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Blockchain könnte in Zukunft auch im Einzelhandel Einzug halten (Foto: GettyImages/andresr)
Blockchain LEAD 03/18 E-Commerce

Blockchain im praktischen Einsatz

Einer Umfrage zufolge weiß die Mehrheit der Normalverbraucher noch immer nicht, was Blockchain ist. Dabei bahnt sich die Technologie Schritt für Schritt ihren Weg in den Lebensalltag der Bevölkerung.

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Blockchain - was ist das? Die "b4p trends"-Studie der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GfK) untersuchte im August 2018, welche Technologie-Themen in der Bevölkerung angekommen sind, und zeigte: Die Mehrheit, nämlich 82 Prozent der Befragten, haben von Blockchain keine Ahnung – mehr noch: Ihnen ist ein Rätsel, wofür der Begriff steht. Dabei wird die Technologie langsam immer mehr in der Praxis angewandt und es gibt bereits erste direkte Kontakte zum Normalverbraucher.

Jeder spricht über Blockchain – aber keiner weiß, was es ist

Ohne eine Definition geht es also bald nicht mehr: Unter „Blockchain“ versteht man eine dezentrale Datenbank mit einer permanent wachsenden Liste an Transaktionsdatensätzen. Die Datenbank wird chronologisch erweitert, wie eine Kette, der am Ende ständig neue Elemente hinzugefügt werden (daher auch der Begriff "Blockchain" = "Blockkette").

Ist ein Block vollständig, wird der nächste erzeugt, dabei enthält jeder Block eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. Alle späteren Transaktionen bauen auf früheren Transaktionen auf und bestätigen diese als richtig. Eine inhaltliche Manipulation oder die Entfernung von früheren Transaktionen ist unmöglich, ohne gleichzeitig auch alle späteren Transaktionen zu zerstören.

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Was genau dokumentiert wird, ist dabei unerheblich, wobei Blockchain oft vor allem in Verbindung der Kryptowährung Bitcoin genannt wird: In deren Rahmen wurde das technische Modell als webbasiertes, dezentralisiertes, öffentliches Buchhaltungssystem aller Bitcoin-Transaktionen entwickelt, die jemals getätigt wurden.

Mehr zum Thema: Wie die Blockchain das Marketing verändern wird

Blockchain digitalisiert die Logistik

Der IT-Konzern IBMwar einer der Ersten, der daran arbeitete, den Nutzen von Blockchain für die Logistik zu erschließen. In Dubai war IBM schon 2017 Teil einer Blockchain-Initiative für Import- und Exportprozesse, durch die alle Beteiligten jederzeit Infos über Lieferstatus und Zustand der Waren einholen konnten.

Das ist besonders bei verderblichen Waren interessant, um beispielsweise Temperaturen während des Transports fortlaufend nachvollziehen zu können. Außerdem arbeitet IBM daran, mit Hilfe von Blockchain den administrativen Aufwand in der Logistik zu verringern, indem Fracht- und Lieferpapiere durch sogenannte smarte Verträge ersetzt werden.

Eines der Ergebnisse dieser Arbeit heißt „Tradelens“ und wurde im Sommer 2018 von IBM gemeinsam mit der Reederei Maersk auf den Weg gebracht. Die Informationsplattform für den globalen Handel basiert auf der Blockchain-Technologie und bündelt Versanddaten, Dokumente, Zollanmeldungen und Internet-of-Things-Daten.

Verlader, Reedereien, Spediteure, Hafenbetreiber sowie Binnenverkehrs- und Zollbehörden können in Echtzeit auf diese Informationen zugreifen und so effizient und vor allem sicher zusammenarbeiten. Außerdem sind IoT- und Sensordaten sinnvoll nutzbar, etwa zur Temperaturkontrolle oder beim Containergewicht.

Blockchain für mehr Lebensmittelsicherheit

Letzteres Beispiel macht deutlich, wie wichtig Blockchain auch im Lebensmittelhandel werden kann – oder muss. Die meisten Lieferketten, also der Weg des frischen Produkts vom Erzeuger in den Laden, hängen noch in manuellen Prozessen fest. Deshalb ist es schwer bis unmöglich, Auslöser für Probleme (wie beispielsweise eine Verunreinigung mit E.Coli) zu lokalisieren und auszumerzen.

Der US-Einzelhandelsgigant Walmart hat mit IBM über ein Jahr an einer Lösung für mehr Lebensmittelsicherheit gearbeitet und nutzt nun die für diesen Anwendungsfall entwickelteFood Trust Solution – und fordert dies auch von seinen Zulieferern: Statt alles in Exceltabellen auf Papier einzutragen, müssen ab spätestens September 2019 auch alle Walmart-Lieferanten von Obst und Gemüse ihre Prozesse in die Blockchain verlegen.

Das Ergebnis klingt verlockend: Bevor der Prozess zur Blockchain verschoben wurde, dauerte es laut Techcrunch durchschnittlich sieben Tage, um die Nahrungsquelle zu verfolgen. Dank Blockchain wurde dieser Zeitraum auf 2,2 Sekunden reduziert. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass infizierte Lebensmittel den Endverbraucher erreichen, erheblich.

