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Der Experte rät: "Ein gesundes Misstrauen haben und sich nicht so schnell hinreißen lassen, irgendetwas zu kaufen, auszufüllen, zu beantworten oder überhaupt zu öffnen." (Foto: Stock Adobe)
Cybersecurity Datenschutz Phishing

Abgefischt und abgezockt: Wie man im Netz zum Opfer von Cyberkriminalität wird

Welche Maschen es bei Cyberkriminalität gibt und wie man sich davor schützen kann, erklärt Kriminalrat Arno Helfrich vom Polizeipräsidium München.​

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Nach einer 2017 durchgeführten Studie des IT-Sicherheitsunternehmens Norton by Symantec waren in den vorangegangenen Monaten 38 Prozent der deutschen Internet-User Opfer von Cyberkriminalität, durch die allein in Deutschland ein Schaden von 2,2 Milliarden Euro entstanden ist. Mit welchen Maschen es die Kriminellen versuchen und wie man sich davor schützen kann, erklärt Kriminalrat Arno Helfrich vom Polizeipräsidium München.

Wenn sich ein Opfer von Internetkriminalität an das Polizeipräsidium München wendet, geht es meistens um ein Delikt: "Betrügereien. Angefangen von Spam-Mails bis hin zum Verkauf von Dingen aus Fakeshops", sagt Arno Helfrich. Der Leiter der Abteilung Prävention und Opferschutz des Kommissariats 105 bei der Polizei München führt das vor allem auf einen Umstand zurück: "Im Internet kann man sich keinen persönlichen Eindruck machen und das Bauchgefühl spielt auch keine große Rolle."

Vorsicht vor Phishing-Mails

Und so passiert es immer wieder, dass Internetnutzer Phishing-Mails öffnen, mit denen Kriminelle an die Daten der User kommen wollen. "Das sind zum Beispiel E-Mails von angeblichen Banken wie Postbank oder Raiffeisenbank, bei denen möglicherweise schon im Begrüßungstext die ersten Fehler stehen", sagt Helfrich.

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Kriminalrat Arno Helfrich / Polizeipräsidium München

Dazu kommt eine unpersönliche Ansprache wie "Werter Herr" oder "Sehr geehrte Damen und Herren", eine holperige Sprache und die Aufforderung, bestimmte Daten einzugeben: Kontodaten, Geheimnummern, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse.

Mit diesen Daten können Kriminelle dann auf das Konto der Opfer zugreifen, online shoppen, einen Urlaub buchen, über die Funktion "Kennwort vergessen" Zugriffe ändern - die Möglichkeiten sind riesig. Diese Phishing-Mails sind meistens relativ leicht zu erkennen, wobei es bei Nachrichten mit Anhängen manchmal schon schwieriger wird. Wer die öffnet, kann sich einen Virus einfangen, der den PC lahmlegt oder den Zugriff von außen ermöglicht.

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Manche Fake-Mails sind selbst von Profis kaum erkennbar

Die dritte Art von Malware sind laut Helfrich "sehr gut gemachte Fake-Mails", die zum Beispiel vom Deutschen Paketdienst kommen. "Man wird zum Beispiel informiert, dass ein Paket unterwegs ist und man über einen Link nachsehen kann, wo es sich gerade befindet." Wer dann auf den Link klickt, lädt sich ebenfalls eine Schadsoftware herunter.

Solche gut gemachten Mails sind auch von einem Profi nur schwer zu erkennen, weshalb hier nur eine Sache hilft: "Da sollte man sich erst einmal fragen: Habe ich denn überhaupt etwas bestellt? Ist es realistisch, dass da was unterwegs ist. Und dann ist immer noch die Frage, ob man wirklich wissen muss, wo das Paket gerade ist."

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Das Problem mit den Fakeshops

Laut Helfrich sind auch die meisten Fakeshops für den Laien kaum zu erkennen und es gibt viel mehr davon, als man meinen würde: "Wir gehen davon aus, dass etwa 50 Prozent der Shops im Internet Fakeshops sind", sagt der Kriminalrat. Um nicht an einen solchen zu geraten, sollte man den Namen des Onlineshops nie einfach nur bei einer Suchmaschine eingeben.

"Wenn ich da Amazon eingebe, kriege ich ja Hunderttausende von Treffern. Und da sind eben sehr viele dabei, die Amazon heißen, aber nicht Amazon sind." Entgehen kann man dem nur, wenn man die Adresse immer direkt eingibt, in diesem Beispiel also www.amazon.de.

Fake-Shops locken ihre Opfer oft über besonders günstige Preise, bei denen man immer stutzig werden sollte. Denn im schlimmsten Fall kann man sich beim Online-Shoppen sogar strafbar machen. "Man muss sich wirklich überlegen, ob es sein kann, dass ich ein Fahrrad für 70 Euro bekomme, das im Laden 700 Euro kostet“, sagt Helfrich. In solchen Fällen, in denen es ziemlich offensichtlich nicht mit rechten Dingen zugehen könne, könnten Staatsanwälte dem Anfangsverdacht einer erweiterten Hehlerei nachgehen. "Da muss man wirklich aufpassen."

Bei Kindern und Jugendlichen nimmt Cyberm​obbing zu

Dass vor allem ältere Menschen, die im Umgang mit dem Internet weniger erfahren sind, Betrügern im Netz aufsitzen, kann Helfrich nicht bestätigen. Dabei gibt es eine Altersgruppe, in der sich ein bestimmtes Problem häuft: Cybermobbing. "Weil immer jüngere Kinder schon Smartphones besitzen, ist das vor allem auch an Schulen ein immer größer werdendes Problem." Kinder und Jugendliche gründen zum Beispiel WhatsApp-Gruppen, in denen sie andere dann schlecht machen. Mit Fotos, mit Nachrichten, mit Bildern oder Videos.

Und die Hemmschwelle ist relativ niedrig: "Da sieht man nicht, ob der andere die ganze Nach nicht schlafen kann oder weint, weil ich ihn beleidigt habe. Das berührt mich dann auch nicht. Das ist etwas ganz anderes, als jemandem so etwas ins Gesicht zu sagen und die Reaktion zu sehen." Zudem hätten die Minderjährigen oft kein Gefühl dafür, welche strafrechtlichen Auswirkungen so etwas haben kann. "Nur weil man im Internet unterwegs ist, ist man ja nicht rechtlos", sagt Helfrich. Hier helfe nur, den Kindern den richtigen Umgang mit den neuen Medien möglichst schnell beizubringen und sie über die Auswirkungen aufzuklären.

Im Netz geraten Diffamierungen schnell außer Kontrolle

Wie schnell so etwas aus dem Ruder laufen kann, hat Helfrich schon selbst miterlebt. Als im Netz ein Video mit einem Mädchen aus den USA kursierte, das Hundewelpen in einen Fluss warf, behauptete kurze Zeit später ein User, das Mädchen würde in einem Münchner Landkreis wohnen und dort zur Schule gehen. Daraufhin seien bei der Familie die Hauswände beschmiert worden, Mülltonnen wurden umgeworfen und Feuer vor dem Haus angezündet.

"Es war nicht mehr möglich, das Mädchen aus dieser Geschichte herauszuholen. Die Familie musste wegziehen." An so etwas sollte auch jeder denken, meint Helfrich, der Fotos von sich oder seiner Familie in sozialen Netzwerken wie Facebook teilt. "Innerhalb von Sekunden kann man das zum Beispiel in Neuseeland sehen. Und Sie wissen nie, wer Ihr Bild teilt, kopiert, herunterlädt und für andere Dinge nutzt."

Tipps, die man immer beherzigen sollte:

Zunächst sollte man sich ein gutes Passwort überlegen. Ein richtiges Passwort ist möglichst lang, enthält Groß- und Kleinbuchstaben und Sonderzeichen und sollte regelmäßig geändert werden.

Zudem rät Helfrich: "Ein gesundes Misstrauen haben und sich nicht so schnell hinreißen lassen, irgendetwas zu kaufen, auszufüllen, zu beantworten oder überhaupt zu öffnen. Und in dem Moment, in dem es um persönliche Daten und Angaben wie Geburtsdaten, Kontodaten, Telefonnummern, E-Mail-Adressen geht, immer sehr zurückhaltend sein und nicht einfach eingeben." Dazu gehört auch ein gutes Virenprogramm und eine gewisse Investition an Zeit, indem man zum Beispiel Pass- und Kennwörter immer wieder ändert.

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Wohin können sich Opfer wenden?

"Das Netz ist weltweit und wahnsinnig schnell und wir können immer nur reagieren", fasst Helfrich die Problematik der Internetkriminalität zusammen. Wer weiß oder glaubt, Opfer geworden zu sein, sollte den Verlauf möglichst notieren, abfotografieren oder anderweitig sichern und sich dann schnell an die Polizei oder eine Beratungsstelle wenden.

Hier ist eine Liste der Stellen, bei denen man sich Hilfe suchen oder informieren kann, welche Shops und Adressen vertrauenswürdig sind und welche Schadsoftwares oder Betrügertricks gerade im Umlauf sind:

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