Anzeige
Anzeige
Blockchain 912158954 I Stock Spainter Vfx
Blockchain soll sicherstellen, dass digitale Daten nicht unrechtmäßig geändert oder manipuliert werden können. (Foto: iStock Spainter)
Daten Blockchain Programmatic Advertising

Blockchain-Technologie im Online Advertising: Wo ergibt sie Sinn und was sind die Gefahren?

Blockchain soll sicherstellen, dass digitale Daten nicht unrechtmäßig geändert oder manipuliert werden können. Im Interview spricht Markus Breuer, COO beim Start-up Ubirch, über die Möglichkeiten und die Zukunft der Technologie.

Anzeige
Anzeige

LEAD: Für wie wichtig halten Sie die Blockchain-Technologie aktuell?

Markus Breuer: Die Blockchain-Technologie spielt immer dann eine Rolle, wenn es um Vertrauen geht. Gerade im Service-Umfeld und im industriellen Bereich basieren Geschäftsmodelle oft darauf, dass gemessene Daten einen konkreten Wert für das Unternehmen darstellen. Man muss den Daten zu 100 Prozent vertrauen können, weil sie die Grundlage darstellen für das Geld, das hinterher zwischen Vertragsparteien fließt oder für kostenintensive Entscheidungen.

Markus Looking Up Sq
Markus Breuer ist COO bei Ubirch, einem Start-up, das sich als Spezialist für Blockchain-basierte Technologie im Bereich Internet of Things positioniert. (Bild: Ubirch)

Im Compliance-Umfeld sind Unternehmen gesetzlich angehalten, gewisse Daten aufzuzeichnen und vorzuhalten, oft über zehn Jahre. Da bietet sich naturgemäß die Blockchain-Technologie an, um sicherzustellen, dass digitale Daten nicht mehr geändert werden können. Oder es wird zumindest der Aufwand für eine Manipulation so groß, dass sich das kriminelle Geschäftsmodell nicht mehr lohnt. Insofern kann sich die Blockchain als eine Art "Enabler" unterschiedlicher digitaler Geschäftsmodelle herausstellen.

LEAD: Welche Probleme kann die Blockchain im Bereich Online-Werbung lösen?

Breuer: Wenn Sie sich die Umfragen zu den aktuellen Herausforderungen im Online-Advertising anschauen, wird auf Platz eins meist die Dominanz des Duopols Google und Facebook genannt. Daran kann technologisch niemand etwas ändern. Gleich danach kommen dann schon Fraud und Diskrepanzen zwischen den Abrechnungssystemen im Programmatic-Bereich, wo eine relativ komplexe Ökonomie von Plattformen zusammenarbeitet und Daten austauscht.

Anzeige

Hier kann Fraud durch Herden von billig bezahlten Menschen passieren, aber auch durch Bot-Einsatz und am effizientesten durch Bot-Netze. Bei Fraud und Abrechnungsdiskrepanzen sind wir exakt beim Thema "Vertrauen" und damit bei Herausforderungen, die typischerweise mit Blockchain-Technologie gelöst werden können.

Das könnte dich auch interessieren: In Malaysia entsteht die Blockchain-Stadt Melaka Straits City

LEAD: Wie kann die Blockchain-Technologie Fraud verhindern?

Breuer: Indem man den Leuten zum Beispiel so genannte Token zur Verfügung stellt, die im Browser gespeichert und dann ausgegeben werden, wenn dieser Person ein Werbemittel präsentiert wird. Die Interaktion kann ich mit einem Minimum an Kosten versehen, das kann ein winziger Bruchteil eines Cents sein, der mit diesem Token verknüpft ist. Aber es rechnet sich dann nicht mehr so schnell, im großen Maßstab Fraud zu begehen.

Ein anderer potentieller Nutzen ergibt sich aus öffentlichen oder konsortionalen Blockchains. Allen Unternehmen innerhalb eines Konsortiums wird über die Blockchain ein gleichberechtigter Zugang zu solchen Blockchains zur Verfügung gestellt und der Datenaustausch ist sehr transparent. Wenn Sie also entsprechende Realzeitdaten in einer Blockchain ablegen, können alle Unternehmen in Real-time die aktuellen Zahlen sehen.

Lead 4 Cta Mock Up 1200X1200 V2 Cover
Modern Work - Jetzt und in Zukunft!

Fachkräfte haben heute die Wahl. Der Arbeitgeber muss daher einiges bieten. Das aktuelle LEAD Bookazine 2/2019 zeigt Cases für erfolgreiches Employer Branding und Möglichkeiten, jetzt noch Top-Talente zu recruiten. Außerdem im Heft: Mit einem Leadership-Programm die Führungskräfte von morgen selbst entwickeln!

LEAD: Welche Vorteile bietet die Blockchain-Technologie im Online Advertising noch?

Breuer: Bei den Nutzern geht es vor allem um das Thema Privacy, bei den Unternehmen, die ihr Geld in der Online-Werbung verdienen, um die Daten der Nutzer, die von der DSGVO geschützt werden. Mit der Blockchain-Technologie kann ich eine Ökonomie aufbauen, die – mit Einschränkungen – beiden Seiten gerecht wird. Über ein Token-basiertes Verfahren kann ich beispielsweise nachweisen, dass sich eine bestimmte Anzahl von Nutzern mit einem Werbemittel oder einer bestimmten Seite auseinandergesetzt hat. Der Werbetreibende bekommt die Interaktionsinformation, aber keine weiteren Daten über den Nutzer, dessen Privacy technisch perfekt gewährleistet bleibt.

