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Home Pod 1
LEAD hat Apples HomePod ausführlich getestet (Bild: Apple)
Apple Voice Test

Apple HomePod: Da geht noch was

Seit 10 Tagen ist der HomePod erhältlich. LEAD-Autor Michael Gronau hat Apples smarten Speaker jetzt eine komplette Woche in Betrieb. Einrichtung, Klang, Siri – sein ausführliches Fazit.

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Hochwertiges Lautsprecher-System". "Innovatives und puristisches All-in-One-Design". "Hohe Soundqualität", "raumfüllender Klang". Dieser nicht mehr ganz aktuelle Text klingt so, als sei der HomePod da. Ist er auch. Doch Technik-Geschichte wiederholt sich. Denn die Zitate stammen in Wahrheit aus der Pressemitteilung von Apple aus dem Jahr 2006.

Damals stand Deutschland wenige Monate vor dem Fußball-WM-Sommermärchen. Und die Apple-Gemeinde hielt es wohl zunächst auch für ein Märchen, als ihre Lieblingsfirma den ersten eigenen Lautsprecher ankündigte. Nur Apple-Nerds werden sich noch an dieses massive Gerät erinnern: Der iPod-Hi-Fi war breit, schwer und "portabel" – darunter verstanden Apples Designer damals zwei Tragegriffe. Einen Lautsprecher von 6,6 Kilo Gewicht wird heute niemand mehr als portabel bezeichnen.

Der damalige Preis: 349 Euro. Genauso viel kostet der HomePod aus dem Jahr 2018.

Comeback nach zwölf Jahren

Der iPod Hi-Fi hielt sich keine zwei Jahre auf dem Markt. Bereits im September 2007 verschwand er spurlos. Einen Nachfolger gab es lange nicht – bis vergangenes Jahr auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC ein neuer Speaker präsentiert wurde. Im Februar 2018 ging der HomePod parallel in den USA, Großbritannien und Australien an den Start. Seit dem 18. Juni ist er auch in Deutschland erhältlich.

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Zwölf Jahre danach, in der Technik-Szene eine Ewigkeit, sollte ein Lautsprecher nun tatsächlich portabel sein, hochwertig klingen, ein innovatives Design und eine hohe Soundqualität mit raumfüllendem Klang vorweisen. Und er muss vor allem smart sein: intelligent, vernetzt, sprachgesteuert. Kunstvoller Klang und künstliche Intelligenz.

Home Pod 4
Foto: Apple

Stuart Miles vom Portal Pocket-lint gehörte zu den wenigen Journalisten, die Apples "geheimes" Audio-Labor, etwas außerhalb des neuen Apple Park gelegen, besuchen konnten. Er zählte zwölf verschiedene Audio-Labs, in denen der HomePod entwickelt worden ist, dem Vernehmen nach von einem handverlesen zusammengestellten Team von bis zu 60 Sound-Ingenieuren und audiophilen Experten.

Die Ansprüche an den HomePod sind – auch deshalb – hoch. Kann Apple auch diesen Markt wieder revolutionieren? Ich habe den HomePod eine Woche getestet.

Die Einrichtung

Wie bei Apple gewohnt, lässt sich auch dieses Produkt sehr leicht über das heimische WiFi-Netzwerk einrichten. Sie halten Ihr iPhone (ab Modell 5S), iPad (ab fünfte Generation) mit iOS 11.2.5 aufwärts oder sogar den iPod touch der sechsten Generation in die Nähe des HomePods.

Danach werden die Einstellungen nach wenigen Sekunden übernommen. Dies gilt sowohl für das Passwort Ihres WLAN, als auch für Ihre Daten in der iCloud. Der zweite HomePod, sofern vorhanden, wird ebenfalls rasant und automatisch erkannt. So kann der Stereo-Betrieb schnell konfiguriert werden.

Der Nachteil: Sie benötigen tatsächlich ein Apple-Gerät. Als Besitzer eines Android-Smartphones oder Tablets bleiben Sie außen vor. Und somit bleiben womöglich auch viele HomePod-Interessierte draußen, die sich kein iPhone oder iPad anschaffen möchten. Damit schottet Apple nicht nur sein eigenes System ab (bei iMessage beispielsweise ist es genauso), sondern schließt im Kampf um Marktanteile auch viele potentielle Käufer aus.

