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Apple iPhone Tim Cook

Der Preis ist heiß

Apple war in der Vergangenheit nicht für Sonderangebote bekannt. Doch beim iPhone hat der Konzern jetzt seine Preispolitik überdacht – notgedrungen.

Apple ist nicht bekannt für Sonderangebote - doch beim iPhone hat der Konzern jetzt seine Preispolitik überdacht (Bild: apple.de)
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Wer in den vergangenen Monaten den Berliner Apple Store am Kurfürstendamm aufsuchte, wurde am Eingang von freundlichen Mitarbeitern begrüßt. Auch heute noch nehmen die Angestellten die Kunden in Empfang. Doch am rechten Eingang fällt die Aufmerksamkeit des Neuankömmlings erst einmal auf einen großen Aufsteller. Weiße Schrift auf schwarzem Grund:

"iPhone XR ab 579 €. iPhone XS ab 879 €. Gib dein aktuelles iPhone in Zahlung und mach das Upgrade auf ein neues."

Eigentlich war dieses Trade-in, der Tausch von einem älteren in ein neues Modell nur als zeitlich begrenzte Aktion gedacht. Inzwischen hat Apple das Trade-in-Projekt auf unbestimmte Zeit verlängert.

Die derzeit schwächelnden iPhone-Verkäufe der aktuellen Modelle XR, XS und XS Max machen es offenbar nötig, dass Apple umdenkt und Rabatt-Aktionen auflegt. Schließlich werden für das iPhone XR ohne Inzahlungnahme in der kleinsten Konfiguration (64 GB) normalerweise 849 Euro verlangt.

Apple Store China In Suzhou Credit Apple De
Apple Store China in Suzhou (Bild: apple.de)

Sonderangebote? Ein Novum in der Firmengeschichte

Gemeinhin gilt Apple als Unternehmen mit werthaltigen Produkten, aber auch hohen Preisen, die bis zum Frühjahr 2018 gern gezahlt wurden. Die iPhone-Verkaufszahlen sorgten Quartal für Quartal für einen Rekord nach dem anderen. Jahrelang.

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Jetzt muss Apple langfristig umdenken. Noch gibt es Angebote für iPads, MacBooks oder AirPods nur bei Retailern und nicht bei Apple selbst (mit Ausnahme von Refurbished-Geräten, die gebraucht, aber von Apple zertifiziert, günstiger im Apple Online Store angeboten werden). Aber die neue iPhone-Preispolitik ist ein Signal, das es so noch nicht gab: Wir können auch günstiger.

Die Aktion gilt nicht nur für Europa, sondern vor allem auch für den chinesischen Markt. Der jüngste Parteitag Chinas hat die kriselnden Wirtschaftszahlen gerade erst vor Augen geführt: Ministerpräsident Li Keqiang hatte für 2018 ein Wirtschaftswachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft von 6,6 Prozent bekanntgegeben. Das war der niedrigste Wert seit fast drei Jahrzehnten. China war zuvor zweistellige Wachstums-Raten gewohnt. Li räumte ein, es werde "ein harter Kampf" in einem "schwierigen und komplizierteren Umfeld."

Ein harter Kampf, der auch Apple trifft. In China hatte der Konzern das XR-Trade-in-Angebot zuerst eingeführt. Statt sich ein neues iPhone zu kaufen, hatten Kunden eher zu einheimischen Geräten wie Xiaomi oder Huawei gegriffen. Die neuen iPhones waren den Kunden in einem der für Apple wichtigsten Märkte weltweit schlichtweg zu teuer. Mit Preisdumping hatten Xiaomi und Co. Apple im chinesischen Weihnachtsquartal das Wasser abgegraben. Was folgte: Vor Bekanntgabe der Apple-Quartalszahlen musste Tim Cook die Aktionäre warnen. China hatte dafür gesorgt, dass Apple erstmals seit Jahren die eigenen Umsatzprognosen für das Weihnachtsquartal nicht einhalten konnte.

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Apple als Opfer der Trumpschen Politik

Viele Faktoren sorgen dafür, dass Apple unverhofft an der Preisschraube drehen muss. Apple gilt auch als Opfer der Trumpschen Politik. So hatte Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow im Januar behauptet, chinesische Unternehmen hätten Apple-Technologie abgekupfert: "Ich möchte hier nicht zu viel vermuten, aber Technologie von Apple könnte von China abgeschaut worden sein, und China ist im Vergleich mit Apple inzwischen sehr wettbewerbsfähig. Man muss da Rechtsstaatlichkeit durchsetzen. Es gibt einige Hinweise aus China, dass sie sich Apple genau anschauen, aber das wissen wir noch nicht..."

