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Schauspieler Axel Milberg hat für Amazon Echo den Skill "Axel Milberg" erzählt Witze eingesprochen (Bild: Michaela Rehle)
KI Voice Gadgets

Alexa, kennst du den schon?

Der Schauspieler Axel Milberg hat für Amazon Echo einen Witzeskill eingesprochen. LEAD hat mit ihm über die ­Faszination für Ton und Klang, KI und den Beruf des Schauspielers gesprochen. Mit dabei ist Milbergs Stiefsohn Julius Betzler, der den Skill programmiert hat.

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Borowski ist kein Typ, der Witze erzählt. Der Schauspieler Axel Milberg, der den Kieler "Tatort"-Kommissar Klaus Borowski spielt, schon. Gemeinsam mit Julius Betzler, dem Sohn von Milbergs Frau Judith, hat er für die Amazon-KI Alexa den Skill "Axel Milberg erzählt Witze" entwickelt. Ihn stellt er auf einer Abendveranstaltung bei der Agentur Serviceplan vor. Im Publikum vor ihm eine Menge Business-Menschen, die darauf warten, dass "Borowski" sie zum Lachen bringt.

Milberg gilt als Schöngeist, soll tausende Bücher in seinem Münchner Haus aufbewahren. Wie passt ein Witzeskill in dieses Bild? Eigentlich hatte Milbergs Stiefsohn Julius Betzler die Idee, der mit seinem Unternehmen auch Voice-Skills entwickelt. Alexa gilt gemeinhin als relativ humorlos. Betzler wollte ausprobieren, was passiert, wenn nicht Alexas Roboterstimme, sondern ein echter Mensch spricht und Witze erzählt. Praktisch, dass er mit Milberg, der nicht nur Schauspieler, sondern auch Hörbuchsprecher ist, den perfekten Partner schon in der Familie hat.

Milberg selbst hat eine Faszination für Ton und Klang. Klar bringt das sein Beruf mit sich. Aber eben nicht nur. Zum Beispiel knipsen die Milbergs zu Hause das Licht mit eigens angebrachten alten Knöpfen an. Das klackende Geräusch alter Lichtschalter erinnert Milberg an seine Kindheit.  Was den Humor des Schauspielers betrifft, wird das Publikum bei der Premiere des Alexa-Skills dann auch nicht enttäuscht. Zum Einstieg gibt er eine Kostprobe seines ganz persönlichen Witzerepertoires. Einer geht so: Ein Italiener klingelt an der Haustüre seiner Freundin. Der Vater fragt: "Was?" Darauf der Italiener: "Ciao, ich bin Umberto und ich bin gekommen um ihre Tochter zu v…" Der erboste Vater erwidert: "Um was?" "Umberto."

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Herr Milberg, wie viele Witze haben Sie für Alexa eingesprochen?

Axel Milberg 20 vielleicht. Und die meisten hat Amazon nicht akzeptiert. Wo ein Witz doch davon lebt, dass man Tabus bricht. Da geht es gegen die Ostfriesen, da geht es gegen Doofe, da geht es gegen die Moral. Fällt das weg, bleibt nicht mehr viel übrig. Außer ganz lieben, harmlosen Witzen.

Waren Sie enttäuscht?
Milberg Ein bisschen.
Julius Betzler
 Amazon hat tatsächlich ­13 Mal abgelehnt.

Wie würden Sie Alexas Charakter denn beschreiben? Lustig ist sie ja nicht.
Milberg Sie zeigt eine große Präsenz und Wachheit, ist sehr aufmerksam, zugewandt und hilfsbereit. In ihrem begrenzten Bereich bietet sie das volle Programm an.
Betzler
Wir haben doch einmal zu ihr gesagt: "Alexa, zieh dich aus!" Und sie darauf: "Das kann ich leider nicht."

Womit wir bei dem Thema Amazon und Moral wären.
Milberg
Man kann mir nicht erzählen, dass die Dialogsituation immer so ideal ist, wie von Amazon vorgegeben. Gerade in Julius’ Alter will man Grenzen austesten, hören, wie verästelt die Möglichkeiten ihrer Antworten sind.

Trotzdem kann man schon eine Art Beziehung zu Alexa aufzubauen. Stimme spielt dabei eine große Rolle.
Milberg
Nun ja. Dazu fehlt ihr noch die Wärme. Die Modulationsfähigkeit. 

Was bedeutet Modulationsfähigkeit?
Milberg
Menschen bilden mit ihrer Stimme die Varianten der menschlichen Emotion ab: Von erschrocken über humorvoll bis hin zu sachlich, nachdenklich oder hilfsbereit. Das sind Nuancen. Wir Menschen haben zuerst ein Gefühl. Und dann sprechen wir. Das Gefühl legen wir unbewusst in unsere Sprache. Alexa reagiert zwar, wenn ich mit ihr spreche. Ihre Emotionen bleiben aber immer gleich. Und das ist die Gefahr bei Alexa, bei Amazon Echo: Ein Echo ist uns zu wenig. Denn es ist künstlich. 

Die Künstlichkeit in Alexas Stimme lehnen viele ab.
Milberg Das Publikum wird sich teilen: in die, die finden, dass sie künstlich bleiben kann und in die anderen, die sich menschliche Nuancen und Lebendigkeit wünschen.

Und wie könnten sich die Dinge entwickeln, sollte Alexa menschlicher klingen?
Milberg Dann könnte die künstliche Intelligenz am Ende womöglich den Partner ersetzen. Vereinsamung oder Gesellschaft? Wird man sehen ... Sie haben ja einen akustischen Partner, der sehr eifrig und immer verfügbar ist. Aber gut, solche Diskussionen müssen jede technische Innovation begleiten.  

Gesetzt den Fall, man bewertet die Liebe zu einer KI als schlimm.
Milberg  Julius, du hast mir die gleiche Frage gestellt …
Betzler Ich glaube ja nicht, dass das schlimm ist.
Milberg Das ist wirklich eine hochinteressante Frage. Ich glaube, es ist schlimm bei einem Menschen, der aus dieser Einsamkeit herauswill und herauskönnte. Und es ist nicht schlimm bei dem, der aus dieser Einsamkeit nicht herauskann – das muss man individuell abwägen.
Betzler Angenommen es gäbe ein System, das einen verstorbenen Partner komplett simuliert …

Eine Art KI-Klon des verstorbenen Partners, so wie in der Serie "Black Mirror"?
Betzler So ungefähr. Da wäre zum Beispiel dieses ältere Paar: Sie muss gepflegt werden, ihr Partner ist zwar gestorben, kann aber komplett virtuell simuliert werden. Somit hat die Ehefrau jemanden, mit dem sie den ganzen Tag reden kann. Die Alternative wäre, gar nicht zu reden. Was wäre jetzt daran schlimm?
Milberg Wir können das nicht beantworten. Man darf nur dem Einzelnen nicht die Energie nehmen, sich in neuen Situationen zu bewähren. Vielleicht auch einfach mal schüchtern und melancholisch in der Ecke zu stehen, anstatt sich in ein künstliches, akustisches Schlupfloch zu verziehen. Die Gegenwart und das Hier und Jetzt ist die Herausforderung, finde ich.

Es ist am Ende eine Frage der Ethik, ob wir von Maschinen ersetzt werden wollen.
Milberg Die Ethik entscheidet es aber nicht. Sondern der Markt und das Marketing – machen wir uns nichts vor. Es wird immer einen Angriff der Technik und ihrer Möglichkeiten auf das Individuum geben. Weil hinter der Technik immer jemand mit einem Businessplan steht. Und auf der anderen Seite stehen wir hinfälligen Menschen.

Wie meinen Sie das – die Hinfälligkeit der Menschen?
Milberg Zum Beispiel im Flugzeug, da liegen zwei Zeitungen, "Die Zeit" und die "Bild". Zu welcher der beiden greifen wir? Da packen wir meistens die "Bild" in "Die Zeit" und gehen so zu unserem Platz.

Sie auch?
Milberg Mache ich oft, ja. Ich lese beides. Die Verführung, dass wir da unserer Schadenfreude, Häme und Sensationslust folgen, also unseren sogenannten niederen Instinkten, ist sehr groß. Ein leichter Sieg für alle, die Produkte anbieten, die diese Instinkte bedienen.

Wie lässt sich das auf Alexa ­ummünzen?
Milberg Es ist wie immer – und das ist meine Überzeugung: Die Starken werden stärker, die Schwachen schwächer, die Klugen klüger und die Doofen doofer. Mit Alexa im Haus müssen wir uns weniger Herausforderungen stellen, das Leben wird bequemer. Warum sollte ein schüchterner Mann eine Frau ansprechen, sich womöglich blamieren, wenn er doch Alexa zu Hause hat. Mit ihr kann er auch reden, sie ist klug, berechenbar – und gibt ihm immer Recht.  

Hinter all diesen Geräten, von Siri über Alexa bis zu Google Home, steht ein kommerzielles Interesse.
Betzler Aber was ist denn daran schlimm? Die Meditations-App Headspace zum Beispiel ist zwar ziemlich teuer, hilft aber vielen Menschen. So einen Service könnte man auch sehr gut in einen Sprachassistenten integrieren.

Bei Alexa beispielsweise ist schon belegt, dass Kinder sogar ihr Essen mit ihr teilen wollen. Was halten
Sie hiervon?

Milberg Kinder bilden gerade in den ersten Lebensjahren ihre neuronalen Strukturen. Ich habe einem eineinhalbjährigen Kind, das die Stickereien auf einer Tischdecke wie bei einem Touchscreen auseinanderziehen und vergrößern wollte, auch nicht helfen können. Ich will nicht den Moralapostel geben. Aber da kommt man ins Grübeln.
Betzler Stimmt. Aber wie schon in der industriellen Revolution müssen wir auch heute bereit für Neues sein. Ich glaube, der nächste Schritt ist der Übergang vom biologischen zum synthetischen Menschen. Er macht weniger Fehler, man kann ihn unendlich lang durch den Weltraum schicken und so weiter. Der Mensch an sich wird quasi abgeschafft, aber nicht im negativen, sondern im evolutionären Sinne. 

Das klingt apokalyptisch. Fallen Ihnen auch positive Entwicklungen ein?
Milberg Sicherlich, zum Beispiel bei Alzheimerpatienten. Mich wollte ein Tontechniker schon vor Jahren um Hilfe bitten, der für sie ausgestorbene Geräusche aufzeichnet. Denken Sie nur an die Wählscheibe des Telefons, das Tippgeräusch einer Schreibmaschine. Das Zurückfallen in die Kindheit verleiht diesen Menschen innere Ruhe. Bleiben wir bei den guten Aspekten.

Apropos gute Aspekte. Welche ­ neuen Berufsfelder eröffnen Sprachassistenten denn Schau­spielern und Hörbuchsprechern?
Milberg
Julius, wo bräuchtet ihr uns?
Betzler Immer mehr Firmen beschäftigen AI-Dialogbeauftragte, die die Konversationen für die Dialogsysteme schreiben. Sie befassen sich zum Beispiel damit, wie der Bot reagiert, wenn er beschimpft wird.
Milberg Da braucht es ja fast mehr Drehbuchautoren als Schauspieler. Schade. Aber es stimmt schon. Man rollt ja immer mit den Augen, wenn Alexa verstummt.
Betzler Auch ein spannendes Thema, das wir ja schon einmal mit dir versucht haben: Von einer vorhandenen Stimme nehmen wir zehntausende Stunden an Tonaufnahmen auf. Und dann wandle ich diese Stimmaufnahmen in ein synthetisches System wie Alexa um, das jeden geschriebenen Text in meiner Lieblingsstimme vorlesen kann.

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Schauspieler Axel Milber und Julius Betzler haben gemeinsam einen Alexa-Skill entwickelt (Bild: Michaela Rehle)

Axel Milberg
Die meisten Fernseh­zuschauer kennen Axel Milberg als den Kieler "Tatort"-Kommissar Klaus Borowski. Die Rolle ist für den 61-Jährigen ein Heimspiel, er ist in Kiel aufgewachsen. Zuletzt sah man Milberg aber nicht nur im TV, sondern auf Netflix, in der Produk­tion "Berlin Station". Seine Karriere begann er allerdings beim Theater. Von 1981 bis 1998 war er Ensemblemitglied der Münchener Kammerspiele, dann wechselte er zum Film. Milberg spielte zum Beispiel in preisgekrönten Produktionen wie Helmut Dietls „Rossini”, Margarethe von Trottas „Hannah Arendt” oder Matti Geschonnecks „Liebesjahre”. Darüber hinaus nahm Axel Milberg zahlreiche Hörbücher auf, darunter mehrere Romane des schwedischen Autors Henning Mankell. Er ist mit der Kunsthistorikerin und Designerin Judith Milberg verheiratet. Die Milbergs sind eine echte Patchwork-Familie. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, er brachte ein Kind in die Ehe, sie zwei.

Julius Betzler
Der 28-Jährige lieferte den Technikpart für den Alexa-Skill "Axel Milberg erzählt Witze". Gemeinsam mit seinem Studienfreund Vincent Binder gründete Julius Betzler die Softwareentwicklungsfirma Galactic Web. 2016, als Facebook den Messenger für extern entwickelte Bots öffnete, gründeten die beiden das Unternehmen Smart Industries und die Plattform Firebot, mit der Unternehmen Bots erstellen können. Heute bieten die beiden Technologien rund um Chatbots, Voicebots und Machine-Learning-Applikationen an. Betzler studierte in Zürich, München und London Informatik und ­Wirtschaftswissenschaften.

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