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Spotify und Apple liegen im Clinch (Foto: sgcreative on Unsplash)
Streaming Apple Spotify

Apple vs. Spotify: Screaming im Streaming

Das gibt Beef: Spotify und Apple liegen im Clinch. Zunächst reichte Spotify Beschwerde gegen Apple bei der EU-Kommission ein. Jetzt schlägt der Konzern aus Cupertino zurück. LEAD erklärt die Hintergründe.

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Von kleinen Misstönen einmal abgesehen, galt die Beziehung zwischen Spotify und Apple über Jahre zwar nicht als Liebes-Hochzeit, aber als Vernunftehe. Spotify, bereits 2006 gegründet, profitierte vor allem von der Einführung des App Stores (2008), brachte seinen Streamingdienst dadurch auf Millionen iPhones und iPads – und wurde immer populärer. 96 Millionen zahlende Abonnenten zählte der Musikstreamingdienst weltweit bis Ende 2018. Die Zahl der aktiven Nutzer lag zum Jahresende sogar bei 207 Millionen. Somit setzen allein 111 Millionen User auf die werbefinanzierte Gratis-Version der Spotify-App.

Apple verfolgte im Musikbusiness zunächst eine andere Strategie: User sollten über den iTunes Store Musik digital kaufen, nicht streamen.

Spotify machte Streaming salonfähig

Ein Geschäftsmodell, das über Jahre wunderbar funktionierte – bis sich das Nutzerverhalten änderte: Musik physisch in den Händen zu halten, in Form von CDs oder Vinyl, war für Liebhaber nach wie vor interessant, doch die Mehrzahl der User wollte Musik nicht mehr handfest besitzen. Spotify hatte das Streaming salonfähig gemacht, mit Apples Hilfe. Und Apple musste reagieren.

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Im Mai 2014 übernahmen die Manager in Cupertino das Unternehmen Beats Electronics, 2006 von dem Rapper Dr. Dre und dem mächtigen Musikmanager Jimmy Iovine gegründet. Beats hatte sich gewandelt, von einer gerade bei der jüngeren Generation beliebten Kopfhörer-Marke hin zu einem Online-Musikdienst. 2012 hatte Beats den Musik-Dienst MOG übernommen und damit – ohne es zu ahnen – die Basis für das heutige Apple Music gelegt. 2014 gab Apple 3,2 Milliarden Dollar für Beats. Fortan wurden die Karten im Streaming-Business neu gemischt - zum Nachteil von Spotify, wie sich in den letzten Monaten zeigte.

Während das schwedische Unternehmen noch immer einen schwierigen Kampf bestreitet, die Firma profitabel zu machen, startete Apple seinen eigenen Streamingdienst aus einer ganz anderen Ausgangsposition: mit null Abonnenten, aber mit der iTunes-Community als Basis, die Apples einfache Tools zum Downloaden und Musikhören und auch deren Abrechnungs-System schätzte.

Der 30. Juni 2015 war also kein guter Tag für Spotify. Apple startete die Konkurrenz-Veranstaltung Apple Music in weit über 100 Ländern, darunter auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein Schritt, der Spotify bis heute schmerzt.

Auch interessant: Das Katz- und Maus-Spiel von Apple und der Werbebranche

Spotify mit 107 Millionen Bezahlabos in 7 Jahren, Apple mit rund 50 Mllionen in nur 4 Jahren

Apple Music bietet keine kostenlose und werbefinanzierte Variante an, kam aber nach letzten Berechnungen bis Ende 2018 auf mindestens 50 Millionen Bezahlkunden. Kurz zusammengefasst: Seit dem eigentlichen Spotify-Start am 7. Oktober 2008 generierten die Schweden bis heute etwa 107 Millionen Bezahl-Abos, Apple Music wiederum, sieben Jahre später gegründet, sammelte in nur knapp vier Jahren bereits die Hälfte ein, rund 50 Millionen Bezahl-Abos. Und die Schere dürfte in den nächsten Monaten noch kleiner werden. Die Eckdaten der Vorgeschichte sollte man also kennen, um zu verstehen, worum es im Beef der Musikstreamingdienste aktuell (auch) geht.

