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Zweimal wäre es fast soweit gewesen und Deutschland hätte eine Supermediathek bekommen (Bild: GettyImages)
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Das Kartellamt ist schuld, dass Deutschland noch keine Supermediathek hat

Stell dir vor, alle deutschen Sender sind live und on-demand über eine einzige digitale Oberfläche verfügbar. Zweimal wäre es fast soweit gewesen. Aber eben nur fast.

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Es ist der Traum eines jeden Zuschauers: Endlich auf alle Inhalte über einen einzigen Kanal zugreifen können. Früher war der Fernseher mal so ein One-Size-Fits-All-Medium. Mittels Zappen ist man durch die Senderauswahl gesprungen und schließlich fand man ein Programm, das gerade zur Stimmung passte. Digitalisierung, Internet und Abo-Modelle einzelner Anbieter haben dem Fernsehen als Plattform aber schwer zu schaffen gemacht. Und so steuern wir heute unzählige separate Apps an, um uns in den begrenzten Angeboten der einzelnen Mediatheken und Streaming-Plattformen umzuschauen.

Erster Versuch: Zusammenschluss der Privaten

Im Jahr 2007 ist in Amerika die Plattform Hulu an den Start gegangen. Verschiedene Sender und Produktionsfirmen bündeln darin ihre Inhalte zu einem digitalen Angebot – früher noch werbefinanziert, heute im Abo zum Festpreis. Darin lassen sich also sowohl Live-, sowie Archiv-Inhalte abrufen. Keine schlechte Idee, dachten sich kurze Zeit später auch die deutschen Sendergruppen RTL (RTL, RTL2, SuperRTL, Vox etc.) und ProSiebenSat.1 (Pro Sieben, Sat.1, kabel eins, sixx etc.). In Gesprächen einigte man sich auf eine gemeinsame Videoplattform (Arbeitstitel: "Amazonas"). Bei der Werbeauswertung sollte, heißt es bei den Sendern, jede Gruppe ihr eigenes Geschäft machen.

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Dennoch gefiel das Projekt dem Bundeskartellamt aber gar nicht und so zog es 2011 den Stecker. In der Begründung wurde angeführt, dass die geplante Plattform die marktbeherrschende Stellung der beiden Senderfamilien verstärken würde. Und aus Sorge vor einem Duopol wurde das Projekt damit vorzeitig gestoppt. Letztendlich ging die Entscheidung voll auf die Kosten der Zuschauer, denen eine senderoffene Video-On-Demand-Plattform versagt blieb.

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Zweiter Versuch: Alle Öffentlich-rechtlichen vereint

Ebenfalls im Jahr 2011 schlossen sich ARD, ZDF und private Produzenten wie Bavaria, Brainpool zusammen, um über ein kommerzielles Angebot ihrer Inhalte zu beraten (Arbeitstitel: "Germany's Gold"). Der Pitch: 60 Jahre deutsche Fernsehgeschichte sowie nationale und internationale Kinoerfolge auf einer Plattform vereint. Nur allein mit den Rundfunkgebühren ließe sich das Vorhaben wohl nicht realisieren – darum der Fokus auf eine zusätzliche monatliche Abo-Gebühr. Und plötzlich traten wieder die Wettbewerbshüter auf den Plan.

Zwei Jahre dauerte die Prüfung und schließlich kam man 2013 zu dem Ergebnis: Keine Vermarktungs-Ausnahme für die Öffentlich-rechtlichen. Kartellamts-Präsident Andreas Mundt sagte dazu: "Auf dem Markt für Onlinevideoverleih seien ARD und ZDF Wettbewerber wie andere Unternehmen auch." Entsprechend müssten sie ihre Produkte unabhängig voneinander vermarkten. Die Rechtfertigung für eine zusätzliche Gebühr für rundfunkfinanzierte Inhalte wurde dabei noch gar nicht verhandelt. Nur eines schien damals klar: Für alternative Finanzierungsmodelle sah man bei ARD und ZDF keine positive Aussicht.

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Wie stehen die Chancen für einen dritten Anlauf?

Als BR-Intendant Ulrich Wilhelm 2018 den ARD-Vorsitz übernahm, schrieb er das Projekt Supermediathek ganz weit oben auf seine Agenda. In seiner Vorstellung braucht es sogar eine gesellschaftsrelevante Plattform, die neben Streaming-Diensten wie Netflix auch sozialen Medien wie Facebook etwas entgegensetzt. Also ein diskriminierungsfreier, ungeteilter öffentlicher Raum – am liebsten sogar auf europäischer Ebene. Damit stieß er bisher zwar allerlei positive Gedankenspiele an, aber es fehlt bis heute an Lösungen, wie sich die Interessen von privaten und öffentlichen Medien miteinander vereinen lassen.

Nur eines ist sicher: Beim dritten Versuch müsste die Offenheit einer solchen Plattform für alle heutigen und zukünftigen Beteiligten im Zentrum stehen. Denn das Kartellamt hat schon 2013 betont, dass der Betrieb eines offenen Marktplatzes auf der Grundlage einer gemeinsamen technischen Plattform durchaus möglich gewesen sei. In so einem Szenario stehen jedem Inhalteanbieter also dieselben Chancen auf Sichtbarkeit und Vermarktung zu. Nur tun sich wirtschaftlich geführte Unternehmen bekanntlich schwer damit ihre Werttbewerbsvorteile aufzugeben. Und darum stehen wir heute, wo wir eben stehen.

Happy End für das Kartellamt?

Die Mediengruppe RTL hat mit dem Relaunch ihrer sendereigenen Streaming-Plattform TV Now Ende 2018 gezeigt, wo sie ihre Zukunft sieht: Alle Sender-Mediatheken sind über eine Oberfläche verfügbar, sowie für ein Premium-Abo auch im Live-Stream und auf Abruf ohne Werbeunterbrechungen. Exklusive Inhalte wie die Serie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" runden das Bezahl-Angebot ab.

Bei ProSiebenSat.1 geht man im Sommer 2019 sogar noch einen Schritt weiter und fusioniert seine Online-Mediatheken mit der Video-on-Demand-Plattform Maxdome. Entsprechend des Hulu-Vorbildes gesellen sich dann auch weitere Sendergruppen wie Discovery (Eurosport, Discovery Channel, DMAX etc.) und WELT (WELT, N24 Doku) zur wachsenden 7TV-Familie.

Die Bewegung wird dem deutschen Streaming-Markt gut tun und auch bei uns Zuschauern ankommen – schließlich müssen wir perspektivisch immer weniger Apps ansteuern. Am Ende scheint selbst das Kartellamt glücklich. Denn es stellt aktuell zwar einen stark expandierenden Markt fest, aber erwartet im selben Atemzug auch keine dominante Marktposition für einen der Wettbewerber.

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