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(Foto: 123rf.de)
GIF Internet Social Media

Darauf kannst du GIF nehmen!

Es gibt eins für alle Lebenslagen. LEAD erklärt den unglaublichen Siegeszug eines eigentlich uralten Internet-Phänomens.

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Im Netz muss alles immer neu, hip, hochmodern, bunt und knackscharf sein, am besten in atemberaubender 4K-Bildqualität. Das stimmt – aber es gibt eine erstaunliche Ausnahme. Denn der beliebteste Oldtimer des Internets ist nicht totzukriegen, und wird immer noch populärer. Ein antikes Grafikformat aus dem Jahr 1987 (!) wird jeden Tag nicht millionenfach verbreitet, sondern milliardenfach. Das animierte GIF, eine Technik von vorgestern mit kargen 256 Farben, lässt das ganze Netz wackeln und zappeln.

Das Verb GIFing, also das Erstellen und Teilen von GIFs, steht mittlerweile im Lexikon. Und für GIF-Allergiker, die die oft scheußlichen Wackelbilder nicht mehr sehen können, gibt es nichts Bedrohlicheres als die zahllosen Websites mit „den schönsten Katzen-GIFs“. LEAD erklärt den unglaublichen Siegeszug der GIFs – der ein bisschen so wirkt, als wären plötzlich Röhrenfernseher von Nordmende oder Saba wieder der heißeste Scheiß.

Das sind GIFs

Das Kürzel steht für „Graphics Interchange Format“, also für den Austausch von Grafiken. Der US-Computerwissenschaftler Steve Wilhite hat das GIF 1987 für den Internet-Pionier Compuserve erfunden, der in den 90er-Jahren auch viele Deutsche mit pfeifenden Modems erstmals ins World Wide Web beförderte. Vorteil: Mit seinen geringen Datenmengen passte das GIF sogar durch die damals noch extrem langsamen Computerleitungen.

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Nachteil: Durch die Komprimierung auf 256 Farben (das moderne JPG schafft 16,7 Millionen) sind GIFs meist eher hässlich, mit schlechter Farbdarstellung – was heute aber erst für den richtigen Kult-Faktor sorgt. GIFs müssen trashig aussehen, sonst machen sie keinen Spaß.

So spricht man GIF aus

GIF wie GIFT, nur ohne T – für uns in Deutschland scheint die Aussprache klar zu sein. Aber Erfinder Steve Wilhite beharrt bis heute darauf, dass er der Welt 1987 das „JIF“ (sprich „Tschiff“) geschenkt hat. Und so wird das GIF bis heute auch in vielen Ländern ausgesprochen. Eine weltweite Umfrage der Technikwebseite Stack ergab 2017 aber eine knappe Mehrheit für das harte „G“.

Das sind die Wackelbilder

Das GIF-Format, das heute für Furore sorgt, heißt offiziell GIF89a – weil 1989 in einer Weiterentwicklung erstmals Animationen dazukamen. Damals begann also bereits das große Zappeln. Ein festgelegter technischer Standard für die Animationen existiert nicht. Aber alle großen Browser- und Softwarehersteller haben sich auf ein einheitliches Format geeinigt, das heute nun wirklich jeder Browser und jede Plattform ohne Zusatzprogramme unterstützt. Diese problemlose Verbreitung hat neben der einfachen Erstellung und den geringen Datenmengen wesentlich zum Siegeszug der GIFs in den letzten Jahren beigetragen. Modernere Alternativen für animierte Bilder wie der PNG-Ableger APNG haben sich nie wirklich durchgesetzt.

So lief das Comeback

1995, also vor 23 Jahren, war das GIF wegen Patentstreitigkeiten erstmals am Ende. Die Softwarefirma Unisys verlangte eine finanzielle Beteiligung an jeder Software, die GIFs erstellen konnte. Als Reaktion erfanden Wissenschaftler das lizenzfreie und bis heute gebräuchliche PNG, das wie das JPG 16,7 Millionen Farben erlaubt, und deswegen für viel attraktivere Fotos sorgt als das GIF. Bloß: Von Haus aus, in seiner ursprünglichen Variante, lässt sich das PNG nicht animieren. Es wackelt nicht und zappelt nicht.

