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Werbung ist auf den Schildern auch möglich, dann rückt das Kennzeichen klein nach rechts oben (Foto: Reviver Auto)
Digitalisierung Mobilität Auto

Coole Nummer: Das digitale Autokennzeichen

Die Welt ist digital, das Anmelden eines neuen Autos nicht. Kalifornien beginnt nun mit der Digitalisierung der Nummernschilder. LEAD verrät, wie das Autokennzeichen von morgen funktioniert.

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Die Welt ist digital, das Anmelden eines neuen Autos könnte allerdings analoger gar nicht sein. Anstellen bei der Kfz-Zulassung, Formulare ausfüllen, bezahlen, Kennzeichen drucken lassen, wieder bezahlen, TÜV-Stempel drauf, anschrauben. Altmodischer, zeitraubender und komplizierter geht es kaum. Das wird sich ändern.

Die autonomen Elektroautos, die in fünf oder zehn Jahren durch unsere Städte fahren, tragen sicherlich keine dieser blechernen Steinzeit-Kennzeichen mehr. Denn auch beim Nummernschild hat die Zukunft bereits begonnen. Es wird digital, es wird schlau, und es beherrscht zahlreiche Tricks. LEAD verrät, wie das Autokennzeichen von morgen funktioniert.

Kalifornien rüstet als Erstes um

Reviver Auto heißt das Unternehmen aus San Francisco, das bei dieser Technik weltweit führend ist. Bis Jahresende sollen in Kalifornien und speziell in der Hauptstadt Sacramento bereits Tausende von Autos im Rahmen eines Feldversuchs mit den smarten Nummern unterwegs sein. Insgesamt erlaubt die Regierung von Kalifornien in einem ersten Schritt 175.000 solcher Zulassungen. Dabei wird zunächst nur das Schild am Heck von einem Mini-Computer mit einem E-Ink-Display ersetzt – dessen Technik mit E-Book-Readern wie dem Amazon Kindle vergleichbar ist.

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Die beiden entscheidenden Vorteile dieser Schwarzweiß-Bildschirme: Sie lassen sich selbst in gleißender Sonne noch brillant ablesen. Und sie verbrauchen nur dann Strom, wenn die Anzeige wechselt. Dadurch ist nur ein relativer kleiner eingebauter Akku erforderlich.

Die so genannte „RPlate Pro“ ist mit einer Mobilfunkverbindung und GPS-Ortung ausgestattet. Das ermöglicht Funktionen, wie sie mit konventionellen Kennzeichen gar nicht denkbar sind. Standardmäßig zeigt das System wie gewohnt das Autokennzeichen an, und ist von einem normalen Nummernschild kaum zu unterscheiden. Per App oder Funkkontakt kommt Leben in die hochgradig diebstahlsicheren Schilder.

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Wenn ein Auto als gestohlen gemeldet wurde, spielt die Polizei ein „Stolen“ auf das Nummernschild, als Signal für jede Streife. Allzu weit dürfte der Dieb dann nicht mehr kommen. Die RPlates können Parkscheine, Behindertenausweise, örtliche Verkehrshinweise und Unfallwarnungen für die Hinterherfahrenden anzeigen – oder auch Werbung. Wenn der Platz nicht reicht, wandert das eigentliche Kennzeichen in die rechte obere Ecke des Schildes, der Rest steht zur freien Verfügung.

Extrovertierte Besitzer können auch ihren Namen, ihr Gesicht, Grüße an die Umgebung oder das klassische „Jennifer an Bord“ einblenden. Dabei ist das Sicherheitslevel der Anzeige laut Hersteller Reviver Auto mit Online-Banking vergleichbar. Die digitalen Kennzeichen sollen künftig die An- und Ummeldung von Autos drastisch erleichtern, weil sich Nummer und Zulassungsdauer jederzeit ändern lassen.

  • 1 Nummernschild
    Die neuen digitalen Nummernschilder – mit einem Bildschirm wie beim E-Book-Reader Amazon Kindle (Foto: Reviver Auto)
  • 4 Gestohlen
    Auto gestohlen – das Nummernschild zeigt es per Funksignal der Polizei an (Foto: Reviver Auto)
  • 5 Werbung
    Werbung ist auf den Schildern auch möglich, dann rückt das Kennzeichen klein nach rechts oben (Foto: Reviver Auto)
  • 7 Parkschein
    Der Parkschein muss nicht mehr hinter die Scheibe (Foto: Reviver Auto)
  • 8 Fahndungsaufruf
    Fahndungsaufrufe (natürlich für ein anderes Auto) lassen sich so im gesamten Straßenverkehr verbreiten (Reviver Auto)
  • 9 Technik
    Ein kleiner Computer – die Technik des digitalen Nummernschilds (Reviver Auto)

Louis Stewart, der Innovations-Chef der Stadtverwaltung von Sacramento, will High-Tech-Firmen aus der Region damit eine perfekte Testumgebung liefern: „Wir sehen uns als eine Art Laboratorium. Und wir sagen den Firmen: Testet eure Erfindungen in Sacramento, dann könnt ihr sehen, wie gut euer Produkt oder euer Service funktionieren.“ Die Stadt erhofft sich vor allem Daten für die Verkehrsplanung und für den Einsatz autonomer Fahrzeuge: „Wenn wir genau sehen können, wo die Autos fahren und wie die Autos fahren, erleichtert uns das die Arbeit ungeheuer.“

Die Möglichkeit der lückenlosen Überwachung der Autos per GPS durch Behörden ist eine der kritischen Seiten der neuen Technik – relativiert sich aber angesichts der zahllosen Kameras in großen Städten, denen ohnehin kein Autofahrer mehr entkommen kann.

Weiterer Nachteil: Die Schilder sind derzeit noch sündhaft teuer. 699 Dollar (600 Euro) muss ein privater Autohalter pro Kennzeichen bezahlen, dazu kommt eine Monatsgebühr von sieben Dollar (sechs Euro). Deshalb sind derzeit eher Flottenbetreiber und städtische Fahrzeuge die Zielgruppe, und weniger private Nutzer. Künftig soll es drastisch günstiger werden – was angesichts der geringen Kosten von E-Ink-Displays und Funktechnik auch relativ schnell passieren könnte.

Kein Entkommen vor Knöllchen

In Dubai läuft ebenfalls bereits ein Test für digitale Autokennzeichen. Vom Emirat am Golf kommen gute und schlechte Nachrichten für Autofahrer. Die gute: Sobald das smarte Nummernschild einen Unfall registriert, ruft es selbständig die Polizei, und je nach Heftigkeit auch Rettungskräfte. Das kann im Notfall überaus wichtig sein. Die schlechte Nachricht: In den Daten des Kennzeichens ist auch die Kreditkartennummer des Autohalters registriert. Strafen für Verkehrsverstöße werden damit „live“ und in Echtzeit abgebucht.

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