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Hergehört!

Das gesprochene Wort ist auf dem Höhenflug. Was für Musikfans früher der Plattenladen war, ist heute der Podcast-Anbieter. Das Potenzial des neuen alten Formates haben auch die Big Player erkannt. Podcasts gibt es mittlerweile viele, aber wo kann man sie am besten anhören? Im LEAD Bookazine 3/2018 findest du sechs Podcast-Plattformen im Vergleich.

Jetzt kriselt die Vernunftehe

Zurück im Hier und Heute: Am Mittwoch dieser Woche begann es in der Vernunftehe zwischen Spotify und Apple richtig zu kriseln. Die Schweden stellten der Öffentlichkeit eine neue Kampagne vor: "Time to play fair", mit einer eigenen Sonderseite aus der Taufe gehoben, wirft Apple "unlauteren Wettbewerb" vor. Spotify kritisiert dabei die Richtlinien des App Stores. Parallel reichte das schwedische Unternehmen bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde ein. Der Vorwurf: Apple sei sowohl Spieler als auch Schiedsrichter.

Gemeint ist die Provisions-Gebühr von 30 Prozent, die Spotify an Apple als Provision zahlt, wenn ein Abo innerhalb der App abgeschlossen wird. Damit werde Spotify gezwungen, die eigenen Preise zu erhöhen, erklärte CEO und Gründer Daniel Ek. Dies wiederum käme Apple Music zugute, da der hauseigene Dienst ja nicht 30 Prozent Provision zahlen müsse.

Anti-Apple-Video von Spotify im Netz

Außerdem kritisierte Spotify, das Unternehmen werde von Apple bei hauseigenen Produkten wie HomePod und Apple Watch mehr oder minder ausgeschlossen, was ebenfalls wiederum ein Trumpf für Apple Music sei. Auch ein eigenes Video zum Thema stellte Spotify ins Netz:

Screaming beim Streaming. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager zeigte schon kurz darauf Verständnis für Spotify. Die Botschaft von Spotify CEO Daniel Ek beschrieb sie als "starke Mitteilung". Man brauche ein Spielfeld für fairen Wettbewerb.

Nun muss sich Apple nicht gleich Sorgen machen, dass Vestager sofort zu drastischen Mitteln greift. Verfahren in der EU dauern oft jahrelang. Letztlich wird der Europäische Gerichtshof für Grundsatzentscheidungen bemüht. Hier wurde Google wegen eines Quasi-Monopols seiner Suchmaschine auch schon zu einer Milliardenstrafe verurteilt.

​ Apple wehrt sich mit langem offiziellen Statement

Aber der Weg zu einer solchen Entscheidung ist weit und beschwerlich. Und bedenkenswert - findet jedenfalls Apple. Der Konzern hat heute prompt mit einer langen offiziellen Stellungnahme auf die Vorwürfe von Spotify reagiert.

Kernbotschaft aus Cupertino: Spotify nutze "irreführende Rhetorik" und wolle alle Vorteile des App-Store-Ökosystems nutzen – "ohne zu bezahlen":

"Seit einem Jahrzehnt hat der App Store dazu beigetragen, viele Millionen Arbeitsplätze zu schaffen, mehr als 120 Milliarden US-Dollar für Entwickler zu generieren und neue Branchen durch Unternehmen zu schaffen, die ausschließlich im App-Store-Ökosystem entstanden und gewachsen sind.

Im Kern ist der App Store eine sichere Plattform, deren Benutzer den Apps vertrauen können. Und Entwickler, vom ersten Ingenieur bis hin zu größeren Unternehmen, können sich darauf verlassen, dass alle nach den gleichen Regeln spielen.

So sollte es sein. Wir möchten, dass mehr App-Unternehmen wachsen – einschließlich derer, die in einigen Bereichen unseres Geschäfts konkurrieren, weil sie uns dazu bringen, besser zu werden.