Die Basics

Der HomePod beherrscht kein Bluetooth. Für viele Kaufinteressierte gewiss ein Nachteil. Die einfache Kopplung mit dem Smartphone oder Tablet über Bluetooth entfällt. Apps wie TuneIn-Radio oder andere Dienste wie Spotify können Sie somit nur mittels AirPlay über iPhone und iPad auf den HomePod streamen. Die Sprachsteuerung selbst funktioniert nur mit Apple Music. Erst ein Abo eröffnet dabei die Möglichkeit, auf den Gesamtkatalog von Apple Music zuzugreifen (ab 9,99 Euro im Monat).

Konkurrenten wie Alexa erlauben wiederum die Sprachsteuerung von Programmen wie Spotify, Amazon Music und Co., aber mit Alexa kann Apple Music nicht gesteuert werden. Dafür können Sie auf dem Echo via Bluetooth Apple Music einspielen. Den Echo verbinden Sie mit iPhone oder iPad und finden ihn dann in den Einstellungen bei "Bluetooth" unter "Meine Geräte". Einmal angeklickt, sind Smartphone und Tablet mit dem Echo verbunden.

Der HomePod kann auch Spotify & Co. abspielen, allerdings nur über AirPlay und nicht über Bluetooth. Somit können Spotify & Co. auf dem HomePod nicht mit Siri gesteuert werden, sondern nur über die iOS-Geräte selbst.

Der Klang

Schon immer gehört Musik zur DNA von Apple, siehe iTunes und iPod. Auch darum hat Apple mit Bedacht ein Audio-Engineering-Team für die Entwicklung des HomePod aufgebaut. Insofern ist der HomePod zwar ein Speaker, aber eben auch ein Computer. Apple verbaut im HomePod den A8-Chip aus dem iPhone 6s. Der Chip muss zum einen die Sprachkommandos für Siri analysieren, zum anderen kümmert er sich beim Richtstrahlverfahren (Apple nennt es "Beamforming") auch um den Klang.

Sieben Hochtöner sind im HomePod kreisförmig angeordnet, sie scannen quasi den Raum. Die sechs integrierten Mikrofone, in erster Linie zum Einfangen der Sprachbefehle benötigt, analysieren die Schallwellen, um die Position des Speakers, der selbst über keinen Equalizer verfügt, zu ermitteln und für ein möglichst räumliches (Rundum-)Hörerlebnis zu sorgen. Die Werte werden für den jeweiligen Raum, in dem der HomePod steht, gespeichert. Positionieren Sie den Speaker in einem anderen Raum, erkennen Bewegungssensoren dies und messen den Raum erneut durch.

Verglichen mit dem Amazon Echo und dem Google Home klingt der HomePod deutlich präziser und druckvoller. Gerade der Stereo-Betrieb von zwei HomePods wertet den Sound enorm auf. Die Multiroom-Nutzung und die Stereo-Funktion wurden mit dem Start in Deutschland und dem Update auf iOS 11.4 eingeführt.

Home Pod 5
(Bild: Apple)

Als Alternative zum HomePod-Doppelpack gelten zwei Alexa-fähige Sonos One. Preislich gibt es hier deutliche Unterschiede: Für zwei HomePods zahlen Sie aktuell 698 Euro. Sonos bietet in einer Sonder-Aktion zwei Sonos One für 399 Euro an.

Im Hörvergleich klingen zwei HomePods zwar angenehmer und besser ausbalanciert als zwei Sonos One. Wer allerdings statt 349 Euro für einen HomePod für einen Sonos Play:5 579 Euro investieren möchte, erhält mit dem Play:5 einen druckvolleren und klarer aufspielenden HomePod-Konkurrenten.

Pop und Rock meistert der HomePod problemlos mit sattem, tiefem Klang. Bei Jazz und Klassik erscheinen einzelne Instrumente bisweilen unpräzise. Hervorragende Pop-Jazz-Studioproduktionen wie das "Gaucho"-Album von Steely Dan klingen auf dem HomePod zu basslastig und nicht fein genug ausbalanciert. Songs der Saxofonistin Candy Dulfer werden andererseits extrem klar und detailreich wiedergegeben, obwohl die Produktion vor zwei Jahrzehnten entstand. Neuere Aufnahmen von Kamasi Washington aus dem Jahr 2018 wirkten dagegen, unabhängig von der Aufstellposition des HomePod, nicht ganz ausgewogen und bisweilen etwas schwammig.

Ich würde den HomePod klanglich unterm Strich aber klar Echo und Google Home vorziehen. In Nuancen spielt er auch differenzierter als der Sonos One auf.

