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(Bild: Getty Images)
Apple Apps Algorithmus

App Store: So frech pushte Apple seine eigenen Produkte

Ärger in Cupertino: Die "New York Times" hat in einer großangelegten Recherche herausgefunden, dass Apple seine eigenen Apps im App Store bevorzugt und damit den Wettbewerb behindert hat. Das Unternehmen will davon nichts gewusst haben.

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Die Top-Treffer in den App-Store-Suchergebnissen gehören zu den am meisten umkämpften Plätzen in der Online-Wirtschaft. Der Store erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Zwei Drittel der App-Downloads begannen mit einer Suche und die Suchergebnisse sind unter anderem der Grund, warum Apple im Mittelpunkt von Kartellbeschwerden in den USA, Europa und Russland steht.

Laut der New York Times soll der Konzern jahrelang seine eigenen Apps bei der Auflistung der App-Store-Suchergebnisse bevorzugt haben, auch wenn diese weniger populär waren. Der Bericht baut auf Daten der Analyse-Firma Sensor Tower auf, welche die Suchergebnisse aus insgesamt sechs Jahren untersucht und bewertet hat. Demnach erschienen die Apple-Apps für rund 700 Suchbegriffe seit Jahren auf dem ersten Platz unter den Suchtreffen. Teilweise hätten diese nicht mal was mit der Suchanfrage zu tun gehabt.

Wie die New York Times skizziert, wären bei Nutzern, die den App Store im Mai 2018 geöffnet und "Podcast" in das Suchfeld eingegeben hätten, folgende organische Ergebnisse angezeigt worden:

Apple Podcast

Apple Compass-App

Find-my-Friend-App

Bei einigen Suchanfragen wurden demnach bis zu 14 Apple-Apps angezeigt, bevor die Ergebnisse von Konkurrenten platziert wurden.

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Kritik aus der Politik #BreakUpBigTech

Bezugnehmend auf den Bericht der "New York Times" twitterte die US-Senatorin und Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren, Apple sei zu mächtig:

Mit den Ergebnissen der Analyse konfrontiert, gaben zwei leitende Angestellte von Apple im Gespräch mit der "New York Times" zu, dass die Trefferlisten vieler häufiger Suchanfragen im App Store seit mehr als einem Jahr mit den firmeneigenen Apps hinterlegt wurden.

Philip Schiller, Senior Vice President von Apple und Eddy Cue, Senior Vice President von Apple, sagten der Zeitung, das Unternehmen habe die Suchergebnisse aber nicht manuell geändert, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Stattdessen könnten sich Apple-Apps aufgrund ihrer Beliebtheit und der Tatsache, dass ihre generischen Namen häufig weitgehend mit den allgemeinen Suchbegriffen übereinstimmen, im Allgemeinen gegen die Mitbewerber durchsetzen.

"Es gibt nichts an der Art und Weise, wie wir die Suche im App Store durchführen, um Apples Downloads unserer eigenen Apps voranzutreiben", sagte Schiller. "Wir präsentieren die Ergebnisse basierend auf den Erwartungen des Nutzers." Das kommt Apple nicht immer zugute. Die Suche nach "Office" gibt beispielsweise eine Reihe von Microsoft-Apps zurück, da der Algorithmus erkennt, dass nach Microsoft Office-Tools gesucht wird.

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Apple: Algorithmus im App Store geändert

Die Führungskräfte gaben auch an, dass das Unternehmen den Algorithmus inzwischen so angepasst habe, dass weniger eigene Apps oben in den Suchergebnissen erschienen. Diese Änderung sei schon im Juli 2019 erfolgt. Dabei handele es sich allerdings um keine Korrektur, sondern um eine Verbesserung. Der Algorithmus habe ordnungsgemäß funktioniert. Tatsächlich fielen viele Apple-Apps nach dem 12. Juli in der Rangliste der beliebten Suchanfragen stark ab. Die Top-Ergebnisse für "TV" beispielsweise gingen von vier Apple-Apps auf zwei zurück.

Die Analyse der App Store-Daten durch die Times, die seit 2013 Platzierungen von mehr als 1.800 spezifischen Apps in 13 Stichwörtern umfasste, verdeutlichte den Einfluss und die Undurchsichtigkeit der Algorithmen, die die Plattformen von Technologieunternehmen stützen.

Mithilfe dieser Algorithmen können die Konzerne entscheiden, welche Apps installiert sind, welche Artikel gelesen und welche Produkte gekauft werden. Wie genau diese Algorithmen im Detail funktionieren, das wird von Firmen wie Apple nur selten erläutert. Der Grund: Es gäbe Betrüger, die diese Informationen ausnutzten, um den Algorithmus zu manipulieren.

Apple ließ lediglich verlauten, dass der Algorithmus 42 verschiedene Signale untersuche, einschließlich der Relevanz einer App für eine bestimmte Suche, ihrer Bewertungen und ihrer Beliebtheit basierend auf Downloads und Klicks von Nutzern.

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Konzern will von nichts gewusst haben - und bekommt Ärger mit der Justiz

Wie die New York Times schreibt, hätten die zuständigen Apple-Entwickler nach eigenen Aussagen nicht bemerkt, dass die hauseigenen Anwendungen die Suchergebnisse dominieren. Der Zeitung zufolge seien Ende 2018 bei der Suche nach "Music" unter den ersten zehn Treffern acht Apple-Apps gewesen, darunter Apps wie iMovie und Clips, die wieder nichts mit der Suchanfrage zu tun hatten. Konkurrent Spotify sei dadurch auf Platz 23 abgerutscht.

Der schwedische Streaming-Anbieter reichte daraufhin eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission ein, die eine kartellrechtliche Untersuchung veranlasste. Auch das amerikanische Justizministerium setzt sich mittlerweile mit einer möglichen Monopolmacht Apples auseinander. Zudem muss sich der Tech-Gigant in einer Kartellrechtsklage vor dem Obersten US-Gerichtshof rechtfertigen. Mehrere Entwickler werfen Apple vor, seine Monopolmacht ausgenutzt zu haben, um die Preise für iPhone-Apps mit einer erhobenen 30-Prozent-Pauschale künstlich zu erhöhen.

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Die neuen iPhones werden in diesem Herbst von Apple ins Rampenlicht gerückt. Doch die Smartphone-Sparte schwächelt, die Verkäufe rutschten zuletzt stärker als gewohnt ins Minus. Mit einem Strategiewechselwill sich der Konzern für die Zukunft rüsten. Ob der Plan aufgeht, erfährst du jetzt im aktuellen LEAD Bookazine 3/2019.

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