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Facebook Dislike
Woher weiß Facebook das alles über mich? Das Neugier-Netzwerk ist immer für Überraschungen gut (Foto: 123rf.de)
Facebook Social Media Mark Zuckerberg

15 Jahre Facebook: 15 Dislikes

Am 4. Februar 2004 brachte der Harvard-Student Mark Zuckerberg zusammen mit vier Kommilitonen "TheFacebook" ans Netz – und veränderte damit die Welt, zum Guten wie zum Schlechten. LEAD zieht Bilanz - nach den 15 Likes im ersten Teil nun mit 15 Dislikes im zweiten Teil.

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Unsere 15 Likes zum Facebook-Geburtstag haben wir heute schon verteilt – und hier folgen 15 Dislikes.

1 Neugier Facebook
Quer durchs ganze Internet – Facebook hat immer ein Auge auf seine Nutzer (Foto: 123rf.de)

Dislike 1: Die Datenkrake

Experten streiten, ob denn nun Facebook oder Google der größte Datensammler in der Geschichte der Menschheit ist. Aber so viel steht fest: Keine Regierung der Welt weiß mehr über ihre Bürger als die US-Internetgiganten über ihre Kunden. Ein Facebook-Nutzer, der alle Informationen anfordert, die das Netzwerk über ihn gesammelt hat, erhält gut und gerne 600 MB Daten, die rund 40.000 Word-Seiten entsprechen. Praktisch jedes Facebook-Mitglied kennt das erschreckende Gefühl und das ungläubige Staunen, wenn das Netzwerk "Freunde" vorschlägt, die es eigentlich gar nicht kennen dürfte. Zahllose Datenskandale führen zur Frage: Hat Mark Zuckerberg seinen Laden überhaupt noch unter Kontrolle?

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Dislike 2: Fake News

Fake News sind keine moderne Erfindung. Der römische Feldherr Marcus Antonius tötete sich im Jahr 30 vor Christus selbst mit seinem Schwert – aufgrund der Fehlinformation, dass Kleopatra Suizid begangen habe. Dabei war die ägyptische Königin quicklebendig. Aber erst durch Internet und soziale Medien wurden Fake News zum weltweiten Massenphänomen. Fake-News-Quelle Nummer eins ist Facebook. Nach langem Zögern erkennt mittlerweile auch Mark Zuckerberg dieses Problem an. Seine neueste Idee: Er will das Erkennen gefälschter Nachrichten und ihrer Quellen in die Hände der Facebook-Nutzer legen. "Wir werden die Leute nun fragen, ob sie eine Nachrichtenquelle kennen – und wenn ja, ob sie ihr vertrauen."

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Dislike 3: Trump, Brexit, AfD

2 Trump
Ohne Facebook wäre der Welt ein Trump als US-Präsident wohl erspart geblieben (Foto: Wikipedia)

"Ohne Facebook wäre Donald Trump vermutlich nicht Präsident – und das alleine ist schon ein Grund, die Existenz von Facebook zu verfluchen", zürnt die New York Times. Das Netzwerk war der zentrale Kanal für russische Desinformation im Vorfeld der US-Wahl 2016. Facebook ermöglichte die gezielte Wählerbeeinflussung durch Cambridge Analytica. Und Facebook trug entscheidend dazu bei, die amerikanische Zeitungslandschaft soweit zu dezimieren, dass das Netzwerk heute für Millionen von US-Bürgern die zentrale oder gar einzige Informationsquelle ist. Selbst Nigel Farage, unseliger Brexit-Hetzer, gibt zu, "dass der Brexit ohne Facebook niemals passiert wäre". Facebook liefert Nationalisten und Populisten in aller Welt die ideale Plattform zum Verbreiten von Hass und Desinformation. Damit trägt das Netzwerk eine erhebliche Mitschuld an der Krise der Demokratie in Italien, in Österreich, in Deutschland, in Osteuropa und anderswo.

