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Apple Werbung Daten

Das Katz- und Maus-Spiel von Apple und der Werbebranche

Apple und die Werbebranche: Freunde werden beide Seiten in diesem Leben nicht mehr. Dafür sorgen Sicherheitsmaßnahmen von Apple und auch neue Funktionen im Safari-Browser.

Apple und die Werbebranche werden keine Freunde mehr (Bild: Unsplash)
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Zwei, die sich schon länger nicht gut verstehen: Apple und die Werbebranche. Während Tim Cook immer wieder darauf hinweist, dass Apples Geschäft nicht private Daten, sondern Hardware sei, haben die anderen natürlich großes Interesse daran, möglichst viel über iPhone- und iPad-Nutzer zu erfahren. Während Apple die Daten seiner Kunden anonymisiert, gehen Unternehmen wie Facebook und Google mit optimiertem Crosstracking und dezidierter Profil-Erstellung einen ganz anderen Weg: Sie wollen dem User möglichst maßgeschneiderte Werbung verkaufen. Und das geht nur, wenn der Kunde bei seinem Surf-Verhalten möglichst genau verfolgt werden kann.

Schon immer hat Apple versucht, das Datensammeln zu unterbinden. Im ewigen Katz- und Maus-Spiel zwischen Cupertino und der Werbebranche ist aktuell allerdings ein neuer Höhepunkt, oder – wie Google, Amazon, Facebook & Co. wohl sagen würden – Tiefpunkt erreicht.

First-Party-Cookies bei Apple verschärft im Visier

Apple verschärft den Zwist wieder einmal, diesmal über seinen Safari-Browser, um das Werbe-Tracking seiner Kunden rigoros zu unterbinden. Die Anti-Tracking-Funktion sieht in Zukunft vor, dass First-Party-Cookies, die selbst von einer besuchten Website gesetzt worden sind, nach einer Woche automatisch gelöscht werden. Bisher hatte Safari bereits Third-Party-Cookies blockiert. Die Werbebranche hatte die Aktion gekontert und war in großer Zahl auf die First-Party-Cookies umgeschwenkt. Bedeutet: Cookies werden nicht mehr von eigenen Facebook- oder Google-Seiten ausgegeben, sondern über die jeweiligen Server der Website-Betreiber, die besucht werden. So machten Google & Co. aus Third-Party-Cookies eben First-Party-Cookies.

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Analyse-Tools der Werbebranche arbeiten nicht mehr so exakt wie vorher

Ein Workaround, der den Konzernen, die auf das Sammeln von Nutzerdaten angewiesen sind, jetzt also nur kurzzeitig geholfen hat. Mit der automatischen Löschung von First-Party-Cookies nach nur einer Woche schränkt Apple im Katz- und Maus-Spiel das langfristige Tracking von Usern noch einmal deutlich ein. Und bringt die Online-Werbebranche wieder einmal in Not, bzw. dazu, sich neue Lösungen auszudenken. Die derzeit vorhandenen Analyse-Tools greifen unter Safari nur noch sehr eingeschränkt, Zugriffsstatistiken der Online-Vermarkter werden deutlich unpräziser. Doch es wird immer schwieriger, Safari-Nutzern mit langfristigem Tracking beizukommen. Während Safari auf Desktop-Rechnern deutlich weniger zum Einsatz kommt als die Konkurrenz von Chrome oder Firefox, sind die Werbenetzwerke dringend auf die mobilen Daten von iPhone- und iPad-Usern angewiesen. Erschwerend kommt hinzu: Auch Mozilla Firefox hat fast parallel zu Apple angekündigt, First-Party-Cookies nach einer Woche automatisch zu löschen.

Apple verspricht seinen Kunden durch das neue Tracking-Prozedere nur Vorteile, keine Nachteile. Normalerweise gehen nämlich Anmeldungen auf Websites verloren, wenn Cookies nicht mehr gespeichert werden. Apple erklärt aber, Safari werde die Authentifizierungs- und Sitzungs-Cookies nicht antasten. Damit entfällt das ständige Neuanmelden auf Websites.

