Es braucht Menschen in Unternehmen, die sich darum kümmern, dass digitale Verantwortung für die Gesellschaft stets ebenso bedacht wird wie Innovationen, Forschung und Entwicklung (Foto: Fotolia)
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Corporate Digital Responsibility: Ein Plädoyer für digitale Verantwortung

"Mit großer Macht kommt große Verantwortung“. Dieses Mantra aus den Spiderman-Filmen gilt auch für die Digitalisierung. Nur weil Innovationen möglich sind, heißt es nicht, dass sie auch richtig im Sinne von angemessen sind. Harald Fortmann, Co-Gründer und Partner bei der Personalberatung five14, findet: Über allen Innovationen sollte ein größeres Ziel stehen - Mehrwert für den Menschen.​

Seit Jahren schon geistert die Frage durch die Medien: Wird künstliche Intelligenz, werden Roboter früher oder später unsere Jobs vernichten? Man muss kein Prophet sein, um diese Frage mit "Sehr wahrscheinlich ja" beantworten zu können. Die eigentlichen Fragen sind doch: Wie schnell vollzieht sich dieser Prozess? Und wie stellt man sicher, dass der Prozess auf der menschlichen Seite nicht zu viele Opfer mit sich bringt?

Vor gut 30 Jahren, als Greenpeace und die Grünen erstmals in der Breite für Furore sorgten, haben viele Unternehmen sich erstmals mit dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) oder Corporate Responsibility (CR) auseinandergesetzt. Der Gedanke dahinter: Viele Prozesse können günstiger und effizienter gestaltet werden, sind aber ökologisch kaum oder nicht nachhaltig. Als Unternehmen mit einem entsprechenden Marktanteil und einer Relevanz für die Gesellschaft könne es nicht nur um reine Profit-Maximierung gehen, auch die Verantwortung für die Gesellschaft müsse eine Rolle spielen.

Zu Beginn wurden CSR-Bevollmächtigte belächelt, mittlerweile zweifelt kaum noch jemand an der Sinnhaftigkeit solcher Initiativen. Nicht nur legen Arbeitnehmer großen Wert darauf, in Unternehmen zu arbeiten, die sich um den Planeten Erde kümmern, auch gibt es Studien, die den positiven ökonomischen Wert von CSR-Aktivitäten für das gesamte Unternehmen beleuchten.

Es geht nicht nur um Effizienz

Einige Dekaden später ist es an der Zeit, auch digital Verantwortung zu übernehmen. Gerade wenn Algorithmen und Roboter die Kontrolle über gewisse Prozesse übernehmen, darf es nicht um reine Optimierung und Maximierung der Effizienz gehen, auch der Faktor Mensch muss weiter eine Rolle spielen. Was heißt das?

Es braucht Menschen in Unternehmen, die sich darum kümmern, dass digitale Verantwortung für die Gesellschaft stets ebenso bedacht wird wie Innovationen, Forschung und Entwicklung. Am besten nicht als Gegengewicht sondern im Dialog, damit alle an einem Strang ziehen. Trotzdem agiert die oder der Bevollmächtigte im Bereich Corporate Digital Responsibility (CDR) im Spannungsverhältnis zwischen Innovationen fördern und Innovationen steuern.

Nur weil alles geht, heißt es nicht, dass alles hier und jetzt gehen muss. Es müssen Mittel und Wege aufgezeigt werden, die dem Unternehmen dienen und dazu führen, dass es wirtschaftlich arbeiten kann. Diese dürfen aber nicht an der Gesellschaft vorbei zu reiner Profitmaximierung führen.

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Unternehmen haben soziale Verantwortung

Konflikte sind unvermeidbar und müssen offen diskutiert werden. Damit Corporate Digital Responsibility ernst genommen wird, muss die oder der Bevollmächtigte frei von Zwängen analog zu einem Betriebsrat agieren dürfen - ohne Angst um die eigene Existenz im Unternehmen. Nur so kann die Zukunft gestaltet werden - zum Wohle des Unternehmens UND der Gesellschaft.

Unternehmen wie Microsoft sind in dem Kontext bereits sehr aktiv und leisten auch Aufklärungsarbeit. Der Siemens-Chef Joe Kaeser verdeutlichte unlängst, dass es nicht die Aufgabe des Staates alleine sein kann, die soziale Verantwortung für die Gesellschaft während der digitalen Transformation zu übernehmen, sondern dass Unternehmen vielmehr die Verantwortung für ihre Mitarbeiter haben, denn sie agieren - anders als der Staat – grenzüberschreitend. Wie auch die digitale Welt.

Über den Autor: Harald Fortmann ist Co-Gründer und Partner bei five14, der Personalberatung für das New Work-Zeitalter. Fortmann ist seit 20 Jahren einer der führenden Köpfe der Digitalbranche und war unter anderem Geschäftsführer von AOL und zuletzt D-Level.