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Apple Staraufgebot
Tim Cook im Kreise der Top-Schauspieler und Produzenten, die Filme und Serien für Apple TV+ beisteuern werden (Foto: Art Streiber/B-Roll mit freundlicher Genehmigung von Apple)
Apple Apple TV+ Apple Card

Abo hallo?! Die Apple-Keynote in der Analyse

Neues Film-Abo, neues Gaming-Abo, neues Zeitungs-Abo: Abo hallo?! Sind die Apple-Neuvorstellungen wirklich attraktiv für Kunden? Die LEAD-Analyse.

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Drei neue Abos, dazu die erste Apple-Kreditkarte vorgestellt: Ein mächtiges Star-Aufgebot, von Steven Spielberg über Jennifer Aniston und Reese Witherspoon bis hin zu Oprah Winfrey, trommelte am Montagabend für Apples Big Step in die Unterhaltungs-Branche. Und dafür, dass die Einnahmen in Apples Service-Sparte künftig mächtig steigen, um die zuletzt schwächelnden iPhone-Verkäufe abzufedern.

Und was macht der Aktienkurs nachbörslich? Dreht nach recht schwachem Tagesverlauf nach Event-Ende gerade mal 0,14 Prozent nachbörslich ins Plus. 189 Dollar, plus 0,26 Cent. Ist der Aktienkurs ein Vorgriff auf die Zukunft, dann hat die Börsianer das Event eher kalt gelassen.

Abo hallo?! Man mag sich, Stand heute, noch nicht so recht entscheiden, ob die Kunden sich vom Abo-Fieber anstecken lassen und monatlich in Massen frisches Geld in die Services-Kasse von Apple spülen.

LEAD analysiert Pros und Cons der Neuvorstellungen.

Apple TV+ wirklich nicht zu spät?

So viele Stars auf einer Bühne – und doch blieben viele Fragen offen: Was wird der neue Videostreaming-Dienst Apple TV+ kosten? Halten die Serien wirklich, was die Stars versprechen? Braucht man neben Amazon Prime Video und vor allem Netflix noch ein Streaming-Abo für Filme, Serien und Dokus?

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Netflix wird sich aufgrund seiner XXL-Bibliothek derzeit kaum vor Apple TV+ fürchten. Aber Amazon Prime Video schon eher. Mit dem neuen „Apple TV Channels“-Angebot, integriert in die ab Mai modernisierte Apple-TV-App, greift Apple eher Amazon mit seinen Channels an als Netflix. Der Zugang zu den Channels wird bei Apple deutlich komfortabler geregelt sein. Wer bei Amazon Channels abonnieren möchte, muss zunächst einmal Prime-Kunde sein. Apple-Kunden benötigen kein solches vorgeschaltetes Abo.

Hier ein exklusives Behind-the-scenes-Video von Apple beim Fotoshoot mit Hollywood-Stars:

Die Apple TV App dürfte eher als zentrale Anlaufstelle für dich als TV-Zuschauer dienen. Komfortabel: Dort ist es nicht mehr nötig, von App zu App zu springen (wie bei Amazon Prime Video, wie bei Telekom Entertain übrigens auch). Alle Inhalte finden sich in dieser einen TV-App von Apple und dort erhältst du auch aufgrund des bereits angeschauten Contents personalisierte neue Empfehlungen zu allen Kanälen.

Weiterer Pluspunkt: Die neue TV-App findet sich nicht nur auf iOS-Geräten, sondern auch auf dem Mac, auf Smart TVs bekannter Anbieter wie Samsung, LG und Sony sowie auf Amazon Fire TV und Roku (relevant nur für US-Zuseher). Amazon sollte also gewarnt sein, Netflix weniger.

Entscheidend für Apple TV+ wird auch der Preis sein. Pendelt er sich wie bei den meisten Anbietern um die 10 Euro ein, könnten viele Kunden zögern, neben Netflix (hat bereits 140 Millionen Kunden weltweit) ein weiteres Abo für Filme und Serien abzuschließen. Unterbietet Apple aber die Preise, stehen die Chancen gut, dass der Run auf Apple TV+ einsetzt.

Allerdings: Apple stand bisher nicht für Kampfpreise…

Apple Arcade – nur etwas für Hardcore-Gamer?

Apple Arcade

Auch für Apple Arcade, das neue Gaming-Abo mit neuen und exklusiven Spiele-Produktionen, steht der Monatspreis noch aus. Sieht ganz so aus, als seien hier nicht mal die Hardcore-Gamer die oberste Zielgruppe. Eher besorgte Eltern, die ihren Kindern werbefreie und hochwertige Spiele überlassen können, ohne sich großartig Gedanken zu machen – denn die Apple-Games stehen für Qualität und Sicherheit.

Aber Moment! Wie verträgt sich ein Apple-Arcade-Abo mit dem eigentlichen App Store? Jede Woche besuchen über eine halbe Milliarde Menschen den App Store, über 1 Milliarde hat schon Spiele dort heruntergeladen. Wieviele Games braucht es also am Tag, in der Woche, im Monat? Sind nicht doch schon so viele Spiele-Favoriten auf iPhone und iPad, dass man nicht noch „rund 100 weitere neue Games in über 150 Ländern“, die es zum Start von Apple Arcade im Herbst gibt, benötigt?

