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Politik Instagram Social Media

Das ist die wirklich dunkle Seite der Macht: Deutsche Parteien und Instagram

Politiker und Instagram - das passt nicht wirklich zusammen. Das zeigt sich vor allem nachdem SPD-Chefin Andrea Nahles ihren Rücktritt bekanntgegeben hat. Und auch sonst herrscht fast tote Hose im sozialen Netzwerk. Ein paar Ausnahmen gibt es.

(Bild: picture-alliance)
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Für Politiker sind soziale Medien weitestgehend Neuland. Soweit nichts Neues. Zwar sind die Volksvertreter gerne auf Twitter unterwegs, dieser Filterblase blitzgescheiter Wortakrobaten, latent profilneurotischer Ein-Mann-Nachrichtenagenturen und knallharter Echtzeit-Kommunikatoren. Gelesen und bestückt hauptsächlich von ihnen selbst. Und Journalisten. Auf Instagram jedoch sieht es richtig düster aus. Auch nach einem turbulenten Tag im Berliner Politik-Zirkus blickte man ins stockfinstere Garnichts.

SPD - was war das nochmal? Sicher irgendwas mit Soziales. Irgendwas mit Social Media jedenfalls nicht. Und schon gar nicht mit Instagram. Während am Sonntag die Nachricht von Andrea Nahles´ Rücktritt durch die Decke ging, erfuhr der gemeine Instagram-User auf seinem Lieblingskanal genau: gar nichts. Der letzte Eintrag im Instagram-Kanal der SPD ist vom 26. Mai. Andrea Nahles ist gar nicht erst auf Instagram aktiv und bei den SPD-Promis werden die Accounts nur sporadisch gepflegt. Hauptsächlich und am allerliebsten vor Wahlen. Mit frechen Ausreißern:

Nun kann der aufgeklärte User abgeklärt argumentieren: Mooooment, das ist doch auch nur dieses Fotonetzwerk, auf dem einem aufgedrehte junge Menschen wahllos Produkte anpreisen. Und der etwas Geneigtere sagt vielleicht, da geht's halt hauptsächlich um die schönen Dinge des Lebens. Mode. Essen. Reisen.

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Ganz anders ist das im Mutterland der App. Dort hat sich Instagram unter Politikern schneller als jede andere Social-Media-Plattform an Beliebtheit gewonnen. Wie die Financial Times schreibt, bringt sich laut des überparteilichen Kongressforschungsdienstes fast jedes zweite Mitglied des Repräsentatenhauses für den Präsidentschaftswahlkampf 2020 in Stellung, um insbesondere bei Millennials zu punkten. Mittlerweile haben 70 Prozent der Senatoren ein Konto, 2015 waren es noch 36 Prozent. "Wenn es nicht auf Instagram ist, ist es nicht passiert", erzählt US-Demokrat Beto O'Rourke gern seinen Anhängern, wenn er auf Wahlkampftour für Selfies posiert.

In Großbritannien titelt The Guardian: "Instagram hat sich zum Spielplatz für Politiker entwickelt. Die App ist die bevorzugte Plattform unserer Abgeordneten, um ihre menschliche Seite zu zeigen."

Und hierzulande? Da sieht es bei der CDU nicht besser aus als bei den freifallenden Sozialdemokraten. Während gestern Abend Mike Mohling, Spitzenkandidat und Landesvorsitzender in Thüringen, direkt von der Krisen-Klausur der CDU den traditionellen Tagesthemen am Sonntagabend irgendwas von Kommunikationsproblemen mit den jungen Menschen ins Mikro faselte, las der Instagram-User, dass das Wahlergebnis der Europawahl dem Anspruch der Partei nicht gerecht wird. Aha. Der Eintrag ist zu diesem Zeitpunkt sieben Tage alt.

Wer glaubt, bei den höhenfliegenden Grünen wäre alles auf Stand, irrt. Der letzte Post ist eine Werbung für Mitglieder. Just for the records: An einem Tag, an dem sich die traditionellen Medien mit Sondersendungen über den Nahles-Rücktritt und ein wohlmöglich drohendes Groko-Ende überschlagen. Am ganz rechten Rand der Parteienandschaft sind die "blauen Poser" nur leicht postfreundlicher. Dort hetzt es am Mittag über die "GEZ-Zwangsgebühr".

Bei der FDP trommelt Christian Lindner, mit 133 Tausend Abonnenten der Rockstar unter den Politikern auf Instagram, für Margrethe Vestagerals als Spitze der Europäischen Kommission. Beitragsalter: Fünf Tage.

Links geht es auch eher gemütlich zu: Im Instagram-Auftritt der Linken mahnt die Parteivorsitzende am internationalen Kindertag vor zwei Tagen zum entschlossenen Vorgehen gegen Kinderarmut.

Die Partei, die immerhin einen eigenen Balken in den Wahlsendungen der Öffentlich-Rechtlichen bekam, kann sich kaum retten vor Mitgliedsanträgen, und bittet, ebenfalls vor zwei Tagen, bei den Mitgliedsanträgen um etwas Geduld. Geduld. Gutes Stichwort. Wer an einem nachrichtenstarken Tag auf Instagram was aus der Politikerblase erfahren will, braucht sie unbedingt. Oder muss schnell zu Twitter.

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