Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Cebit 10 Cr Bjoern Eichstaedt
Ein Gruß von der (letzten) CEBIT (Foto: Björn Eichstädt)
Cebit Event Björn Eichstädt

CEBIT-Ende: Wenn die Avantgarde zur Nachhut wird

Die CEBIT war auf dem Weg, eine neue Messe zu werden - die Durststrecke dorthin hat man aber nicht mehr ausgehalten.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Gerade eben „flattert“ mir ein Newsletter der Messe Paperworld ins digitale Postfach. Nur einen Tag nach dem verkündeten Ende der CEBIT. Was für eine Ironie in Zeiten der Digitalisierung, in der wir doch schon alle das papierlose Büro hätten haben sollen. Denn trotz des richtigen Themas zur richtigen Zeit: die CEBIT hat es nicht geschafft.

Als ich 2001 als taufrischer Trainee bei Storymaker angefangen habe war meine erste Aktivität ein Besuch der CEBIT. Das Jahr war das Jahr der Rekorde – die New Economy war zwar gerade dabei zu explodieren, doch auf der CEBIT (damals noch CeBIT geschrieben) war die komplette Digitalbranche versammelt. 830.000 Besucher, Gedränge in den Gängen, die Amerikaner beherrschten die Messe. Und alles fühlte sich nach Aufbruch an, obwohl sich der „Neue Markt“ schon merklich abgekühlt hatte.

Sammelplatz für IT-Interessierte

Für einen jungen Technologie-PRler war die CEBIT eine umwerfende, neue, intensive Welt. Hier konnte man Journalisten aus Wirtschafts- und Technologiepresse treffen, endlich mal sehen, was die Kunden aus den USA alles anzubieten hatten, auch mal in den Consumerbereich schnuppern und sich in riesigen Hallen die damals noch als „Billiganbieter“ gebrandmarkten Unternehmen aus Fernost anschauen.

Anzeige

Dass meine erste CEBIT auch den Höhepunkt dieser Messe in Hannover darstellen würde. Denn ein halbes Jahr nach der CEBIT 2001 kam der 11. September – und mit ihm änderte sich viel. Nicht nur, dass im Jahr 2002 erstmal nicht mehr so viele amerikanische Unternehmen nach Hannover kamen.

Über die Jahre war ich fast jedes Jahr auf CEBIT. Um neue Unternehmen kennenzulernen, unsere IT-Kunden zu begleiten, Journalisten und Kollegen zu treffen. Im Kern blieb die Messe, was sie immer gewesen war: ein Sammelplatz für die IT-Interessierten, für diejenigen, die Neues sehen wollten. Doch der Rahmen veränderte sich stetig.

Mal war die CEBIT als reine B2B-Messe gebrandet, dann versuchte sie ab 2007 mit der aufkommenden Blogosphäre und der Social-Media-Welt warmzuwerden – Webciety und Co. waren angetreten, um das teils schon etwas Verstaubte der Messe aus den Angeln zu heben. Aber irgendwie fehlte der Rahmen. Oder er wurde immer unklarer.

Parallel dazu wurde die Branche globaler, auch Deutsche begannen zu Veranstaltungen im Ausland zu pilgern. Und das Internet sorgte dafür, dass auch zunehmend die Idee der „Virtuellen Messe“ eine immer größere Rolle spielte. Einfach nur neue Software anschauen – das reichte im Zeitalter von YouTube und omniverfügbaren Webpräsenzen einfach nicht mehr.

LEAD-Kolumnist Karsten Lohmeyer, der die Messe jahrelang begleitet hat und auch für die CEBIT arbeitete, erinnert sich an eine ruhmvolle Vergangenheit, die Gründe für den Niedergang und einen fast grandiosen Versuch für einen Neustart.

Aufbruchsjahre der digitalen Szene

Und trotzdem schaffte die CEBIT es immer wieder, mit neuem aufzuwarten. Und auch auf mich sehr inspirierend zu wirken. Ich erinnere mich noch gut, wie sich auf der Webciety-Bühne im Jahr 2009 spontan mein Projekt ZEE – Zaboura Eichstaedt Experience entwickelte – das im Jahr 2010 dann auf einmal auf einer großen Bühne des Sonderformats „CEBIT Sounds!“ stattfand – ein Rahmen für digitale Musik und Experimente.

Die Jahre 2008 bis 2011 waren Aufbruchsjahre der digitalen Szene – und hier taten sich im Rahmen der CEBIT Nischen und Möglichkeiten auf, die es zu dieser Zeit nirgendswo sonst in Deutschland gab. Blogger kamen zur CEBIT, Social-Media-Apostel gaben sich die Messe-Klinke in die Hand. Und doch kam das Ganze nie so richtig in Schwung. Der große Umschwung hin zum wirklich Digitalen Event wollte nicht so wirklich passieren. Die Avantgarde wurde zur Nachhut. Und das „neue Digitale“ erreichte die breite der Messe bis zum Schluss nicht so wirklich. Auch wenn sich im Grunde die richtigen Leute versammelten. Irgendwie blieb die CEBIT immer zu Deutsch und machte sich damit neben der wirklich deutschen Hannover Industriemesse gefühlt immer überflüssiger.

Für mich war die CEBIT trotzdem bis zum Schluss eine tolle Veranstaltung. Wer Interesse an der Branche hatte, der konnte hier immer vieles entdecken. Und der Aufbruch zum Umbruch im Jahr 2018 war dann auch ein großartiger. Klar, da stimmte Vieles noch nicht, aber man konnte durch die Ruinen der alten CeBIT hindurch die neue, die zukünftige CEBIT erahnen. Ja, das hätte Zeit gebraucht. Und ja, eine Durststrecke wäre es geworden. Im Grunde eine neue Messe – mit neuen Kunden und Ausstellern. Schade, dass man das am Ende nicht durchgehalten hat. Ich wäre auch 2019 zur CEBIT gekommen.

Björn Eichstädt ist Geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur Storymaker. Die Agentur fokussiert sich auf die Unterstützung von technologie-getriebenen Unternehmen im Bereich PR, Digitalkommunikation und Content-Entwicklung. Darüber hinaus ist Storymaker in Ostasien aktiv mit Schwerpunkten in China und Japan.

Anzeige
Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote