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Transformation Digitalisierung New Work

Das Leben außerhalb der Komfortzone

Der Weg zur Transformation beginnt bestenfalls nicht mit der Frage „Kann ich das?“ – sondern mit der Frage „Was ist das Schlimmste, was passieren könnte?“

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Im April 2011 saß ich um vier Uhr morgens auf einem riesenhaften, herzförmigen, roten Samtbett in einem chinesischen Bordell einer kleinen thailändischen Hafenstadt und versuchte mein Handy zu reparieren. Nicht was du jetzt denkst, keine Sorge: Ich machte Urlaub. Ich hatte meinen Job beim österreichischen „Standard“ gekündigt und einige Monate Zeit, bevor ich mein Fellowship an der Stanford University in Kalifornien beginnen würde, und ich hatte beschlossen zu tun was ich mich bisher nie getraut hatte – alleine mit dem Rucksack durch Südostasien zu reisen.

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Anita Zielina gehört zu den renommiertesten Expertinnen für digitale Medien im deutschen Sprachraum

Das Schöne an so einer Reise ist: Man weiß nie, was als Nächstes passiert. Das Schlimme an so einer Reise ist: Man weiß nie, was als Nächstes passiert.

Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle war ich im einzigen Hotel des Ortes gelandet, das sich durch halb­seidene Besucher, geräuschdurchlässige Wände und zweifelhafte Sauberkeit auszeichnete, und du kannst dir sicher vorstellen, dass ich schon bessere Nächte in meinem Leben hatte.

Aber: Rückblickend war es ein großes Abenteuer, und die Geschichte bringt mich heute noch zum Lachen. Die ganze Reise war ein einziger Schritt raus aus der Komfortzone, und voll von positivem Adrenalin. Mit der Komfortzone ist es so eine Sache. Sie ist warm, weich und gemütlich, quasi die personifizierte Couch mit Pizza und Netflix am Sonntagabend.

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Der Raum der „optimalen Angst“

Oder, etwas wissenschaftlicher ausgedrückt: Unsere Komfortzone ist einfach der Verhaltensraum, in dem unsere Aktivitäten und Verhaltensweisen zu erlernten Routinen passen, die Stress und Risiko minimieren. Wir tun also, was wir kennen und können. Die Folge: Ein Zustand der psychischen Sicherheit und Zufriedenheit mit wenig Angst oder Stress. Kein Wunder, dass es eine normale menschliche Tendenz ist, es sich in der Komfortzone gemütlich zu machen.

Das Problem: Je länger man es sich auf der sprichwörtlichen Couch bequem macht, desto schwerer ist es sich aufzuraffen und sie zu verlassen. Dabei wartet draußen die ganze Welt auf uns: Reisen in unbekannte Länder, neue Menschen und Kulturen, unerwartete Jobs und andere Herausforderungen.

Aus beruflicher Sicht gibt es gute Gründe, manchmal den Schritt ins Unbekannte zu wagen. Studien zeigen, dass gerade kreative Leistung ein gewisses Grundlevel an Unsicherheit braucht, Psychologen nennen das den Raum der „optimalen Angst“.

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Wie bitte?

Noch nie gab es so viele Möglichkeiten zu kommunizieren. Wie Unternehmen es dennoch schaffen, ihre Botschaft erfolgreich zu vermitteln? Das LEAD Bookazine 4/2018 gibt unter anderem Tipps für den Einsatz von Voice-Skills, UX und Change-Management im Arbeitsleben. So gelingt Kommunikation – ohne Missverständnisse.

Mit der Unsicherheit umgehen

Wir haben verlernt, mit dieser Unsicherheit umzugehen, dabei ist es doch so: Wer einen neuen Job annimmt und sich sicher ist, schon alle Kenntnisse dafür mitzubringen, der verkauft sich unter Wert. Klar, die Versuchung ist manchmal groß, sich zu fragen: „Kann ich das überhaupt?“ Ich versuche gerne, die Frage umzudrehen: „Was ist das Schlimmste, was passieren könnte?“ Meistens, das kann ich dir versprechen, ist es gar nicht schlimm.

Ich jedenfalls habe in der Nacht im chinesischen Bordell gelernt, ­­das Leben außerhalb meiner Komfort­zone zu schätzen.

Anita Zielina gehört zu den renommiertesten Expertinnen für digitale Medien im deutschen Sprachraum. Sie war Digitalchefin der „Neuen Zürcher Zeitung“ und Vizechefredakteurin von „Stern“ und „Standard“ und dort für Innovation und Transformation zuständig. 2012 absolvierte sie ein Knight Fellowship an der Universität Stanford und befasste sich dort mit Innovationsmanagement. Ab 2019 wird sie als Director Leadership & Innovation an der New Yorker City University gemeinsam mit Jeff Jarvis eine Reihe neuer Executive-Programme aufbauen, die Führungskräfte in Medien fit für das Managen der digitalen Transformation machen sollen.

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