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Apple App Store
(Foto: Apple)
Apple Michael Gronau Apps

Apples Streich-Konzert

Apple streicht Websites und Blogs die Affiliate-Einnahmen für die Vermittlung von Downloads für iOS- und macOS-Apps. Das spart Abertausende Dollar Provisionen. Gleichzeitig führt das Unternehmen in Deutschland Werbebanner im App Store ein. Das treibt Apples Umsatz weiter hoch, sorgt in der Branche aber auch für Probleme.

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Es war kein guter Morgen für Betreiber von Websites und Blogs. In der Mailbox fand sich Post von Apple. Über Nacht gesendet, nüchtern formuliert – aber mit großer Sprengkraft für Teilnehmer am Affiliate-Programm des Konzerns. In der Mail kündigt Apple in nur wenigen Sätzen an, dass das Affiliate-Programm für den iOS- und den macOS-App-Store zum 30. September endet. Die Provisionen werden gestrichen!

Apples „Streich-Konzert“ trifft einen Teil der Technik-Branche hart

Teilnehmer an diesem Programm – also Apple- und Technik-affine Websites und Blogs – erhielten über Jahre teils hohe Provisionen aus Cupertino, wenn sie App-Links mittels des Apple-Affiliate-Programms verbreiteten, die zum Download einer App führten. So finanzierten diverse Seiten über Jahre hinweg mit den Einnahmen aus App-Empfehlungen ihre redaktionelle Arbeit. Anfangs gewährte Apple sieben Prozent Provision beim Kauf einer App. Bereits vor rund einem Jahr wurde die Höhe der Provision auf 2,5 Prozent runtergefahren. Zuvor stand auch schon das komplette Aus für App-Affiliate-Provisonen im Raum, es wurde aber nicht umgesetzt.

Das hätte eigentlich ein Warnsignal für jene Websites sein sollen, die ihr Geschäftsmodell allein auf die App-Store-Einnahmen aufgebaut hatten. Doch außer einem kurzen Aufstöhnen in den Blogs passierte – nichts! Business as usual, auch wenn die monatlichen Einnahmen von eben jenen sieben auf nur noch 2,5 Prozent gesunken waren.

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Ein Trugschluss, dass der Konzern nur die Gewinnspanne anpassen wollte. Es war die Vorstufe zum völligen Aus der Zahlung von Provisionen für iOS- und macOS-App-Downloads, die Apple nun in der Mail der gestrigen Nacht verkündete und zum 30. September umsetzt. Ein Schritt, der dem Konzern in Zukunft erspart, Abertausende Provisionen in Dollar, Euro und anderen Landeswährungen weltweit auszuschütten. Das befeuert den eigenen Umsatz bzw. Gewinn.

Apple beißt die Hand, die es fütterte

Verwundert aber durchaus insofern, dass Apple gerade den zehnten Geburtstag des App Stores mit Rekordzahlen gefeiert hat. Rekorde, die ohne kreative Entwickler und auch die diversen Websites und Blogs, die sich App-Themen zu eigen gemacht und den Store immer wieder ins Rampenlicht gerückt haben, wohl nicht möglich gewesen wären.

So bedroht die Entscheidung aus Cupertino jetzt die Existenz von nur auf Apps spezialisierten bekannten Blogs und Websites, auch wenn Apple weiterhin Provisionen für die Verbreitung von eBook-Links zum hauseigenen Bookstore, Film- und Serien-Links bzw. Apple-Music-Linkempfehlungen zahlt. Letztere wurden sogar erhöht.

Das renommierte Spiele-Portal TouchArcade, seit 2008 am Start und bekannt für ausführliche und somit aufwändige Spiele-Rezensionen von iOS- und Mac-Apps, warf schon nach wenigen Minuten quasi das Handtuch, denn auch TouchArcade hängt am Tropf der App-Store-Provisionen, die Apple bisher zahlte. Eigentümer Eli Hodapp postete schon kurz nach dem Eintreffen der Mail von Apple einen eigenen Artikel auf der Website. Er habe „keine Ahnung, was wir jetzt machen (…) Ich dachte wirklich nicht, dass Apple uns letztendlich umbringen wird.“

Ein massiver Vorwurf. Allerdings: Ein solch einseitiges Business-Modell, wie etwa von Hodapp und TouchArcade, allein auf eine Finanzierung durch App-Store-Provisionen zu setzen, barg andererseits auch immer die Gefahr, von Apples Provisionen-Goodwill abhängig zu sein. Ein riskantes Geschäftsmodell, das aber jahrelang gut ging - und nun zu scheitern droht, weil andere Finanzierungsoptionen nicht vorhanden sind bzw. den Machern kreative Ideen für alternative Finanzierungen bisweilen zu fehlen scheinen. Eine Alternative wären zwei App-Versionen: eine mit viel (mehr) Werbebannern, eine mit einem monatlichen/jährlichen Abo-Modell komplett ohne Werbung.

