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App Store: Geht der Trend hin zu Abo-Käufen?

Ist die Zeit der Einmalkäufe in den App Stores bald ganz vorbei? Vor allem Entwickler in Apples App Store setzen immer häufiger auf Abos. LEAD erklärt die Hintergründe – und was noch schief läuft.

Bitte zahlen: Die Abo-Lawine rollt (Bild: Unsplash)
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Das war Ende Juli eine Überraschung für regelmäßige Besucher des Apple App Stores: Die beliebte Produktivitäts-App PDF Expert stand plötzlich in einer neuen Version 7 bereit. Dabei hatte die ukrainische Entwicklerschmiede Readdle die neue Anwendung gar nicht kommuniziert, weder in den Medien noch bei Usern. Wer diese Version 7 des mächtigen PDF-Verwaltungs- und Bearbeitungs-Tools dann auf sein iOS-Gerät geladen hatte, staunte nicht schlecht:

Während die Vorgängerversion PDF Expert 6 für eine Einmalzahlung von 10,99 Euro alle Pro-Features beinhaltete, wurde v7 plötzlich mit einem Abo ausgestattet, für den Fall, dass der Nutzer Pro-Funktionen wünschte. Der stolze Preis war selbst für hartgesottene App-Käufer ein Schock: 52,99 Euro sollten User für die Pro-Version zahlen.

Aber nicht etwa als Einmalzahlung – was auch schon einer Preissteigerung von 400 Prozent gegenüber dem Vorgänger v6 entsprochen hätte. Sondern pro Jahr. Alle 12 Monate 52,99 Euro. Wären auf fünf Jahre hochgerechnet mal eben rund 260 Euro...

Pdf Expert 7 Ansicht
Die neueste Version der Readdle-Software PDF Expert 7 (Foto: Hersteller)

52,99 Euro jährlich für eine gute Software-Anwendung? Das ist eine neue Dimension in Apples App Store. Aber keine, die Insider verwundert.

Abos liegen im Trend – seit einigen Wochen noch mal verstärkt. So vermeldete Mixcloud, eine App für DJ Mixes und bisher kostenlos, jüngst: Wir steigen aufs Abo-Modell um. Und reihte sich damit in die Schlagzeilen der letzten Wochen ein. Nur eine kleine Auswahl der Headlines: Heimlich durch die Hintertür: Scanbot wechselt zum Abo. Airmail: Beliebte Mail-App wird zum Abo und kassiert 1-Sterne-Bewertungen. Oder QuarkXPress: Beliebte Design-App jetzt auch als Abo-Version.

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Einmalkäufe bringen nur einmal Geld

Die neue Abo-Welle ist gewollt. Von allen Beteiligten. Bringt sie denen doch Vorteile, während der Kunde Nachteile hat. Er wird regelmäßig neu zur Kasse gebeten.

Zweifelsohne: Die Entwicklung von leistungsfähiger Software oder aufwändigen Games kostet eine Menge Geld und Energie. Gute Entwickler werden auf dem Arbeitsmarkt händeringend gesucht. Die Refinanzierung muss stimmen.

So hat Apple in nichtöffentlichen Sitzungen mit angesagten Entwicklern die Problematik ausgiebig durchdiskutiert. Bilanz: Einmalkäufe von Apps bringen einmal Geld und dann nie wieder. Abos bringen immer wieder Geld, jeden Monat füllt sich die Kasse.

Nicht nur die der Entwickler. Natürlich auch die des Konzerns. Denn Apple erhält von allen Transaktionen 30 Prozent, der Entwickler 70 Prozent. In Zeiten schleppender iPhone-Käufe profitiert also auch Cupertino und kann die Finanzergebnisse seiner Service-Sparte weiter nach oben schrauben. Mehrwert, der leicht verdient wird. Denn Abos erfordern keinen Aufwand seitens Apple, um zu verdienen. Es zahlt nur einer.

Fehler im (Abo-)System

Entwickler tun sich mit der neuen Abo-Welle noch schwer und werden abgestraft. Beispiel: Ulysses. Die mächtige und nebenbei ausgezeichnete Software für Vielschreiber wie Journalisten, Dichter und andere Autoren hatte schon vor Monaten auf ein Abo umgestellt, kassierte dafür reihenweise 1-Sterne-Bewertungen. Mittlerweile hat sich die Lage aber beruhigt.