LEAD: Ist der Brave Browser ein gutes Beispiel dafür, wie das funktioniert?

Breuer: Brave ist schon ein ziemlich radikaler und ambitionierter Ansatz, hinter dem der Gedanke steht, auch die Monetarisierung von Content auf eine neue Basis zu stellen.

Der Brave Browser ist ein Standard-Webbrowser mit integriertem Ad-Blocker. Das ist zunächst natürlich nicht schön für die Werbewirtschaft. User können aber freiwillig Ads zulassen. Warum sollte ein User das tun? Weil er für die Ads, die er präsentiert bekommt, so genannte Basic Attention Tokens bekommt, eine Art Crypto-Geld. Er kann sie sammeln und zu Geld machen. Oder, noch komfortabler: Er bezahlt damit kostenpflichtigen Content.

Zwischen dem Publisher und dem User sowie zwischen dem Advertiser und dem User besteht dabei anders als bei Cookies eine perfekte Barriere, durch die keine persönlichen Daten durchkommen. Deshalb wird der Fluss von Wert zwischen den drei Beteiligten genauso gewährleistet wie die Anonymität. Denn die Token lassen keinerlei Rückschlüsse auf vorherige Besitzer zu. Als holistischer Ansatz macht das Sinn und viele Beteiligte happy.

Das könnte dich auch interessieren: Blockchain im praktischen Einsatz

Teaserbild Neu
Minimal-Onliner oder Technik-Enthusiast?

Tinder ersetzt die Bar, Alexa die Sekretärin. Die digitale Welt ist mit der realen Welt längst eins geworden. Nur will die Realität nicht jeder wahrhaben. Wie souverän bewegst du dich im vernetzten Leben?

LEAD: In welchen Fällen ergibt es keinen Sinn?

Breuer: Immer dann, wenn Werbetreibende sehr spezifisches Targeting machen. Die müssen sich nach wie vor darum kümmern, dass sie die Einwilligungen der User bekommen, um an deren spezifische Informationen zu kommen. Beim Brave-Browser steht der Datenschutz im Vordergrund und genau das bremst datenbasiertes Targeting ja aus. Man muss aber nicht so radikal vorgehen.

LEAD: Sondern?

Breuer: Ein interessantes Projekt mit weniger radikalen Ansprüchen ist AdLedger: Eine Non-Profit-Organisation, in der Unternehmen wie IAB, GroupM, Neustar oder AppNexus vertreten sind. Da geht es darum, sich die Blockchain-Technologie speziell für den vertrauenswürdigen Datenaustausch zwischen den verschiedenen Playern im Programmatic-Universum anzuschauen.

Der eine Faktor ist: Sobald ich die Daten einmal in die Blockchain geschrieben habe, sind die ab diesem Zeitpunkt unveränderbar. Zugleich können in Real-time alle Beteiligten auf diese Daten zugreifen. Man kann also in Realzeit beobachten, wie eine Kampagne performed und sie auch wieder anpassen. Der dritte Vorteil wäre, dass der Algorithmus und die Regeln, auf die sich alle Parteien, zum Beispiel für die Zählung von Events in Cpx-Modellen, geeinigt haben, in einem Smart Contract abgelegt werden. Keine Partei kann für sich allein genommen das Verfahren ändern. Das gehört sicher mit zu den interessantesten Entwicklungen, die in dem Bereich gerade stattfinden.

Das könnte dich auch interessieren: Google auf Blockchain-Mission

LEAD: Ist die Technologie schon so weit, um Blockchain im großen Stil anzuwenden?

Breuer: Grundsätzlich ja. Blockchain-Technologie muss auch nicht teuer und langsam im Betrieb sein. Bei Ansätzen, wie sie AdLedger verfolgt, werden nämlich nicht die Plattformen verwendet, die einem bei Blockchain vielleicht einfallen, also Bitcoin, Ethereum und Konsorten.

Mit Hyperledger zum Beispiel kann ein Konsortium von Unternehmen eine Blockchain-Infrastruktur aufbauen, die von den klassischen Nachteilen, die die Blockchain in der Performance hat, nicht oder nicht so sehr betroffen sind. Da können Sie pro Sekunde einige Zehntausend bis einige Hunderttausend Transaktionen in einer Blockchain stattfinden lassen. Da ist die Performance da. Und sicher sind die Daten in einer Blockchain garantiert.

Ich würde deshalb sagen: Die technologische Grundlage ist schon verfügbar, aber noch nicht ready for Primetime. Ich gehe aber davon aus, dass das bis spätestens 2022 auch in der Werbewirtschaft an vielen Stellen Einzug nehmen wird.

LEAD: Welche Risiken sehen Sie im Hinblick auf die Blockchain-Technologie?

Breuer: Ich glaube, dass viele Menschen bei aller Begeisterung für die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie eines vergessen: Was in der Blockchain steht, ist nicht unbedingt wahr, sondern nur unveränderlich. Man muss also schon mit anderen Maßnahmen sicherstellen, dass das, was da hineingeschrieben wird, auch stimmt. In dem Fall ist alles gut. Ansonsten kann der Glaube an die Wahrheit Blockchain-gesicherter Daten schnell in die Irre führen.

Newsletter & Messenger

Mit dem LEAD Newsletter und dem LEAD Tech Newsletter immer top informiert zu allen Themen des digitalen Lebens. Egal ob beruflich oder privat. In deiner Inbox oder per Messenger.

Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote
Anzeige