Dislike 4: Hass und Mobbing

Wer bei Facebook nicht der Norm entspricht (und das trifft in irgendeiner Hinsicht auf jeden von uns zu), riskiert, mit Hass und verbaler Gewalt überzogen zu werden. Es trifft Schwule, Lesben, Transgender, Menschen mit Behinderung und jegliche vermeintliche "Randgruppe". Hass gehört zum Facebook-Alltag. Zuletzt wurde die junge schwedische Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg zum Opfer von "Hatespeech", weil sie auf ihrer 32-stündigen Zugfahrt zum Weltwirtschaftsforum in Davos Toastbrot aus einer Plastikverpackung gegessen hatte. Ein 16-jähriges Mädchen auf diese Weise mit Hass zu überziehen – die Anonymität von Facebook bringt die ekelhaftesten Seiten der Menschen hervor.

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Dislike 5: Schlechte Moderation

55,8 Milliarden Dollar Umsatz hat Facebook im Jahr 2018 verzeichnet – nochmals 37 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch trotz fast unerschöpflicher Geldmittel schafft es Facebook seit Jahren nicht, ein System und eine Moderation zu etablieren, die Fake News und Hass effektiv bekämpfen. Die New York Times hat recherchiert, dass in der Facebook-Zentrale in Kalifornien nur wenige Dutzend meist junge Anwälte und Techniker am weltweiten Regelwerk für Moderatoren arbeiten. Sie produzieren undurchschaubare, konfuse Excel- und Powerpoint-Dateien, in denen die Times zahllose Fehler gefunden hat. Die nur etwa 15.000 häufig ungelernten Facebook-Moderatoren sind mit den Gegebenheiten in den Ländern, die sie betreuen sollen, meist kaum vertraut, übersetzen Texte mit Google und haben für die Entscheidung "Löschen oder Nichtlöschen" nur maximal zehn Sekunden Zeit. Einfache Rechnung: 15.000 Moderatoren für 2,2 Milliarden Nutzer, das macht knapp 147.000 Facebook-Mitglieder pro Moderator. Wie soll das funktionieren? Der desinteressierte Umgang von Facebook mit problematischem Content auf seiner Plattform ist ein unverzeihliches Versäumnis.

Dislike 6: Stalking

3 Stalking
Facebook macht es Stalkern allzu einfach, ihre Opfer zu verfolgen (Foto: 123rf.de)

Nicht nur Mobbing gehört auf Facebook zum traurigen Alltag, sondern auch Stalking. Das Netzwerk ist die ideale Plattform, um Personen nachzustellen, sie zu bedrohen und einzuschüchtern. Es ist einfach, mit einem anderen Facebook-Mitglied Kontakt aufzunehmen, sich als ehemaliger Schulkamerad auszugeben, sich "anzufreunden" – und so an alle nur denkbaren Informationen zu kommen, von der Adresse über die Telefonnummer bis hin zu häufig besuchten Orten. Wer dann noch regelmäßig die Nachrichten seines Stalking-Opfers liest oder seine Bilder ansieht, schleicht sich in ein fremdes Leben, ohne dass der- oder diejenige es überhaupt bemerken muss. Erschreckend!

Dislike 7: Psychische Störungen

Studien aus aller Welt thematisieren immer wieder die negativen psychischen Auswirkungen übermäßiger Facebook-Nutzung gerade auf Jugendliche. Facebook-Junkies leiden demnach häufig an Schlaflosigkeit, Konzentrationsproblemen, Magenschmerzen, Ängsten, Depressionen, Aggressionen und Narzissmus. Laut einer Studie der San Diego State University stieg die Selbstmordrate unter 13- bis 18-jährigen Mädchen in den USA in den letzten Jahren um 65 Prozent – "genau in der Zeit, in der der Gebrauch von Smartphones stark anstieg", bemerkt Jean Twenge, die als Professorin an der Studie beteiligt war. Facebook gar nicht mehr oder weniger zu nutzen, kann die psychische Gesundheit und Stabilität von Jugendlichen positiv beeinflussen. Laut einer dänischen Studie sind junge Leute messbar zufriedener mit ihrem Leben, wenn sie zumindest für eine gewisse Zeit auf Facebook verzichten.