Peinlich hingegen das Beispiel Airmail. Mit hunderten 1-Sterne-Bewertungen machten sich verärgerte User wegen des neu eingeführten Abos Luft. Die ehemalige 4-Sterne-App kämpft seit Tagen mit der 2-Sterne-Marke.

Wie unorganisiert so mancher Entwickler in die eigene Abo-Falle tappt, zeigt auch das Beispiel Readdle mit der eingangs erwähnten neuen Version 7 für PDF Expert. Dass die v7 ohne das übliche Mediengetöse als sogenannter "Soft Launch" im App Store startete, dürfte seinen Grund gehabt haben. 52,99 Euro für 1 Jahr – das muss erst mal ausprobiert werden. Was also, wenn eifrige App-Store-Besucher die Version "einfach so" im Store beim Stöbern entdecken? Wie werden sie reagieren? Einerseits erfreut, dass eine neue Version bereitsteht. Andererseits: Werden die ersten Entdecker klaglos das Abo für 52,99 Euro pro Jahr abschließen?

Wirrwarr um die Abo-Versionen

Das Ergebnis überrascht nicht: PDF Expert 7 wurde noch vor dem offiziellen Launch im App Store von den ersten Nutzern abgestraft. Die Folge: eine Lawine von 1-Sterne-Bewertungen und Unklarheiten, wie Nutzer der v6 beim erstmals aufgetauchten Abo der v7 behandelt werden.

Und Readdle wurde aktiv. Auf seine Art. Am Release-Tag der neuen Version 7 verschwand die eigenständige App mit Version 7, überschüttet mit 1-Sterne-Bewertungen, plötzlich so heimlich aus dem Store, wie sie ein paar Wochen zuvor heimlich reingekommen war.

Nicht offiziell zu beweisen, aber wohl Fakt: Die 1-Sterne-Lawine für v7 veranlasste Readdle offenbar dazu, die "Hate"-Version ganz aus dem Store zu nehmen und v7 der aktuellen Store-Version von v6 einfach überzustülpen. Wer v7 wollte, musste v6 aktualisieren. v6, jene App, die – aus der Vergangenheit – mit einer satten 4-Sterne-Bewertung ausgestattet war.

Air Mail I Os App
Airmail gehört zu den beliebtesten Mail-Clients, die von Drittanbietern entwickelt wurden (Foto: Airmail)

Doch zurück zu Airmail. Auch die Neu-Abo-App, ein Drittanbieter-Mail-Client mit spannenden Features, die Apples hauseigene Apple-Mail-App so nicht bietet, legte einen Fehlstart mit 1-Sterne-Quittungen hin.

Dumm gelaufen: Man hatte einfach das Abo eingeführt, aber nicht mal für wenigstens ein neues Feature gesorgt, das Abo-Interessanten womöglich doch anlocken könnte. Das wurde nach negativen Kritiken erst anderthalb Wochen später nachgereicht. Mit farbigen Themes, die hastig programmiert schienen und mittlerweile mehrfach optimiert werden mussten. Und auch der reibungslose Sync der Mails über alle Plattformen (iPhone, iPad, macOS) gelang den Machern nicht. Bis heute.

Was fehlerfrei lief: die schnelle Abbuchung der (immerhin im Vergleich zu PDF Expert) humanen 9,99 Euro Abo-Gebühr pro Jahr.

Der Abo-Wahn geht auch in anderen Bereichen weiter

Der holprige Abo-Start der beschriebenen Apps dürfte aber erst der Anfang einer viel längeren Abo-Welle werden. Mit Abos in Apps ist es für technikbegeisterte User und Nerds noch lange nicht getan. Im Herbst launcht das Abo für Apple TV+, die Netflix-Konkurrenz mit hochwertigen Serien, wie Apple verspricht. Preis noch unbekannt. Gamer könnte ab Herbst auch das Abo für Apple Arcade, die Flatrate für Games, interessieren.

Google Stadia, der im Herbst startende Abo-Streaming-Dienst für Games von Google könnte ebenfalls spannend sein. Und in den USA geht Disney mit Disney+ on Air. Ein weiterer Abo-Streamingdienst. Wiederum als Konkurrenz zu Apple TV+.

Es gibt ja auch noch die monatliche Umweltkarte zum Flatrate-Fahren im Öffentlichen Nahverkehr, Telekom/Vodafone-"Router-Abo" zum Telefonieren und Surfen, GEZ-Gebühren für die Öffentlich-Rechtlichen...

Zeigt: Abos haben auch ihre Grenzen. Wer sich die letzten Wochen anschaut, hat das Gefühl: schon jetzt!

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