Beschluss trifft schwarze Schafe, aber auch ehrenwerte Technikblogs

Apple selbst begründet die Abkehr üppiger Provisionszahlungen einerseits gegenüber Website-Betreibern in der Mail damit, dass mit der „Einführung der neuen App Stores auf iOS und macOS und deren erweiterten Methoden zur App-Auffindung“ keine Notwendigkeit mehr bestehe, Affiliate-Provisionen zu bezahlen. Mit iOS 11 hatte Apple den iOS App Store generalüberholt. Eine Redaktion kuratiert nun tägliche eigene Beiträge und rückt App-Sammlungen in den Fokus.

Andererseits dürfte es für das Ende der Affiliate-Provisionen noch andere, durchaus gewichtige Gründe geben: Apple will sogenannte Link-Farmen wie AppShopper.com in die Knie zwingen, die mit Affiliate-Links über Jahre sehr viel Geld einspielten und letztlich nur einen Gegen-App-Store mit seitenweise App-Preisänderungen boten, ohne redaktionell einen Mehrwert in Form von News und Hintergrundberichterstattung oder echten Tests zu bieten.

Auch im Visier von Apple: Gratis-Spiele, die „Credits“ gegen einen Referral-Download von anderen Apps aus dem App Store boten. Und Anbieter von Seiten, die einfach möglichst viele Apps empfahlen, um möglichst viele Provisionen zu kassieren, unabhängig von der Qualität der besprochenen Anwendungen.

Beim Großreinemachen trifft es also in jedem Fall einige schwarze Schafe, allerdings auch ehrenwerte und unabhängige Technikblogs.

Guter redaktioneller Content leidet, sponsored Posts profitieren

Hätte es einen Kompromiss geben können? Apple hätte beispielsweise die Höhe der möglichen Provisionen begrenzen können. Auch eine Prüfung, woher dubiose App-Download-Klicks kommen, hätte dazu führen können, anrüchige Affiliate-Partner aus dem Programm zu entfernen.

Apple hat sich für einen anderen Weg entschieden. Für finanziell schlecht betuchte, aber kreative Entwickler könnte das auch zum Problem werden, nicht nur für Website-Betreiber. Denn nicht jeder kann es sich leisten, im App Store ein Werbebanner zu schalten. Oftmals half eine Pressemitteilung über eine schöne neue App-Idee an diverse Blogs, die das Projekt dann vorstellten und die Downloads antrieben. Warum aber sollten gewinnorientierte Blogger jetzt noch aufwändige Tests von Apps machen, bei denen sie keinen Cent an Provision sehen?

So könnte einerseits das redaktionelle Angebot an unabhängigen Websites in Zukunft im App-Bereich stark eingeschränkt sein, andererseits könnten sogenannte Sponsored Posts boomen, wenn finanzschwache App-Entwickler lieber für eine freundliche Berichterstattung kleines Geld an einen Blog-Betreiber zahlen, als im App Store ein deutlich teureres Werbebanner im App Store zu buchen.

Werbebanner im deutschen App Store verwirren User

Alles hängt an diesem Tag mit allem zusammen. Kann Apple mehr Entwickler zum Kauf von App-Bannern bewegen, steigen auch hier die Einnahmen, nicht die Ausgaben (für Provisionen). Seit 1. August werden diese Werbebanner auch im deutschen App Store angezeigt, wenn ein Nutzer die Suche bemüht.

Ein Beispiel: Der User möchte die App von Spotify finden. Gibt er den Begriff „Spotify“ in die Suche ein, erscheint im großen oberen Teil des Ergebnisfeldes heute die App TuneIn Radio, die für diesen Premium-Platz bezahlt hat, weil sich die Betreiber mit dem Tag Spotify das Banner gekauft haben.

  • Suche Spotify Ergibt Oben Tune In Radio
    Wer nach "Spotify" sucht, bekommt erstmal eine Anzeige ausgespielt (Screenshot: App Store)
  • Suche Nach Radio De Zeigt Radio Fm
    Leicht zu verwechseln: die eindeutige Suche nach der App "radio.de" liefert die App erst als zweites Ergebnis - nach der Anzeige (Screenshot: App Store)

Der App-Store-User muss durchaus genau hinschauen, um zu erkennen, dass es sich um Werbung handelt. Die TuneIn-Werbung sieht auf den ersten Blick genauso aus wie der zweite Suchtreffer darunter, aka Spotify. Unterschied: Apple unterlegt die Werbebanner mit einem sehr zarten Hellblau. Und kennzeichnet die Anzeige mit dem kleinen Tag „AD“. AD steht dabei für Advertisement, deutsch: Anzeige.

Den Premium-Werbeplatz dürften sich vor allem größere Entwicklerschmieden, die von ihren Business Angels mit Finanzspritzen ausgestattet wurden, gönnen. Der kleine Entwickler, der nur ein Mini-Promotion-Budget hat, wird seine Euros mehrfach umdrehen, bevor er ein solches Banner ordert.

Auf die Bloggerszene kann er sich nun weniger verlassen. Viele Blogger dürften sich jetzt inhaltlich anders orientieren und mehr Affiliate-Links bei großen Techfirmen wie Saturn, MediaMarkt, Gravis, Cyberport und Co. setzen. Bei Netzwerken wie AWin, Zanox und Affililnet winken weiterhin gute Provisionen. Nur nicht mit Apps, eher mit Zubehör für den großen Apple-Kosmos.

Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist Gründer und Eigentümer der Apple-News-App iTopnews.

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