Das Thema Overkill ist dringlich. Apple könnte den hauseigenen App Store kannibalisieren. Einerseits. Andererseits aber sollten wir ehrlich sein: Vieles spricht für ein Arcade-Abo, das Inhalte ohne nervige Werbung und In-App-Käufe ausliefert. Zu ungeordnet wirkt der App Store selbst inzwischen. Überfrachtet von Free-to-play-Games, die Premium-Games schon längst aus dem Store-Sichtbereich gedrängt haben und nur eines wollen: Dass der User Coins kauft oder Werbung wegkauft.

Apple hätte in der Vergangenheit an dieser Stelle schon besser kuratieren können, hat es aber nicht gemacht. Womöglich, weil In-App-Käufe auch Apple mehr Provisionen bringen als Einmal-Käufe von Premium-Games. So gesehen hat der heutige App Store Apple Arcade erst möglich gemacht. Kurios, oder?

Wer setzt alles auf die Apple Card?

Apple Card
Die Apple Card wird von Apple und Goldman Sachs zunächst nur in den USA ausgegeben (Foto: Apple)

Ein Produkt, das sicher auch viele Nutzer gern in Deutschland sehen würden, ist die Apple Card. Keine Grundgebühren, kein Erheben von persönlichen Daten und als Titanium-Karte ein begehrtes Objekt für die Geldbörse: Abo hallo…

Apple wird damit zum Fintech, bietet die Card aber zunächst nur in den USA an. Ein wenig Hoffnung besteht allerdings: Die Chefs von Goldman Sachs bestätigten in der Nacht bereits gegenüber CNBC, dass man an einer internationalen Ausweitung der Apple Card sehr interessiert sei. Mit seinen Finanzprodukten dürfte Apple auf jeden Fall in die Erfolgsspur kommen. Das hat auch der Erfolg von Apple Pay gezeigt. In diesem Jahr gab es schon 10 Milliarden Transaktionen, Ende 2019 wird Apple Pay in mehr als 40 Ländern verfügbar sein.

Mit „Daily Cash“, zwei Prozent des Kaufbetrags als Cashback, gibt es einen guten Anreiz, die Karte ständig bei Käufen zu nutzen. Weitere Pluspunkte: keine Verspätungsgebühren fallen an, Gebühren für den internationalen Einsatz entfallen auch und die Zinssätze sind deutlich niedriger als bei allen Mitbewerbern.

Die Apple Card hat das Potenzial, langfristig alle andere Kreditkarten zu ersetzen.

Apple News+ überhaupt noch zeitgemäß?

Apple News Plus
Rund 300 Titel umfasst Apple News+ zum Start (Foto: Apple)

Apples Rundumschlag mit Abos umfasst auch die Zeitungs-Branche. Abo hallo, letzte Runde: Apple News+ ist ein Zeitungs- und Zeitschriftenkiosk, der via Flatrate (9,99 Dollar) online und offline durchgestöbert werden kann. Enthalten sind vorwiegend englischsprachige Medien. Als Prestige-Partner konnte Apple das Wall Street Journal, die Los Angeles Times und The New Yorker gewinnen.

Da hierzulande nicht einmal Apple News offiziell verfügbar ist, ist Apple News+ für deutsche Apple-Kunden daher erst mal nicht relevant. Ob Apple News+ jemals nach Deutschland kommt, steht in den Sternen.

Ob man’s braucht, auch. Immer mehr User lesen digital, gerade die Jüngeren. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern, in der schon unsere Großeltern den Fisch einwickelten. Apple adressiert daher wohl eher die Special-Interest-Liebhaber als potenzielle Kunden. Ob das reicht, um aus Apple News+ eine Gelddruckmaschine zu machen, darf zumindest angezweifelt werden.

Fußnote, nicht unwichtig!

Mitten im Star-Aufgebot, zwischen neuen Games, glänzenden Kreditkarten und meterlangen virtuellen Zeitungsregalen blitzt – Abo-Fieber bei Apple hin oder her –, etwas auf, das Apple-Kunden nicht unterschätzen sollten. All die Dienste, die Apple (gegen Geld) anbietet, legen sehr viel Wert auf Privatsphäre. In Zeiten des unsicheren Internets mit nachlässigen und undurchsichtigen Giganten-Konzernen wie Facebook bietet Apple nicht nur mit familientauglichen Angeboten eine Komfortzone, sondern auch ein sicheres Refugium.

Apple ist kein Datensammler, will nicht wissen, was du auf Apple TV+ schaust. Interessiert sich nicht dafür, was du bei Apple News+ liest. Nicht dafür, was du mit der Apple Card kaufst. Nicht dafür, was du wie lange in der Apple Arcade spielst. Verdient wird mit den Abos, nicht mit Daten. Ein Alleinstellungsmerkmal, während andere Konzerne nahezu täglich durch knietiefe Datenlecks waten.

Die Sicherheit der Privatsphäre hat ihren Preis. Abo hallo, den Abo-Preis. Und wem seine Daten nicht gänzlich egal sind, der sollte einmal prüfen, ob so ein Bezahl-Abo nicht langfristig doch die bessere Lösung ist: Privacy matters, in der heutigen Zeit mehr als je zuvor.

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