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Die nächste große digitale Revolution

Die Blockchain-Technologie soll nach der Erfindung des Internets die nächste große digitale Revolution werden. Auber kaum jemand kann erklären, was die Blockchain eigentlich ist. Dabei wird sie viele Bereiche im Leben grundlegend verändern - nicht zuletzt das Marketing. LEAD klärt im aktuellen Bookazine auf.

E-Voting und digitale ID

In diversen Schweizer Kantonen wird bereits E-Voting getestet, aber die Stadt Zug ist die einzige, in der der Prozess der Abstimmung nicht über einen zentralen Server, sondern über eine Blockchain auf vielen Computern verteilt erfolgt.

Das E-Voting ergänzt die bereits eingeführte blockchainbasierte E-ID, über die einige hundert der 30.000 Einwohner Zugs verfügen. Eine Testabstimmung im Juli 2018 war Teil eines Pilotprojekts, mit der die Stadt sicherheitsrelevante Aspekte überprüfen wollte – zum Beispiel Persönlichkeitsschutz, Abstimmungsgeheimnis und Unveränderbarkeit der Abstimmung.

Das Voting ist jedoch nicht alles, was künftig per Blockchain abgewickelt werden können soll: Auch die Nutzung städtischer Fahrräder, ein digitalisiertes Park-Management oder das Ausleihen von Büchern ohne Bibliotheksausweis soll für Inhaber einer digitalen ID möglich sein. Zug machte übrigens schon 2016 von sich reden, als sie als erste Stadt weltweit Bitcoins als Zahlungsmittel für städtische Dienstleistungen akzeptierte.

Auch beim Handelsregisteramt des Kantons Zug ist seit November 2017 die Bezahlung mit Bitcoins möglich. Viel in Anspruch genommen wurden E-Voting und neue Zahlungsmöglichkeiten allerdings bislang nicht und auch ein finanzieller Gewinn mit der Kryptowährung ist nicht zu verbuchen, da die Stadt die Bitcoins automatisch in Schweizer Franken umtauscht.

Blockchain für Bankdaten und digitalen Ausweis

Beispiele für Blockchain-Nutzung mit direktem Kundenkontakt gibt es international erstaunlich viele. Die PKO Bank Polski hat im September 2018 eine Blockchain-Plattform implementiert, die fünf Millionen Kunden per Blockchain ausgestellte Dokumente zur Verfügung stellen will.

Das Projekt wurde im März nach fast einem Jahr Testphase angekündigt und soll nun auf fast die Hälfte der Kunden ausgeweitet werden, die sich für die neue Form des Informationstransfers entschieden haben.

Auch die Niederlande sind auf dem Weg, eine Blockchain-Nation zu werden: Die niederländische Regierung hat mehr als 25 Blockchain-Versuche initiiert; Banken, Energieunternehmen, Pensionsfonds und der Rotterdamer Hafen testen die Technologie.

Außerdem gab das niederländische Unternehmen für digitale Sicherheit Gemalto den Start einer Blockchain-Plattform bekannt, die den Nutzern ermöglichen soll, ihre Identität beim Zugang zu digitalen Dienstleistungen nachzuweisen, zum Beispiel bei Online-Banking, im Online-Handel und bei staatlichen Webseiten.

Das Netzwerk beinhaltet eine ID Wallet in Form einer mobilen Anwendung. Kunden können mithilfe dieser Wallet persönliche Daten zu ihrer digitalen ID hinzufügen und entscheiden, ob sie mit ausgewählten digitalen Dienstanbietern geteilt werden sollen.

Blockchain ist in der Umsetzung noch ganz am Anfang

Gerade kurz vor Start ist der landesweite Test des Führerschein-Digitalisierungsprogramms in Australien auf Blockchain-Basis. 140.000 Führerscheininhaber sollen sich ab November 2018 mit einer mobilen App ausweisen können, bevor die Digitalisierung 2019 offiziell eingeführt wird.

Aktuell arbeitet eine australische Bundesbehörde mit IBM zusammen, um eine nationale Blockchain zu entwickeln, mit der Unternehmen auf smarten Verträgen basierende Transaktionen durchführen können.

All diese Beispiele sind zukunftsweisend, machen aber auch klar: Blockchain ist in der Umsetzung noch ganz am Anfang und muss sich in der Praxis erst beweisen. Die Technologie wird vor allem zur Steigerung von Effizienz und zur Kosteneinsparung verwendet - von einer Blockchain-Verwaltung, in der die Teilnehmer etwa direkt und für alle sichtbar Transaktionen untereinander durchführen können, die im Nachhinein nicht verändert werden können, ist man noch weit entfernt.

Unternehmen werden umdenken müssen, denn durch Blockchain werden sie zur Kooperation mit anderen Unternehmen gezwungen werden – spätestens dann, wenn nicht mehr Tests, sondern tatsächliche Anwendungen laufen. Blockchain gibt die Chance, Business-Ökosysteme zu schaffen, in denen auch Konkurrenten zusammenarbeiten, um größtmöglichen Gewinn und Effizienz zu erzielen.

Das Schaffen eines solchen funktionierenden Ökosystems ist eine der größten Herausforderungen. Mehr Informationen über Blockchain und ihre Anwendbarkeit in der Praxis sind ein Anfang – damit bald eine Mehrheit eine Ahnung von der neuen Technologie hat.

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