Dislike 8: Falsche Freunde

Facebook hat stark mit dazu beigetragen, dass der Begriff "Freunde" in unserem Alltag heute oft völlig falsch besetzt ist. Denn Facebook-"Freunde" haben nichts mit echten Freunden zu tun – auch wenn der Name danach klingt. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat 155 Namen auf seiner "Freundes"-Liste, würde aber nur 43 von ihnen als echte oder wahre Freunde bezeichnen. Die Wahrheit über die Freundschafts-Lüge sieht aber noch ganz anders aus. Laut einer Studie aus Großbritannien sind von den 155 Facebook-"Freunden" durchschnittlich nur vier echte, verlässliche Freunde.

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Wie bitte?

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Dislike 9: Ruinierte Beziehungen

4 Beziehungen
Beziehungsstatus: schwierig. Dafür sorgt Facebook bei zahllosen Paaren (Foto: 123rf.de)

Facebook gilt als notorischer Beziehungskiller – weil allzu vertraute Kontakte mit anderen Mitgliedern zu Eifersuchtsdramen führen, oder wegen missverständlicher Änderungen im berühmt-berüchtigten "Beziehungsstatus". Wer allzu eifrig mit anderen Facebookern flirtet ("Du bist total süß"), riskiert, dass sich sein Beziehungsstatus unfreiwillig bald in "Single" ändert. Eine besonders hässliche Seite des Facebook-Beziehungskarussells ist das Verfolgen und Überwachen von Exen und ihrer neuen Beziehungen. Verletzte oder verlassene Partner erfahren auf diese Weise weit mehr über das Leben der oder des Verflossenen, als es nach einer Trennung gut tut.

Dislike 10: Die große Filterblase

Das Vorurteil ist alt – und nicht ganz verkehrt: "Wer auf Facebook nach Informationen sucht, sieht immer nur Einträge, die die eigene Meinung bestätigen." Der Facebook-Algorithmus und der personalisierte Newsfeed sorgen für die Filterblase, die Posts meist ausschließt, die der eigenen Position entgegenstehen. Aus Facebooks wirtschaftlicher Sicht ergibt dieses Filtern Sinn. Denn wer sich nicht ständig über kontroverse Beiträge ärgern muss, ist beim Surfen zufriedener und bleibt länger auf der Seite. Gruppen mit zweifelhaftem Weltbild bleiben so aber ungestört von externen Einflüssen, und schaukeln sich immer weiter gegenseitig hoch. Das hat mittlerweile auch Facebook verstanden – und versucht, für mehr Vielfalt in seinem Newsfeed zu sorgen.

Dislike 11: Zeitverschwendung

5 Langeweile
30,4 Milliarden Stunden verbringen Facebook-Nutzer täglich in dem Netzwerk – oft genug aus purer Langeweile (Foto: 123rf.de)

Millionen von Facebook-Nutzern verbringen viele Stunden täglich in dem Netzwerk. Und Eltern verzweifeln angesichts der Facebook- oder mittlerweile auch Instagram-Abhängigkeit ihrer Kinder. Kleine Rechnung: 1,52 Milliarden tägliche Facebook-Nutzer verbringen durchschnittlich rund 20 Minuten auf der Plattform. Das macht 30,4 Milliarden Stunden am Tag – umgerechnet 3,47 Millionen Kalenderjahre oder 34.700 Jahrhunderte, die Tag für Tag auf Facebook verdaddelt werden. Gar nicht auszudenken, was die Mitglieder in dieser Zeit Sinnvolleres tun könnten - Lernen, Sport oder echte soziale Kontakte pflegen. Seit einiger Zeit bietet Facebook in seinen Apps eine Zeitkontrolle ("Your time on Facebook") an. Aber wer nutzt allen Ernstes diese Funktion?