Was Spotify fordert, ist etwas ganz anderes. Nachdem Spotify jahrelang den App Store genutzt hat, um sein Geschäft dramatisch auszubauen, versucht Spotify, alle Vorteile des App-Store-Ökosystems zu nutzen, einschließlich der erheblichen Einnahmen, die die App Store-Kunden erzielen, ohne einen Beitrag zu diesem Markt zu leisten.“

Tatsächlich zeigt sich, abseits vom PR-Sprech beider Unternehmen, dass Spotify einige Fakten für seine Zwecke, nunja, angepasst hat. So berechnet Apple beispielsweise nur im ersten Jahr bei Abos 30 Prozent Provision, ab dem zweiten Jahr nur noch 15 Prozent.

Zum anderen könnte Spotify einen einfachen Hinweis auf dem Start-Screen seiner iOS-App anbieten, um den Nutzer zu informieren, wo er außerhalb der iOS-App ein Abo abschließen kann. Das Unternehmen verzichtet aber darauf, warum auch immer. Apple würde einen solchen Hinweis nicht verbieten. Möglich wäre auch eine Testversion für Spotify Premium.

Sind Provisionen wirklich unfair?

Behindert Apple nicht wirklich den fairen Wettbewerb durch die Provisionen, werden Außenstehende fragen? Cupertino argumentiert anders. Es ist quasi wie im richtigen Leben: Mietet ein Handeltreibender in einer neuen Mall, die ein anderer Anbieter komplett selbst hochgezogen und (erfolgreich) entwickelt hat, nicht auch eine Ladenfläche und zahlt dafür monatlich?

Im Netz gilt das Gleiche: Das Software-Kaufhaus hat Apple mit eigenen Mitteln aus der Taufe gehoben – mit eigenen Servern, eigener Infrastruktur und vor allem sicheren Abrechnungs-Systemen, die bei Kunden als vertrauenswürdig gelten. Und vor allem ist dieses Software-Kaufhaus erfolgreich. Und hat andere Unternehmen wie Spotify eben erst populär gemacht.

Auch sonst weist Cupertino die Anti-Fairplay-Thesen zurück: Man habe mit Spotify intensive Gespräche geführt, wie der Dienst auf HomePod, Apple Watch und Co. agieren könne. Über das AirPlay2-Protokoll ist dies heute auch problemlos möglich. Von Spotify gibt es aktuell tatsächlich eine Watch-App, diese ist aber – warum auch immer – eher rudimentär und erlaubt nicht einmal das Syncen von Playlists. Auch auf eine Spotify-App für Apple TV warten die Kunden der Schweden bisher vergeblich. Apple verweist nicht zu Unrecht darauf, dass der US-Konkurrent Pandora bereits seit langer Zeit eine Apple-TV-App für tvOS vorhält.

Doch die Zeit der intensiven Gespräche zwischen Spotify und Apple dürfte jetzt erst einmal vorbei sein. Die Vernunftehe kriselt mehr denn je. Dabei sind beide Seiten gewissermaßen auch aufeinander angewiesen: Ein iPhone oder iPad ohne Spotify-App ist für Apple undenkbar, für Spotify aber auch. Es geht also darum, Grenzen auszuloten. Denn gerade auch für Apple sind Einnahmen aus Provisionen von Unternehmen wie Spotify eine stetige Einnahmequelle, die in Zeiten schwächelnder iPhone-Verkäufe zunehmend wichtiger wird.

Millionenschwere Unternehmen hin oder her: Am Ende sollte beide die Liebe zur Musik, die ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur ist, einen. Doch derzeit setzt sich leider kaum ein Streaming-Dienst dafür ein, dass Songwriter mehr Geld erhalten. In den USA wurde aktuell ein Gesetz beschlossen, dass mehr Tantiemen an Songschreiber ausgezahlt werden sollen. Statt 10,5 Prozent der Umsätze sollen 15,1 Prozent für die Künstler und Publisher abfallen. Fast alle großen Streaming-Dienste haben den Gerichtsbeschluss kritisiert.

Man schätze die Künstler, erklärten die Apple-Music-Verantwortlichen, und werde nicht gegen die Erhöhung der Tantiemen vorgehen, sondern diese zahlen. Spotify wird gegen den Beschluss Berufung einlegen. Das Screaming im Streaming geht also auch hier weiter.

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