Siri überzeugt nicht

Um es vorwegzunehmen: Siri ist die größte Schwäche des HomePods. Alexa und Google Assistent sind ihr weit voraus. Besonders offensichtlich: Die deutsche Siri klingt zu mechanisch, die Aussprache wird zu oft falsch betont. Bei Alexa und Google Home werden die Antworten in der Regel flüssig und gut betont ausgegeben.

Die Siri-Ergebnisse funktionieren etwa zu zwei Dritteln, aber sie sind bisweilen befremdlich. Anfragen laufen zu oft ins Leere, der Prozentsatz falscher Antworten ist deutlich zu hoch.

Ein paar Beispiele: Bei der Bitte, Musik von den Beatles abzuspielen, startet Siri stattdessen den Apple-hauseigenen Radiosender Beats1. Aus dem Wunsch, den Song "Bomb the Bass" zu hören, wird das Abspielen von "Schlaflied von Baby-Musik". Während das gewünschte Abspielen von "Funk" tatsächlich mit der Playlist "Funk Essential" angestoßen wird, vergeigt Siri die Bitte, Instrumentalmusik zu liefern, aber völlig mit der Antwort: "Alarm, es kommt ein Notruf an, Feuerwehrmann Sam hilft in der Not."

Lernt Siri dazu? Ja und nein. Für eine gewisse Zeit, so mein Eindruck in zahlreichen HomePod-Testversuchen, bleibt Siri beim Thema und damit im Kontext. Kurze Zeit darauf verliert die Sprachassistentin wieder komplett die Orientierung und erkennt selbst Befehle, die zuvor korrekt ausgeführt wurden, plötzlich nicht mehr. Eine völlig andere (und falsche) Antwort auf zuvor bereits mehrfach Abgefragtes ist die Folge. Die neue Kollaboration von Iggy Pop und Underworld lieferte Siri prompt. Zehn Minuten später, erneut nach dem Song befragt, antwortet Siri: "Ich sehe nichts von Undernein." Weitere zehn Minuten später die Antwort: "Jungle Indie Pop wird wiedergegeben." Auf die (mutige) Bitte: "Siri, mehr Wumms bitte", kontert sie: "Ich kann auf dem Gerät leider keine Karten anzeigen."

Alexa und Google Home sind Siri auch in einem anderem Bereich weit voraus: Sie schaffen es inzwischen, nicht nur auf Nachfragen intelligent zu reagieren, auch das HotWord wird nicht mehr benötigt, die Anfrage kann also direkt gestellt werden. Beim HomePod ist bei jeder Anfrage ein "Hey Siri" gefordert.

Das Fazit

Die erste Generation des HomePod ist ein typisches Apple-Early-Adopter-Produkt. Noch limitiert, so wie seinerzeit das erste iPhone nicht einmal 3G, sondern nur das langsame Edge-Netzwerk beherrschte. Verbesserungswürdig in vielen Bereichen, vor allem aber bei Siri, die im Vergleich zu Alexa und Google Home dringend Nachhilfe benötigt. Klanglich aber der Echo- und Google-Konkurrenz, selbst den Sonos-One-Speakern, dann doch überlegen.

Der im Vergleich zu den Mitbewerbern hohe Preis und Apples wieder einmal geschlossenes Ökosystem schränken den Kreis der Nutzer genauso ein wie fehlendes Bluetooth. Die HomeKit-Anbindung ist zu loben, auch die Steuerung oder das Zurücksetzen des HomePod aus der Home-App heraus funktioniert.

Andererseits: kein Multi-User-Account, nicht kabellos, kein Akku und somit nicht outdoor-tauglich. Unterm Strich ist diese erste Generation "half baked": vielversprechend in Ansätzen, aber eben auch ein gefühltes Beta-Produkt zu einem durchaus gepflegten Preis. Drei Jahre nach dem Echo und ein Jahr nach dem Google Home durchaus verwunderlich.

Es wird spannend zu sehen sein, ob Apple Siri, derzeit weit hinter der Konkurrenz zurück, endlich in die richtige Spur bringen kann. Damit der Smart Speaker HomePod wirklich smart wird und nicht das Schicksal des iPod HiFi teilt, der nach nicht einmal zwei Jahren vom Markt verschwand.

Schon der HomePod der zweiten Generation wird ein ambitioniertes Projekt. Aber wem, wenn nicht Apple, würde man es zutrauen, auch den HomePod mit einer der nächsten Generationen zu einem Erfolg zu machen? Kopf hoch, Siri: Mit dem iPad und der Apple Watch hat es schließlich auch geklappt.

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