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Besucher Im Mucah
Besucher im MUCA (Foto: Tim Bengel)
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Ausnahmekünstler Tim Bengel: „Do it differently“

Tim Bengel ist der Shooting-Star des Kunstmarktes. Den Durchbruch schaffte der 26-Jährige aus Esslingen nicht etwa zuerst in der etablierten Kunstwelt, sondern auf YouTube und Instagram.

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Die Videos des Künstlers, in denen er seine Sand-Bilder enthüllt, werden millionenfach geteilt. LEAD hat mit Tim Bengel über seine besondere Technik und die Bedeutung der sozialen Netzwerke gesprochen.

LEAD: Weißer Sand, schwarzer Sand, Blattgold - wie bist du auf die Idee gekommen, mit solchen Utensilien zu arbeiten? Warum nicht einfach einen Pinsel in die Hand nehmen?

Tim Bengel: Weil das eben alle machen. Gerade in der Kunst sollte man doch versuchen, neue Wege zu gehen und nicht auf alten Pfaden trampeln. „Do it differently“ ist mein Motto, welches mich zum Schaffen meiner Werke aus Gold und Sand getrieben hat.

New York Inspiration Iii Detail
New York Inspiration (Foto: Tim Bengel)

Wie muss man sich die Entstehung deiner Bilder vorstellen? Wie gehst du vor und wie lange dauert es in der Regel, bis ein Bild fertig ist?

Bengel: Es ist ein sehr zeitaufwändiger und filigraner Prozess bis ein Werk vollendet ist. Alles beginnt mit einer mit Klebstoff bestrichenen Aluminium-Platte. In mehreren Wochen Handarbeit werden dann Gold und Sand aufgetragen, bis das fertige Werk enthüllt werden kann.

Welches Motiv hat dir bislang am meisten abverlangt?

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Bengel: Je mehr Details desto aufwändiger. Da kann auch eine kleine Leinwand viel Arbeit in Anspruch nehmen, wenn das Motiv dementsprechend detailliert ist. Wahrscheinlich hält mein Werk „Monte Carlo, 2018“ den Rekord an kleinen Details und dementsprechend auch an investierten Arbeitsstunden.

Fotografie spielt eine große Rolle bei deinen Bildern. Früher haben dir frei zugängliche Fotos aus dem Internet als Vorlage gedient, heute verwendest du deine eigenen. Wieso der Sinneswandel?

Bengel: Meine eigenen Fotografien zu verwenden, gibt mir natürlich noch mehr Freiheit in der Gestaltung der Werke. Früher war es für mich finanziell einfach nicht möglich, um die Welt zu jetten und inspirierende Motive zu sammeln. Da musste Google herhalten. Heute habe ich diesen Luxus und damit noch mehr Freiraum in meiner Kunst.

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Entuellung Mit Manuel Neuer
Enthüllung mit Manuel Neuer (Foto: Tim Bengel)

Welche Kamera und welche Tools verwendest du?

Bengel: Die Kamera ist gar nicht so entscheidend, da die Fotos ja nur als Vorlage dienen. Das fertige Kunstwerk besteht aus Gold, Sand und Klebstoff. Manche vermuten, die Fotografie liege darunter, aber so ist es nicht. Dennoch arbeite ich gerne mit Mittelformat-Kameras, damit ich möglichst viele Details in meine Werke einarbeiten kann.

Welche Rolle spielt Bildbearbeitung für dich und hast du konkrete Tipps dazu?

Bengel: Meine Herausforderung liegt darin, die Ausstrahlung meiner Werke in Foto und Video-Form zu transportieren. Natürlich wird man nie an die leibhaftige Magie eines Werkes herankommen, wie wenn man persönlich vor einem Werk steht. Allerdings versuche ich mit verschiedenen Makro-Objektiven und Programmen wie Lightroom und VSCO, dem Online-Zuschauer ein gewisses Gefühl für meine Werke zu geben.

Auf Instagram tummeln sich Millionen von Künstlern. Auch du hast mit dem Video „Monuments“ einen viralen Hit auf Facebook gelandet. Was bedeuten die sozialen Plattformen (geschäftlich) für dich?

Bengel: Tatsächlich sind es mit allen Reposts über 400 Millionen Aufrufe. Das ist natürlich eine unvorstellbare Zahl an Menschen, die meine Werke nun gesehen haben. Das hat meinen schnellen Erfolg erst möglich gemacht. In drei Jahren aus dem Studentenzimmer zur Solo-Show in New York: Das ist die Power des Internets. Dennoch bin ich ein Fan davon, nicht alles in die digitale Welt zu verlagern. Am Ende kann nichts einen analogen Besuch in der Galerie oder im Museum ersetzen.

Auch der New Yorker Galerist Philippe Hoerle-Guggenheim ist im Netz auf dich aufmerksam geworden. Wie hat er Kontakt zu dir aufgenommen und was hast du gedacht, als er sich bei dir gemeldet hat?

Bengel: Zu diesem Zeitpunkt sind knapp 600 Mails bei mir eingegangen. Alle wollten kaufen, kooperieren und meine Werke ausstellen. Ich konnte gar nicht alle Mails lesen, aber der Name Guggenheim ist mir zum Glück ausgefallen. Erst dachte ich, es wäre ein Newsletter des Guggenheim Museums. Tatsächlich war es aber der Galerist Philippe Hoerle-Guggenheim, welcher mich zu einer Solo Show in seine Galerie in Chelsea eingeladen hat. Das war wie ein Wechseln aus der Regionalliga in die Champions League.

Heute arbeitest du mit ihm zusammen. Was wird die Zukunft bringen?

Bengel: Letzte Jahr habe ich auf dieselbe Frage zum Spaß geantwortet: „Vielleicht habe ich nächstes Jahr ja eine Ausstellung auf Hawaii und arbeite mit Vulkansand.“ Tatsächlich hatte ich genau ein Jahr später ein Kunstprojekt im Himalaya und habe ein Kunstwerk aus gemahlenem Mount Everest-Gestein kreiert. Das ist ja viel abgefahrener als Hawaii! Wir leben in den schnellsten Zeiten die es je gab. Ich kann weder sagen, wo ich in zehn Jahren, noch wo ich in einem Jahr stehe. Es ist wichtig, flexibel zu sein, um zukünftige Chancen wahrnehmen zu können. Wir sollten mit offenen Augen und mit offenem Herzen durch die Welt gehen und die Zukunft wird wunderbar.

Deine neueste Vernissage heißt „Urban Inspiration“. Wie lautet die Botschaft dahinter?

Bengel: Kunst ist in meinen Augen so frei, dass sie nicht gezwungen werden kann, eine Botschaft zu haben. Man sollte Kunst nicht verzwecken, um damit irgendwelche politischen oder religiösen Meinungen zu verteilen. Meine Werke geben dem Betrachter in erster Line die Freiheit, sich mit keiner ideologischen Botschaft beschäftigen zu müssen. Die Kunst steht einfach für sich und wird in jedem Menschen andere Gefühle wecken. Das ist Freiheit.

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Special: Creativity

Für Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi ist "eine kreative Errungenschaft (...) so gut wie nie das Ergebnis einer schlagartigen Erkenntnis, eines plötzlich aufflackernden Lichts in der Dunkelheit, sondern das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit." Wir versuchen in diesem Special herauszufinden, was Kreativität heute in der Werbung bedeutet.

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