Eine Aussage zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für Apple. Der Handelsstreit zwischen den USA und China schwelt weiter, die amerikanische Regierung wirft dem chinesischen Staatskonzern Huawei Spionage vor – und die chinesische Regierung appelliert im Zuge dieser Vorwürfe wiederholt an ihre Landsleute, einheimische statt amerikanischer Produkte zu kaufen.

Die Bank of America Merrill Lynch ist gar der Ansicht, dass Apple in China (und ebenso auf dem wichtigen indischen Markt) unter einem "informellen Boykott von Kunden" leide. Das Interesse an iPhones sei in China sehr groß, gehe aber zugunsten von Firmen wie Samsung, Huawei und Xiaomi stark zurück. Der aktuelle Handelskrieg zwischen den USA und China unterstütze diesen Trend. Die Folge in China: Hielt Apple lange Zeit den zweiten Platz in Sachen Marktanteilen, liegt das Unternehmen laut den Marktforschern von IDC sogar aktuell auf dem vierten Platz (11,8 Millionen verkaufte Geräte, Marktanteil bei 11,5 Prozent) und verlor damit den dritten Platz vorerst. Zum Vergleich: Huawei setzte im Weihnachtsquartal 30 Millionen Geräte (29 Prozent Marktanteil) ab. Ein Umsatzanstieg um satte 23,3 Prozent auf Kosten der Konkurrenz.

Apple I Phone Produktionsstaette In China Credit Apple De
Apples iPhone Produktionsstätte in China (Bild: apple.de)

Auch deshalb hat Apple in China diese Woche erneut reagiert. Hatte man schon im Februar zusammen mit dem Kreditinstitut AliPay iPhone-Käufe auf Basis von Ratenzahlung über 24 Monate angeboten, folgte nach der Trade-in-Aktion zum XR in dieser Woche aktuell der nächste Schritt: In China lässt sich jetzt nicht nur das XR günstiger erwerben, die Rabatt-Aktion wurde auch auf die Premium-Modelle XS und XS Max ausgeweitet. Preis-Nachlässe von bis zu 10 Prozent sind jetzt drin. Das iPhone XS wird dadurch umgerechnet 130 Euro billiger, das XS Max sogar 260 Euro. Wie lange der Aktionszeitraum läuft, ist nicht bekannt. Vermutlich erst einmal unbefristet.

Ob das die iPhone-Absätze im Reich der Mitte wieder beflügeln kann, muss sich erst noch zeigen. Es ist aber vorerst die einzige Möglichkeit Apples, die Umsätze anzukurbeln. In diversen Foren wird seit Monaten ohnehin darüber gestritten, ob die aktuellen Preise für die drei neuen Modelle aus dem Herbst 2018 von Apple nicht generell zu hoch angesetzt wurden. Tendenz: User kritisieren nicht das Produkt an sich, das hätten die meisten gern. Sie kritisieren aber Preise weit über 1000 Euro.

In Asien gilt: Die chinesische Konkurrenz bietet ähnlich ausgestattete Smartphones, wenn auch auf Android-Basis, teilweise für die Hälfte (umgerechnet 700 bis 800 Euro) an. Apples Preise für die 2018er-Modelle mit der höchsten Speicherkonfiguration: 1019 Euro für das XR, 1549 Euro für das XS, 1649 Euro für das iPhone XS Max.

Die Gefahr für Apple ist nicht bekannt

Und trotz der neuen Preispolitik ist die Gefahr für Apple noch nicht gebannt: Laut US-Magazin Politicohat nur das persönliche Eingreifen von Tim Cook in Gesprächen mit Donald Trump dazu beitragen, dass das iPhone bisher nicht auf der Trumpschen Liste mit Strafzöllen belegter Produkte stand. Dabei wird gerade das iPhone komplett in China montiert. Laut dem ehemaligen Ministerialbeamten James Lewis komme Cook dabei zugute, dass er sowohl zu Peking, als auch in Washingtoner Regierungs-Kreisen beste private Kontakte pflege und dass er sogar Mandarin spreche.

Ob Apple langfristig vom Handelsstreit verschont bleibt oder ob sich Cupertino in Zukunft weiterhin Angebotsstrategien für seine iPhones überlegen muss, bleibt offen. Die derzeitigen Aktionen zu iPhone XR, XS und XS Max laufen jedenfalls erst einmal auf unbestimmte Zeit weiter. Ungewohnt für Kunden. Und es weckt auch Begehrlichkeiten: Wird Apple seine nächste iPhone-Generation womöglich günstiger verkaufen als die aktuelle? Darauf, das zeigt die Erfahrung aus Apples jahrelangem Produktportfolio, sollten keine Wetten abgeschlossen werden…

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