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Der Kampf gegen die Online-Vermarkter

Ein Dorn im Auge ist der Werbebranche eine standardmäßige Safari-Einstellung von Apple ohnehin. Da Apple nicht will, dass Unternehmen den Browserverlauf ihrer Kunden verfolgen, wenn diese von einer zur andere Website springen, hat Cupertino in den Safari-Einstellungen die Intelligent Tracking Prevention von Haus aus unter Safari -> Website-Trackingablehnen aktiviert. Hier muss der User also nicht selbst aktiv ein Häkchen setzen. Auch den Anmeldezwang kennt Safari nicht. Bedeutet: Ein User ist dann auch auf der nächsten Website, die er besucht, nicht automatisch angemeldet, ohne es zu bemerken. Hinzu kommt: Auch wenn Google mehrere Millionen Dollar im Jahr dafür zahlt, als Standardsuchmaschine unter iOS gebrandet zu werden, bietet Apple sichere Alternativen, wie etwa DuckDuckGo, das keinerlei Daten von Nutzern sammelt. Die bevorzugte Suchmaschine lässt sich in den iOS-Einstellungen unter Einstellungen -> Safari -> Suchmaschine manuell eingeben.

Wer seine Daten zudem nicht direkt auf Websites, sondern in der "Intelligenten Safari-Suchleiste" eintippt, verhindert die Weitergabe von Standort-Daten oder anderen Datentypen, die auf Homepages von Suchmaschinen im Hintergrund erhoben werden.

Dies ist ein großes Add-on zu anderen Maßnahmen, die Daten auf Apple-Geräten verschlüsselt und privat halten sollen, angefangen von nur lokal auf dem iOS-Produkt gespeicherten Fotos, die mittels Machine Learning auf iPhone und iPad, aber nicht außerhalb auf anderen Servern verarbeitet werden, bis hin zu verschlüsselten iMessages und dem standardmäßigen Verbergen von Standorten und Routen-Historie in der Apple-Karten-App, in der sogar Reise-Optionen und Live-Traffic zu 100 Prozent anonymisiert werden.

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Ist die Werbebranche nun chancenlos gegen Apple?

Davon ist nicht auszugehen. Das Katz- und Maus-Spiel dürfte auch in den nächsten Monaten weitergehen. Noch profitiert die Branche der Online-Vermarkter davon, dass viele eher sorglose User den Chrome-Browser in Deutschland mit deutlichem Abstand auf den größten Marktanteil hieven. Laut einer Statista-Studie lag Chrome hierzulande mit 45,72 Prozent deutlich vorn. Dahinter folgte Firefox mit 26,09 Prozent. Der Microsoft Internet Explorer kommt immer noch auf 9,04 Prozent. Erst dahinter liegt Safari mit 7,32 Prozent auf dem vierten Platz.

Nur jeder 14. Deutsche profitiert also aktuell von Apples Anti-Tracking-Maßnahmen.

"Datenhändler müssen reguliert werden"

Apple hat den Datenschutz als Geschäftsmodell erkannt und setzt diese Strategie vehement fort: mit einer eigenen Website und Regulierungsforderungen von höchster Stelle. Tim Cook bezeichnete erst jüngst Facebook, Amazon und Googlein einem offenen Brief im US-Time-Magazine als "Datenhändler": "Konsumenten sollten kein weiteres Jahr tolerieren müssen, in dem Unternehmen auf unverantwortliche Weise große Nutzerprofile ansammeln, in dem Datenpannen außer Kontrolle zu geraten scheinen und in dem die Möglichkeit verschwindet, unser digitales Leben zu kontrollieren." Die Verwertung von User-Daten sei eine Schattenwirtschaft: "Solche Datenhändler existieren einzig zu dem Zweck, Ihre Daten zu sammeln, zusammenzuführen und einer weiteren Firma zu verkaufen."

Schon im Oktober 2018 sah sich Google veranlasst, neue Datenschutzbestimmungen zu erlassen. Um den Suchverlauf anzusehen bzw. bei Bedarf zu löschen, musst du seitdem die Suche selbst nicht mehr verlassen. Es gibt einen Schnellzugriff auf alle wichtigen Datenschutzeinstellungen des Google-Kontos. Zudem teilt Google an prominenter Stelle auch Details zur Art der Datenverarbeitung mit.

Bekehrt sind die großen Konzerne, die deine Daten wollen, dennoch nicht gänzlich. Immerhin reift die Erkenntnis, dass Datenschutz – trotz aller Interessen der Werbebranche – eine zentrale Aufgabe unserer Zeit ist. Da mutet es fast schon skurril an, dass Apple neulich eine Neueinstellung an prominenter Stelle vollzog. Sandy Paraklias war zuvor sechs Jahre bei Facebook tätig und ist seit Anfang des Jahres laut einem Bericht der Financial Times bei Apple neuer "Product Privacy Manager".

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