen Konsens gibt es aber: die Pointe. Sie steht am Ende vom Witz und ist nichts anderes als eine überraschende Wende einer bis dahin sicheren Erwartung. "Im Grunde ist ein Witz ein logischer Widerspruch, ein Fehler im System", wie es der Diplomphysiker und Kabarettist Vince Ebert formuliert. Denn eigentlich geht es an dieser Stelle um Künstliche Intelligenzen (KI). Deren System ist nicht auf Fehler, sondern Perfektion ausgerichtet. Und das ist der springende Punkt.

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KI werden uns in den nächsten Jahre immer mehr Arbeiten abnehmen. Viele Menschen fürchten sich vor diesem Szenario. Aber: Humor können KI zumindest noch nicht. Jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne. Klar, auch Alexa liest Witze vor. Bei nonverbaler Komik, also Gestik, Mimik und Sprache, ist sie aber raus. Und: die Sprachassistentin kann ihre Witze nicht am Humor ihres Gegenübers ausrichten.

Abgesehen davon, lösen Witze  Spannungen auf. "Humor bricht Regeln, ist anarchistisch und zeigt uns dadurch unorthodoxe Perspektiven und Sichtweisen - und manchmal sogar Lösungen. Gerade in verwirrenden Zeiten wie diesen sollten wir mehr auf die Hofnarren hören", sagt Ebert. Ob KI nun lustig sein können, oder nicht, ist da schon wieder egal. 

Gott Unsplash Christopher Burns 286419 1600X900

2. Smart Gott: Eine Religion der Zukunft

Nun wird es bizarr: "Smart Gott ist kein neuer  Gott. Smart Gott ist eine neue Religion, eine Religion der Zukunft. Was sie kann? Sie kann uns in ein neues Bewusstsein führen und helfen, eine neue Menschenart zu entwickeln. Die erste, die aus der globalen Vernetzung hervorginge." Das schreibt Autor Gabriel Diakowski. Davon ausgehend spinnnt er das Argument weiter in die Richtung, dass auch wir Menschen heute - in Analogie zum Exodus aus dem alten Ägypten - vom "ewigen Leben" träumten und "Sehnsucht nach Heil und Erlösung" "projizieretn. Wie bitte?

Digitale Transformation und Religion zum Trend zu verwursten, ist kein schlechter Kunstgriff. Beides ist en vogue.

Als wäre das nicht genug, bringt Diakowski  dann noch Cyborgs ins Spiel. Mit dem Mischwesenen aus Mensch und Computer bliebe ewiges Leben heute keine Sehnsucht mehr. Es nimmt sogar reale Gestalt an. Diakowski hat sehr konkrete Vorstellungen von den Fähigkeiten der Cyborgs: Sie könnten Erinnerungen auf externen Festplatten speichern, Fähigkeiten über Plattformen teilen, hätten algorithmisierte Bewegungsmuster und wären - dank Gendesign -Wunschware von innen und außen.

Das liest sich verrückt, geschieht aber schon jetzt. Anhänger der Cyborgbewegung lassen sich bereits Technologien einpflanzen, die ihre Fähigkeiten und Sinne erweitern sollen.

Das Konzept Smart Gott aber erhebt den perfekten Menschen zur Religion. Das ist absurd und ethisch fragwürdig. Gut, dass der Autor das Thema zumindest teilweise kritisch beleuchtet. Ist sein Konzept realistisch? Noch nicht. Könnte aber irgendwann so weit kommen. Jedoch nicht 2018.

3. Resonanzsport: Sport, weil es Spaß macht

Resonanzsport hört sich nach einer esoterischen Turnveranstaltung an. Ist er aber nicht: Jede Sportart, bei der Gemeinschaft, Humor, Extrovertiertheit und Gruppengefühl mehr zählen, als Leistung, fasst Autorin Oona Horx-Strathern unter diesen Begriff. Stand-up-Paddeln zum Beispiel.

Resonanzsport sieht sie als den Abgesang auf die #fitspo-Welle, die Millionen ehrgeiziger Menschen in perfekt gestylten Fitnessklamotten zu sportlichen Höchstleisungen in Wäldern, Fitnessstudios und vor allem: auf Instagram trieb. Wie schön, Sport darf also wieder Spaß machen. Komisch nur, dass auch Amateurchöre in die Kategorie Resonanzsport fallen. Macht sicher Spaß und ist ein Gemeinschaftsding. Aber doch kein Sport.

4. Blockchain Communities

Blockchain ist die Technologie, die hinter der Cyberwährung Bitcoin steckt. Die erreichte 2017 Rekordwerte. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Blockchain als der nächste große Trend am Technikhimmel gefeiert wird. "Sie könnte ganze Branchen revolutionieren, die Wirtschaft langsam und schleichend grundlegend verändern", schreibt die Kulturanthropologin Lena Papasabbas.

Keine Ahnung, was Blockchain bedeutet - und wie es funktioniert? Lead erklärt es im Video.

Blockchain kann Datenübertragungen optimieren. Besser im Sinne von schneller und vor allem: kontrollier- und verifizierbar. Das passt nicht nur zu Finanztranskationen wie bei Bitcoins, sondern in jeden beliebigen Bereich. Der US-Händler Walmart lässt zum Beispiel Schweine über Blockchain tracken. Oder das britische Startup Everledger: Um Blutdiamanten zu erkennen, werden die Edelsteine auf einer privaten Blockchain verbrieft, so Lena Papasabbas. Auch Smart Contracts, intelligente Verträge, die automatisch - ohne das Zutun eines Anwalts - verfasst und abgewickelt werden, funktionieren mit Blockchain.

5. Crack Signals: So erkennst du die Krise

Alles, was einen Anfang hat, hört irgendwann auf. Partys, Würste, Beziehungen, Jobs, Jahreszeiten, Produktlebenszyklen.

Heute erleben wir diese Brüche ständig und in nie dagewesener Frequenz. Crack Signals sind die Zeichen für Umbrüche. Am besten weiß man schon Bescheid, bevor es zum Bruch kommt. Man erkennt die Crack Signals. Und macht das Beste daraus, so der Autor des Textes, Harald Katzmair. Aber wie, um Himmels willen?

Damit aufzuhören, andere zu imitieren, wäre schon ein guter Anfang, findet er: "Die Nachahmung von Vorbildern – etwa Google, Apple, Facebook oder Uber – anstelle des Wagnisses einen eigenen Stil zu prägen, ist wenig hilfreich: Denn je mehr wir uns mit anderen vergleichen, desto verwechselbarer und austauschbarer werden wir." 

Wie man daran nun ein Crack Signal erkennt, verrät er an dieser Stelle nicht. Dafür in einer Textpassage zur Unternehmenskultur: "Wo Menschen beginnen, hastig von anderen etwas einzufordern, wo nur noch im gepressten Befehlston miteinander geredet, oder gar cholerisch herumgebrüllt wird, ist bald eine Schwelle erreicht." Wenn Wertschätzung und Freundlichkeit nichts mehr gelten, ist der Knall vorprogrammiert. Stimmt. So lapidar das klingt. Und ja: Silicon-Valley-Touristen haben wir schon genug gesehen.

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