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Berit Müller bloggt seit Jahren mit "THE SHOPAZINE" über Mode, Lifestyle und Interior (Bildcredit: THE SHOPAZINE)
Blogger Fotografie Recht

Bloggerin vs. Zalando: "In meinem Glauben an Fairness tief erschüttert"

Ein Blogbeitrag mit dem Titel "Game Over – Wie Zalando mich in die Abmahnfalle geschickt hat" sorgt seit Tagen für Unglauben bis Entrüstung in den sozialen Medien. Die Vorwürfe von Bloggerin Berit Müller, die von einem Fotografen wegen unrechtmäßiger Veröffentlichung zweier Fotos abgemahnt wurde: Die Bilder wurden als PR-Bilder von Zalando versandt – ohne Hinweis auf eingeschränkte Nutzungsrechte.

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Berit Müller bloggt seit Jahren über Mode, Lifestyle und Interior – mit einer stabilen Reichweite und loyalen Nutzerschaft. Doch jetzt ist mit ihrem Blog "The Shopazine" Schluss – die Mode-Expertin und zweifache Mutter hat sich mit einem Beitrag verabschiedet, der gerade im Netz für Furore sorgt.

„Mir fehlen momentan Kraft, Motivation und die finanziellen Mittel, meinen Blog weiter zu betreiben. Ehrlich gesagt, ist mir auch die Lust an diesem Job und der Branche ziemlich vergangen“, schreibt Müller als letzten Satz des Beitrags "Game Over".

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Die Vorgeschichte zu Berit Müllers Beitrag geht bis ins Jahr 2013 zurück: Die Fashion-Bloggerin war im Verteiler vieler PR-Agenturen und Modeunternehmen und arbeitete unter anderem auch mit Pressemitteilungen – zum Beispiel von Zalando. Das Unternehmen ließ Müller im November des Jahres per Mail eine Ankündigung seiner neuen Kollektion "Eleonora Carisi" zukommen, mit der Bitte um Erwähnung.

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Im Anhang: Bilder der Kollektion – ohne Hinweis auf eingeschränkte Nutzungsrechte. Müller veröffentlichte die Bilder auf ihrem Blog, nicht ahnend, dass deren Lizensierung auf sechs Monate beschränkt war und zwei Monate nach Erscheinen der Kollektion ablaufen würde. 2018 nun wurde die Bloggerin von dem Fotografen abgemahnt, der Zalando die Bilder zur Verfügung gestellt hatte.

Müller wog sich in Sicherheit und fragte das Unternehmen um Rat. Im Blogbeitrag schreibt sie: "Ich habe sie nicht direkt komplett vom Server gelöscht, weil mir in einem kurzen Telefonat die damalige Zalando PR Kontaktperson versicherte, ich sollte mir keine weiteren Gedanken und Sorgen machen, die Sache würde geklärt. Was leider nicht passierte. Als Konsequenz dieser Entscheidung kam eine langwierige Geschichte ins Rollen mit dem Ergebnis einer Klage wegen Zuwiderhandlung gegen einen Unterlassungsvertrag gegen meine Firma und einer für Ende letzten Jahres anberaumten Gerichtsverhandlung.“

Nach einem Vergleich musste Müller einen vierstelligen Betrag zahlen.

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Was Zalando zu diesem Fall sagt

Eine Sprecherin von Zalando erklärte LEAD gegenüber, wie im Unternehmen üblicherweise bei Nutzungseinschränkungen vorgegangen wird: "Beim Versand von Pressematerialien fügen wir die Metadaten hinzu, sodass sich unsere Partner nicht proaktiv bei uns nach der Nutzungsdauer erkundigen müssen. In diesem speziellen Fall ist dies leider nicht erfolgt, dafür entschuldigen wir uns ausdrücklich. Wir möchten jedoch darauf aufmerksam machen, dass Medienvertreter grundsätzlich nicht davon ausgehen sollten, dass Bilder für einen unbegrenzten Zeitraum verwendet werden dürfen."

Welche Nutzungsdauer ist "branchenüblich"?

Ein Hinweis, mit dem Berit Müller so nicht einverstanden ist: Sie wünsche sich von Zalando "die Einsicht, dass es alles andere als branchenüblich ist, seine Inhalte nach einem halben Jahr aus dem Netz zu löschen", sagte die Bloggerin im Gespräch mit LEAD. Und: "Wenn ich direkt gewusst hätte, worum es geht, und wenn man mir nicht die Klärung der Sache zugesagt hätte, wäre ich wahrscheinlich ganz anders vorgegangen."

Wissentlich wälzten Firmen oder Agenturen das Risiko auf die Presse ab, schrieb Müller auch in ihrem Blogbeitrag: "Wir […] werden in solche Geschichten reingezogen, werden abgemahnt und müssen am Ende sogar sehr viel Geld bezahlen. Im Rahmen einer Geschäftsbeziehung von der die Firmen am meisten profitierten, werden von ihnen Abmahnungen der Blogs bewusst in Kauf genommen."

Zalando hingegen sieht den Verlauf der Geschichte anders: "Unseres Wissens hat sie einen Teil der beanstandeten Bilder nach Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung in 2018 - entgegen ihrer eigenen Zusicherung gegenüber dem Fotografen - nicht offline genommen und musste deshalb eine Vertragsstrafe an den Fotografen zahlen."

Aussage gegen Aussage

Das Unternehmen Zalando, das der Sprecherin zufolge "aus anderen Gründen vom selben Fotografen abgemahnt" wurde und sich in einer laufenden gerichtlichen Auseinandersetzung befindet, will in Zukunft Maßnahmen ergreifen, um Fällen wie diesen vorzubeugen – für sich und die Partner.

So habe man "nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Fotografen eingestellt, sondern auch unsere Prozesse optimiert, wie zum Beispiel Verträge zu Bildrechten überprüft und angepasst."

Berit Müller wird ihren Blog nicht weiter betreiben, zu tief steckt der Vertrauensverlust in die Branche: "Die Sache hat mich in meinen moralischen Grundfesten und im Glauben an Fairness tief erschüttert."

Immerhin, so sagt die Bloggerin LEAD gegenüber, habe sie viele ermutigende Reaktionen auf ihren Abschiedspost bekommen: "Nach einer wirklich dunklen und ziemlich nervenaufreibenden Zeit ist es toll, ausschließlich positive Reaktionen und tolle Worte zu bekommen."

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