Dislike 12: FOMO

Die Angst, etwas zu verpassen ("Fear of missing out"), ist vor allem unter jungen Nutzern ein weit verbreitetes Phänomen in den sozialen Medien. Wer auf Facebook liest, wie andere Mitglieder Spaß haben, auf Partys gehen oder die Welt bereisen und selbst alleine zu Hause sitzt – der ist ein ideales Opfer von FOMO. Selbstzweifel und Depressionen können die Folge sein. Besonders bedenklich: Facebook ist längst in der Lage, anhand von Posts, Likes und Dislikes den emotionalen Zustand seiner Nutzer zu beurteilen. 2017 haben interne Dokumente des Netzwerks gezeigt, dass solche Facebooker, die sich "wertlos, unsicher, ängstlich, nutzlos" und als "Versager" fühlen, mit spezieller Werbung angesprochen werden, die ihr "Selbstvertrauen stärken" soll. Trost per Konsum, Trost nach Facebook-Art, für verunsicherte Nutzer ab 14 Jahren.

Dislike 13: Gewalt

Auch das Problem mit Bildern und Videos, die Gewalt darstellen, bekommt Facebook nicht in den Griff. Hier fehlt es ebenfalls an effektiven Kontrollmechanismen. Im Gegensatz zu "nackten Tatsachen", bei denen die Lösch-Taste meist schnell in Reichweite ist, hat Facebook in Sachen Gewalt lange Jahre eine Laissez-faire-Politik betrieben. Begründung, beispielsweise bei Enthauptungen durch IS-Terroristen: Die Facebook-Nutzer sollten "das Recht haben, die Welt so zu zeigen, wie sie ist". Später änderte das Netzwerk seine Richtlinien. Gewalt durfte demnach nur noch gezeigt werden, wenn sie nicht "glorifiziert, sondern verurteilt wird". Eine konsequente Haltung und klare Regeln zur Gewaltdarstellung in Nachrichten, Bildern und Videos lässt Facebook bis heute vermissen.

Dislike 14: Verklemmtheit

6 Venus
Venus von Willendorf – die ältere Dame ist für Facebook eindeutig zu kurvig und zu sexy (Foto: Wikipedia)

Als US-Unternehmen hat Facebook deutlich mehr Probleme mit (angeblich) nackten Tatsachen als mit Gewalt und Fake News. Regelrecht absurde Beispiele für die Verklemmtheit, Prüderie oder (auf gut Bayrisch) Gschamigkeit des Zuckerberg-Netzwerks schwirren alle paar Wochen durchs Internet. So fanden die Brüste der "Venus von Willendorf" keine Gnade vor der Facebook-Zensur – obwohl die Venus kein allzu offenherziges YouPorn-Model ist, sondern eine ältere Dame von 30.000 Jahren, eine Kalkstein-Statue, die als Österreichs bekanntestes Fundstück im Naturhistorischen Museum in Wien steht. Weniger amüsant, sondern bestürzend: Auch Frauen mit Brustkrebs, die ihre Erkrankung dokumentieren und ihre Erfahrungen mit anderen Nutzern teilen wollen, fallen immer wieder der Facebook-Zensur zum Opfer. Das Netzwerk fährt in diesem Bereich eine geradezu lächerliche Politik.

Dislike 15: Schlechter Kundenservice

Wer zum Kundenservice von Facebook durchdringen will oder wer die Unverschämtheit besitzt, sein Konto komplett und unwiderruflich löschen zu wollen, stößt auf undurchschaubare Menüs und auf zahllose FAQs, die alles tun – außer "häufig gestellte Fragen" zu beantworten. Telefonisch oder per Mail mit Facebook Probleme zu klären, ist so gut wie aussichtslos. Und der Dschungel von angeblichen "Hilfe"-Seiten führt oft genug zu immer weiteren "Hilfe"-Seiten, die veraltet oder gar nicht mehr verfügbar sind. Jedem Mittelständler aus der Lüneburger Heide, der solch einen absurd schlechten Service bietet wie der Milliarden-Konzern Facebook, würde die Kundschaft zurecht aufs Dach steigen.

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