Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Andrea Buzzi Agentur Frau Wenk
LEAD-Kolumnistin Andrea Buzzi
New Work Kolumne leadfaces

Bali #nofilter

Auch im Paradies ist nicht alles Gold, was glänzt. LEAD-Kolumnistin Andrea Buzzi über die Schattenseiten ihres Lebens als digitalen Nomadin.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Heute ist Tag 49 von 88 meines Bali-Experimentes als digitale Nomadin und Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Wer meine Kolumne hier verfolgt und meinen Fotostream auf Instagram anschaut, sieht vor allem die paradiesische Seite meines augenblicklichen Lebens. Ein Spiegel dessen, was man tausendfach in den sozialen Medien abrufen kann. Es gibt aber auch eine nicht so schöne Seite, über die ich heute auch mal schreiben möchte. #Nofilter quasi.

Ich bin mit vielen Erwartungen und tausend Plänen nach Bali gereist. Jeden Tag eine Yogasession, meditieren unter Palmen, digitale Nomaden aus der ganzen Welt treffen, sich mit ihnen austauschen und vielleicht selbst eine geniale Idee haben … Der Strauß an Vorstellungen an das Paradies war bunt und das Paket an Wünschen nach zehn Jahren Agenturstress groß. Was ist nach sechs Wochen geblieben? Die Erfahrung, dass das Schicksal den Takt vorgibt. Und, dass die Erkenntnis daraus auch sein Gutes haben kann.

Freizeit gegen Komfort

Zu den härtesten Prüfungen, die Bali für mich bereithielt, gehörten sicherlich meine gesundheitlichen Probleme, die ich so nicht erwartet hatte. Inzwischen weiß ich aus schmerzlicher Erfahrung: Jeder, der länger als eine normale Urlaubszeit in eine fremde Welt reist, wird mit Krankheiten zu kämpfen haben. Das liegt schon allein an den hygienischen Bedingungen, denen man hier zwangsläufig ausgesetzt ist. Als ehemalige Krankenschwester war ich zwar mit einer umfangreichen Hausapotheke nach Bali gereist. Bis an die Zähne bewaffnet, sozusagen. Die ist jetzt halb leer, das Schlimmste konnte sie jedoch nicht verhindern. Ich wurde schwer krank und musste zwei Wochen lang das Bett hüten. Im Wartezimmer der Ärztin, die ich erst nach zehn Tagen aufsuchen konnte, leisteten mir Europäer aus der ganzen Welt mit wachsbleichen Gesichtern Gesellschaft.  

Anzeige
Sonnenuntergang Klein
Sonnenuntergang auf Bali (Bild: Andrea Buzzi)

Ich hätte auch niemals gedacht, dass ich nach einigen Wochen mit den deutlich einfacheren Lebensbedingungen hadern würde, die das digitale Nomadentum mit sich bringt. Denn der Deal lautet meist: Freizeit gegen Geld und ein Leben an Orten, die nicht viel kosten. Heute weiß ich, dass sich digitale Nomaden, ebenso wie Expats schon immer, in einer eigens für sie geschaffenen Zwischenwelt bewegen müssen, um sich wohl zu fühlen. Ein bisschen Bali also, aber nicht in Sachen Unterkunft und Essen. Tipps für gute und vor allem hygienische Restaurants gehören inzwischen zu meiner Standardfrage, wenn ich andere Nomaden treffe. Hier in Canggu sind das die nach westlichen Standards geführten Cafés und ein paar ausgewählte Warungs (indonesisch für "Verkaufsstand"), wo das Essen "sicher ist". Und auch bei der Unterkunft für mehrere Wochen sollte man auf Basis-Standards achten, wie etwa eine funktionierende Klimaanlage, eine gute Belüftung sowie eine systematische Ungeziefer- und Moskito-Bekämpfung.    

Was mich ebenso überrascht hat: Das Nomadenleben kann auch verdammt einsam sein. Denn Beziehungen, die in den Co-Working-Places oder zahlreichen Cafés geknüpft werden, sind locker und kurz. Wenn überhaupt. Meist sitzt dann doch jeder für sich mit seinen Kopfhörern vor dem Laptop und hat virtuellen Kontakt mit seinen Kunden oder Angehörigen in der Heimat. Es ist also fast wie im Büro zu Hause, nur das zum Feierabend keiner auf einen wartet.    

Menschen brauchen doch eine Heimat

Vor meinem Experiment hätte ich Bruno Haid, dem Gründer des Co-Living-Unternehmens ROAM, aus vollem Herzen zugestimmt. Er wirbt damit, dass in Zeiten der Digitalisierung Städte und Länder nicht mehr und nicht weniger sind als Hintergründe auf einem Laptop-Bildschirm, die von den Menschen nach Belieben getauscht werden können. Heute und hier weiß ich, dass Menschen verwurzelt sind und eine Heimat brauchen. Eine soziale Struktur, die uns einbettet und Sicherheit gibt. Die einen brauchen das mehr, die anderen weniger. Ich persönlich benötige viel davon.   

Warum ich trotzdem bleibe? Weil es ja Gott sei Dank noch die andere, wunderschöne Seite von Bali gibt. Und weil das Leben hier mich jetzt soweit ausgebremst hat, dass ich entspannt und ohne überzogene Erwartungen alles andere auf mich zukommen lassen kann. Ich erwarte nichts. Keine Om-Effekte, keine neue Business-Idee und kein neues Leben. Einfach nur sein und schauen und zuhören. Wie heute auf der Engage-Konferenz in Nusa Dua, wo sich 300 Social-Media-Manager aus APAC auf Einladung von Socialbakers treffen. Aber darüber mehr in meiner nächsten Kolumne.

Anzeige
Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote