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Apple TV
Stimmen die Berichte, arbeitet Apple an einem gigantischen TV-Programm (Foto: Apple)
Apple Streaming Michael Gronau

Apple goes to Hollywood

Fast täglich gibt es Meldungen, Apple habe erneut die Exklusiv-Rechte an Film-, Doku- und vor allem Serien-Produktionen erworben. Welche Pläne stecken hinter den TV-Ambitionen des größten Unternehmens der Welt? Eine LEAD-Analyse.

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Der jüngste Hinweis auf die neueste Staffel der Apple-Reihe Carpool Karaoke verwunderte.

Die erste Episode (Freitag, 12. Oktober 19 Uhr MEZ) wird kostenlos in der Apple-TV-App auf iPhone, iPad und Apple TV verfügbar sein. Immer freitags erscheint eine neue Folge mit anderen Superstars – ein Apple Music-Abonnement ist nicht erforderlich.

Zwischen den Zeilen versteckten sich gleich zwei Überraschungen: das Wort „kostenlos“ (nicht so häufig bei Apple zu finden) und – noch erstaunlicher – die Formulierung, zum Ansehen sei kein Abo nötig.

Was Cupertino da ankündigte, könnte für einen Paradigmenwechsel stehen: Vieles spricht dafür, dass die Ankündigung für die nächste Staffel von Carpool Karaoke wichtige Indizien dafür liefert, welche ambitionierten TV-Pläne der Konzern wirklich verfolgt.

Die Apple-TV-App, so berichtet es aktuell auch der US-Sender CNBC unter Berufung auf Brancheninsider, dürfte dabei als Vehikel für das exklusive Apple-Programmangebot dienen. Sie ist auf allen iPhones und iPads vorinstalliert. Eigentlich bündelt sie derzeit „nur“ Abo-Apps wie SkyTicket, Netflix, Amazon Prime Video mit iTunes-Angeboten und der iTunes-Bibliothek eines Users. Doch auch die Quellen von CNBC sprechen davon, dass Apple die TV-App künftig als Portal für Gratis-Filme und -Serien nutzen könnte. Zusätzliche kostenlose Film- und TV-Inhalte für Käufer eines iPhones und/oder iPads – das könnte ein zusätzlicher Kaufanreiz sein, sich die Geräte von Apple zuzulegen.

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Alles spricht dafür, dass Apple genau diesen Masterplan hat. Apple goes to Hollywood.

Apples Personalkarussell rotiert

Fast kein Tag vergeht, an dem Apple nicht irgendeine Personalie bzw. einen Neuzugang in diesem Bereich verkündet. Das Personalkarussell hatte im Juni 2017 richtig Fahrt aufgenommen: Mit Jamie Ehrlicht und Zack Van Amburg heuerten zwei bekannte TV-Experten von Sony bei Apple an. Ehrlicht und Van Amburg waren bei Sony verantwortlich für TV-Serien wie Breaking Bad, Better Call Saul oder The Crown. Ihre Spezialität: Großprojekte zu Blockbustern machen.

Zu Beginn war ihre Arbeitsplatzbeschreibung noch recht diffus. Doch in den folgenden Wochen kristallisierte sich heraus, dass Apple immer weitere Brancheninsider verpflichtete, die in der Regel dem Erfolgsduo Ehrlicht/van Amburg unterstellt zu sein scheinen. Gemeinsam basteln die TV-Größen offenbar am „next big thing“, nämlich Apple auch big im TV-, Film- und Seriengeschäft zu machen.

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Einige prominente Beispiele weiterer Neuzugänge:

Im Dezember 2017 verpflichtete Apple Michelle Lee, die zuvor bei Universal Television für Erfolgsprogramme wie Rise, The Path, About a Boy und Pure Genius verantwortlich zeichnete und auch an der Produktion von Sleepy Hollow und Fringe beteiligt war.

Ebenfalls kurz vor Weihnachten 2017 wechselten drei prominente Experten von den Amazon Studios zu Apple: Neben Tara Sorensen, die als Spezialistin für Kinderprogramme gilt, unterschrieben in Cupertino Carina Walker (Schwerpunkt: internationale Produktionen) und Tara Pietri (Insiderin für Rechteverhandlungen).

Als Kreativchefin für europäische TV-Inhalte zog Apple Jay Hunt vom britischen Sender Channel 4 an Land. Hunt verantwortete bei Channel 4 Hit-Serien wie Black Mirror, Luther, Sherlock oder Humans. Unter Hunts Führung gewann Channel 4 im Jahr 2014 den Preis als „Sender des Jahres“.

Das ewige Gerücht vom Apple-Fernseher

Nur drei von vielen Wechselbeispielen, die in der Branche insgeheim nicht nur für Stirnrunzeln sorgen, wie Apple denn nun aus diesem Personal-Puzzle ein schlagkräftiges Produkt entwickelt, sondern auch Angst auslösen. In dem Wissen, dass Apple schon viele Bereiche unseres Lebens revolutioniert hat und einstige Marktführer und deren Produkte beinahe vom Markt verschwunden sind: Der iPod leitete das Ende der CD ein, der iTunes Store veränderte die Art, wie du Filme schaust, das iPhone läutete das Ende der kleinen Digitalkameras ein. Und so weiter, und so Apple.

Aber Fernsehen? Fernsehen! „I finally cracked it“, soll Steve Jobs kurz vor seinem Tod, ja fast auf dem Sterbebett, seinem Biografen Walter Isaacson anvertraut haben. Gemeint war laut Isaacson das Rätsel, was ein modernes Fernsehgerät von Apple leisten müsse, damit es die Marktführerschaft übernehmen könne. Isaacson irrte. Jobs meinte nicht das Gerät an sich, sondern die Art des Fernsehens, wie sich später zeigte.

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Gerüchte um das Apple TV-Gerät gibt es seit Jahren (Foto: Apple)

Lange noch hielten sich hartnäckig Gerüchte, Apple werde tatsächlich ein TV-Gerät auf den Markt bringen. Im August 2017 tauchten im chinesischen Weibo-Netzwerk mysteriöse Schnappschüsse auf. Der Verdacht: Es handelt sich um den ersten OLED-Fernseher von Apple. Das vermeintliche Testgerät mit 560-Zoll und schmalem Metallrahmen hatte etwas Ähnlichkeit mit einer Sony PlayStation und einem iMac, auf der Rückseite war ein Apple-Logo zu sehen. Die Branche bekam Schnappatmung, der Kurs der Aktie schoss kurz hoch, doch bis heute hat niemand ein serienreifes Modell des Testgeräts im Handel gesehen.

Und erst im Mai dieses Jahres erhöhten die Analysten des Bankhauses RBC Capital das Kursziel der Apple-Aktie mit der Begründung, ein eigener Apple-Fernseher werde den Aufwärtstrend des Papiers unterstützen. Mal sollte das iPad mini (inzwischen nach der 4. Generation eingestellt) als Hub für einen eigenen Apple-Fernseher dienen. Mal (schon 2014) patentierte Apple beim US-Markenamt ein Rundum-Glas, das sogenannte Insider gleich für den Rahmen des ersten Apple-Fernsehgeräts hielten. Und so reihten sich all diese Spekulationen in das zähneknirschende Dementi ein, in dem der bekannte Analyst Gene Munster von Piper Jaffry gegenüber dem Wall Street Journal schon 2015 einräumte: „Ich glaubte an einen Fernseher von Apple. Sorry. 2011 lag ich falsch, 2012 auch, 2013 auch, 2014 auch und 2015 gebe ich auf.“

An diesen TV-Events arbeitet Apple - angeblich

Munster gab auf. Apple natürlich nicht.

Mit den wilden Wechselspielen von Produzenten, Experten und TV-Insidern nach Cupertino war es nicht getan. Apple musste mit dem neuen Personal natürlich auch eine Content-Strategie hinter den Kulissen entwickeln. Alle Expertise hilft nichts, wenn das Endprodukt nicht beim Kunden ankommt.

Und so liest sich denn die Liste der Film- und Serienprojekte von Apple ebenfalls wie ein Who is Who der Branche. Familienfreundlich (eher "No Sex" bei Apple, das ist bekannt), informativ, unterhaltsam. Und moralisch unbedenklich – ein Projekt zu einem Elvis-Film wurde von Apple unverzüglich ad acta gelegt, als der ausführende Produzent Harvey Weinstein nach Vorwürfen zahlreicher Frauen, er habe sie belästigt oder vergewaltigt, in Erklärungsnot und gerichtliche Ermittlungsverfahren geriet.

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Auf dem iPad und iPhone ist die Apple TV-App schon vorinstalliert (Foto: Apple)

Auszüge der ganzen Bandbreite von Film über Serie bis zu Doku und Konzert, an denen bei Apple – auch in den frisch angemieteten legendären Culver-Filmstudios in Hollywood – derzeit gewerkelt wird:

  • Mit Steven Spielberg wird ein Remake des 1980er-Kults Amazing Stories produziert.
  • Mit Home sicherte sich Apple die Rechte für eine 10-teilige Staffel über besondere Häuser mit Schwerpunkt Design und Architektur.
  • Mit NBA-Star Kevin Bryant, einer Basketball-Legende, arbeitet Apple an einer neuen Serie.
  • Auch die legendären Monty-Python-Mitglieder dienen Apple offenbar als Inspiration: Aus Terry Gilliams Kultfilm Time Bandits wird Apple als Remake eine ganze Serie produzieren.
  • Mit Reese Witherspoon und Jennifer Aniston hat Apple gleich zwei Top-Stars für eine neue Comedy-Serie mit insgesamt 20 Teilen verpflichtet. Dabei soll Witherspoon laut dem Branchenportal Hollywood Reporter allein 1,25 Millionen Dollar pro Folge kassieren.
  • Apple wurde nachgesagt, die weltweiten Rechte am James Bond-Franchise ergattert zu haben.

Weitere Namen und Projekte auf der Apple-Einkaufsliste über die letzten Monate: die Doku Losing Earth: The decade we almost stopped climate change, die Tier-Doku Die Elefanten-Königin über das Aussterben der Dickhäuter, Comic-Serien wie Wolfwackers, das Zukunftsdrama See mit Star-Regisseurin Francis Lawrence (The Hunger Games), Kinderprogramme mit den Machern der Sesamstraße, ein Mehrjahres-Vertrag mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey und deren Produktionsfirma, ein Comedy-Drama namens Little Voice, co-produziert von J.J. Abrams (Star Wars, Lost), die Comedy-Serie Dickinson, u.a. besetzt mit The Unbreakable Kimmy Schmidt-Star Jane Krakowski, eine Thriller-Serie, von M. Night Shyamalan und eine Science-Fiction-Serie, erdacht von Ronald D. Moore (Battlestar Galactica) sowie Matt Wolpert und Ben Nedivi, die für die TV-Adaption von Fargo verantwortlich zeichneten.

Die Liste ließe sich noch beinahe endlos verlängern. Laut Apple Senior Vice President Eddy Cue könne sich Apple sogar „eine Art eigenes Game of Thrones“ vorstellen.

Im Frühjahr könnte es losgehen

Apropos Eddy Cue: Während Apple generell wenig Offizielles zu seinen Fernseh-Content-Plänen preisgibt, hat sich Eddy Cue bei einer Podiumsdiskussion des TV-Senders CNN immerhin einmal, ein einziges Mal, eindeutig positioniert, als er im März orakelte, Apple werde „all-in“ gehen. Apple wolle „eigene Geschichten“ erzählen. Daher sei eine Übernahme eines Unternehmens wie Netflix auch „eher unattraktiv“.

Eddy Cue
Apple Senior Vice President Eddy Cue (Foto: Apple)

Exklusive Gratis-Inhalte für iPhone- und iPad-Besitzer, auch um die Wachstumsdelle im Smartphone-Markt zu kompensieren: eine Idee, die vielversprechend ist, wenn auch teuer. Doch Apple verfügte zuletzt allein über 285 Milliarden Dollar Barreserve. So ist es kaum verwunderlich, dass Insider davon sprechen, Apple werde allein im Jahr 2018 etwa 1 Milliarde Dollar in exklusive TV-Inhalte investieren.

Der Start des ambitionierten TV-Projekts dürfte bei Apple im Frühjahr anstehen.

Und nachdem CNBC berichtet hat, dass wirklich all dies gratis anzuschauen sein könnte, gibt es bei Apple-Usern, die bisweilen ja nicht mal einen Adapter gratis in der Verpackung finden, trotzdem noch genug Diskussionsbedarf. Kostenlose Angebote sind natürlich immer gern gesehen, doch in der Apple-Community geht derzeit noch die innere Angst der Querfinanzierung um. Nach Bekanntwerden der Gratis-Pläne etwa schrieb der offensichtlich übernervöse Apple-Geräte-Nutzer Öczan in einem Internet-Thread: „Doch, wird’s bestimmt gratis geben, aber jetzt kommt das Aaaaber. Die iPhones und iPads werden dann viel teurer. Ist der TV-Dienst gratis, kostet bald das kleinste iPhone 1999 Euro und das größte 2999 Euro...“

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