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(Screenshot: Instagram/@catherinyyy)
Influencer Marketing Influencer Recht

Schleichwerbung: Cathy Hummels akzeptiert Abmahnung

Das Hoffnungssternchen der Influencer-Szene ist eingeknickt - vorerst: Cathy Hummels hat ihren Widerspruch im Verfahren gegen den Verband Sozialer Wettbewerb zurückgezogen. Schuld ist ein Kinderwagen.

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Fall Cathy Hummels vs. Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) gibt es Neuigkeiten: Auf Nachfrage beim Landgericht München I erfuhr LEAD, dass Cathy Hummels ihren Widerspruch gegen den VSW zurückgenommen hat. Schuld ist ein Kinderwagen.

Catherine Hummels hat 340.000 Follower auf Instagram, hier postet sie aus ihrem Leben als Celebrity, Mutter und Yogalehrerin. Immer wieder empfiehlt sie auch Produkte oder verrät, welche Kleidung sie trägt. Ohne Kennzeichnung. Ihre Werbeverträge mit Modefirmen und anderen Unternehmen, für deren Nennung sie eine Bezahlung erhält, kennzeichnet sie wie viele andere Influencer jedoch mit dem Hinweis „Bezahlte Partnerschaft mit“.

Das war dem Verband Sozialer Wettbewerb zu wenig. Wie in anderen Fällen bereits zuvor hatte dieser eine einstweilige Verfügung gegen sie erwirkt und zuvor eine Unterlassungserklärung für 15 Posts ohne Kennzeichnung gefordert. Cathy Hummels habe alles als Werbung – egal ob bezahlt oder nicht – auf ihrem Account zu kennzeichnen.

Beide Parteien hatten sich vor dem Münchner Landgericht I getroffen – denn Cathy Hummels legte Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung des VSW ein. Wenn es sein müsse, ziehe sie bis vor den Bundesgerichtshof, ließ sie von ihren Anwälten mitteilen. Auch bei Instagram meldete sie sich selbst zum Fall zu Wort: „Ich sehe es nicht ein, meine Authentizität zu verlieren, indem ich alles kennzeichnen muss, obwohl ich dafür keine Werbung mache, sondern lediglich euch, meinen Followern Impressionen vermitteln mag.“ Deswegen tagge sie seit geraumer Zeit gar keine Bilder mehr, da der Verband annehme, alles sei Werbung, was sie poste. „Recht auf freie Meinungsäußerung, dafür kämpfe ich.“

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Am Münchner Landgericht I sprach sich vergangene Woche Richterin Monika Rhein für die Influencerin aus. Diese sagte, sofern Hummels von den betreffenden Firmen keine Bezahlung oder sonstige Gegenleistung für die Nennung der Produkte erhalte, sei diese Art des Verlinkens von Produkten zulässig. „Auch wenn wir das Influencer-Wesen für völlig überflüssig halten, heißt das noch lange nicht, dass das gesetzlich verboten sei“, so die Richterin.

Der Verband hatte Cathy Hummels wegen 15 Postings in Anspruch genommen, bei denen ein Hinweis auf Werbung fehlte. Tatsächlich hatte sie für die beanstandeten Beiträge keine Gegenleistung erhalten – bis auf eine Ausnahme: ein Kinderwagen für Söhnchen Ludwig, den der Hersteller ihr kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

Und das war das Problem: Die Abmahnung für die fehlende Kennzeichnung bezüglich des Kinderwagens war laut Richterin Rhein rechtens. Auch die Anwälte von Cathy Hummels räumten ein, hierfür eine Abmahnung zu akzeptieren. Das wurde Cathy Hummels nun wohl zu heikel. „Ein einziger Verstoß reicht aus, um den Unterlassungsanspruch zu begründen“, so Rechtsanwalt Christian von Strobl-Albeg von der Kanzlei Löffler-Wenzel-Sedelmeier in Stuttgart.

Das große Warten auf ein Grundsatzurteil

Die Folge: Bevor das Gericht über den Widerspruch von Cathy Hummels entscheiden konnte, wurde dieser zurückgenommen. Das Verfahren der einstweiligen Verfügung ist somit erledigt. „Ob eine Kennzeichnungspflicht auch in Fällen besteht, in denen der Influencer keinerlei Gegenleistung von dem namentlich genannten und verlinkten Unternehmen erhalten hat, wurde in der Verhandlung diskutiert, aber nicht entschieden“, hieß es nun vom Landgericht.

Eine Entscheidung hierzu könnte ein Hauptsacheverfahren bringen. Beide Parteien hatten sich eine Klärung im Hauptsacheverfahren nach der mündlichen Verhandlung ausdrücklich vorbehalten. „Das Hauptsacheverfahren bietet den Vorteil, dass mangels Dringlichkeit nicht nur oberflächlich über den Fall entschieden wird und den Parteien der gesamte Instanzenzug zur Verfügung steht: Berufung zum Oberlandesgericht und Revision zum Bundesgerichtshof. Im Widerspruchsverfahren ist nach der Berufung beim Oberlandesgericht Schluss“, so Rechtsanwalt Christian von Strobl-Albeg.

Das Landgericht I teilte auf Anfrage mit, dass dort bisher noch kein Hauptsacheverfahren vorliegt.

Somit steht ein Grundsatzurteil in Sachen Influencer-Marketing immer noch aus. Bis es hier eine grundsätzliche Rechtsprechung gibt, rollt die Abmahnwelle also weiter.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der VSW anstatt Cathy Hummels habe seinen Antrag im Verfahren zurückgezogen. Das ist falsch. Der Text wurde korrigiert. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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