So weigerte sich das GIF schlichtweg, ebenso friedlich zu sterben wie sein Erfinder Compuserve im Jahr 2009. Ab 2010 wurde das GIF langsam wieder populär, Auslöser waren zunächst Bilder-Websites wie Tumblr oder 4chan. Im Mai 2015 gab dann auch Facebook seine Weigerung auf, GIFs zu unterstützen. Und so wurde das Netz endgültig zum Zappelphilipp. Heute funktionieren GIFs auf jeder nennenswerten Internet-Plattform. WhatsApp-Nutzer können Videos mittlerweile ohne Zusatzsoftware in GIFs umwandeln. Und seit Kurzem lassen sich GIFs auch in Apples iMessage ohne zusätzliche App verschicken.

Das Giphy-Phänomen

Das Zappelbilder-Paradies – und die Hölle für Verächter – heißt giphy. Dort werden täglich rund drei Milliarden GIFs abgerufen und durch simples Einbetten des Codes im Netz geteilt – mit allem nur denkbaren Schabernack rund um US-Präsident Donald Trump als absolutem Favoriten. Aber auch Horst Seehofer hat seine Fans bei Giphy. Und der FC Bayern betreibt dort längst eine eigene Seite.

Die Firmengründer Alex Chung und Jace Cooke hatten die Idee für die GIF-Suchmaschine, auf der jeder seine eigenen Bilder hochladen kann, 2013 beim Frühstücken. „Wir fanden, dass GIFs unglaublich schwer zu finden und zu teilen sind. Und wir dachten, dagegen müssen wir etwas tun“, erinnert sich Cooke. Die beiden taten es, und sackten allein bei der letzten Finanzierungsrunde 2016 rund 55 Millionen Dollar für ihre Website ein.

Als sich Facebook 2015 endlich bereit erklärte, die GIFs von Giphy in seine Beiträge einzubetten, jubelte das Magazin Lifehacker: „Das ist die größte Errungenschaft in der Geschichte der Menschheit!“ Mittlerweile hat Giphy ein regelrechtes Zappel-Imperium erschaffen, mit Apps wie Giphy Sticker Embed für animierte Sticker oder mit Giphy World für die ersten AR-GIFs, die quasi frei durch den Raum schweben. Beste Alternative zu Giphy ist übrigens der Konkurrent Tenor.

Das sind die wichtigsten GIF-Apps

Von Giphy selbst kommt die gleichnamige App, die das Suchen und Teilen von GIFs auch auf Smartphones und Tablets bringt. Mit Giphy Cam lassen sich Videos in GIFs umwandeln. Generell kann zwar jedes Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop auch animierte Gifs erzeugen. Aber mit den spezialisierten Apps oder mit Browser-Tools wie dem Giphy Gif Maker funktioniert das viel schneller und einfacher.

App-Alternativen oder Ergänzungen zu Giphy sind unter anderem der Momento GIF Ersteller für iOS oder der Android GIF Maker. Mit GIF Keyboard für iOS und Android lassen sich GIFs direkt von der Smartphone-Tastatur aus finden und verschicken. Und GIF X für iOS ist zumindest laut Hersteller das beste Tool, um erstklassige GIF-Animationen zu erstellen. Die Apps sind alle gratis, es werden allenfalls ein paar Euro für In-App-Käufe fällig, die dann zusätzliche Funktionen bringen.

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Mit GIF Keyboard lassen sich GIFs per Smartphone-Tastatur finden und verschicken (Foto: Tenor)

Generell gilt: Wer im App Store für iOS oder im Google Play Store nach „GIF“ sucht, findet zahllose weitere Tools zum Finden und Teilen der Wackelbilder. Nicht schlecht für eine Antiquität aus dem Jahr 1987. Bloß mit der wohltuenden Ruhe der stummen GIFs geht es jetzt zu Ende. Denn die App TuneMoji ermöglicht erstmals das Teilen von GIFs mit Sound. Die süßen Kätzchen lernen also das Schnurren, Fauchen und Miauen. Ob das eine gute Nachricht ist?

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