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Auf Facebook und Instagram machen mehrere Millionen Nutzer bei der Ten-Years-Challenge mit und posten Vorher-Nachher-Bilder von sich - mit datenschutzrechtlichen Folgen (Bild: Shutterstock)
Social Media hype Facebook

Ten-Year-Challenge: Mehr als nur ein Social-Media-Hype

Auf Facebook, Instagram und Co. machen immer wieder neue Challenges die Runde. Bei der Ten-Year-Challenge zeigen Promis und Normalbürger, wie sie sich in den vergangenen zehn Jahren verändert haben - mit Vorher-Nachher-Bildern. Was viele nicht wissen: Mit den Bildern kann die künstliche Intelligenz zur Gesichtserkennung trainiert werden. Datenrechtlich ist das umstritten.

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Auf Instagram und Facebook gibt es gefühlt jede Woche einen neuen Hype. Zuletzt irrten Menschen bei der "Bird Box Challenge" mit Augenbinden durch die Gegend und stellten ihre Videos online. Damit stellten sie Sandra Bullock im Netflix-Thriller "Bird Box" nach, die mit zugebundenen Augen vor einer dunklen Macht flieht.

Bei der aktuellen #10yearchallenge wird es nostalgischer. Promis und Normalbürger aus aller Welt posten Vorher-Nachher-Bilder, wie sie sich im vergangenen Jahrzehnt verändert haben. Hier ein paar Beispiele:

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#10yearchallenge 😁

Ein Beitrag geteilt von Daniela Katzenberger (@danielakatzenberger) am

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#10yearschallenge #davidbeckham #England

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Manche nutzen den Internet-Hype auch, um auf ernste Themen aufmerksam zu machen. Wie zum Beispiel auf die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll oder den Klimawandel:

Mit Vorher-Nachher-Bildern die künstliche Intelligenz trainieren

Mehrere Millionen Bilder sind allein auf Instagram unter den Hashtags #10yearschallenge und #2009vs2019 zu finden. Was wohl die wenigsten bedenken: Die Fotos landen alle auf den firmeneigenen Servern von Facebook. Autorin und Speakerin Kate O'Neill löste mit einem Tweet zahlreiche Diskussionen aus. Sie schrieb, dass sie vor zehn Jahren vermutlich bei so einer Challenge mitgemacht hätte. Jetzt aber fragt sie sich, wie all diese Daten genutzt werden könnten, um Gesichtserkennungsalgorithmen zum Altersfortschritt und zur Alterserkennung zu trainieren:

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O'Neill veröffentlichte eine Kolumne bei Wired und beschäftigte sich tiefer mit der Thematik. Ihre These: Mit den Millionen von Vorher-Nachher-Bildern gibt es nun einen großen Datenschatz von sorgfältig kuratierten Fotos von Menschen vor zehn Jahren und heute.

Die Frage ist: Ist es überhaupt schlecht, wenn die Fotos dafür genutzt würden, um die künstliche Intelligenz für die Gesichtserkennung zu trainieren? Nicht zwangsläufig. Vor allem eine Technologie, die die Altersentwicklung erkennt, könnte dabei helfen, vermisste Kinder wiederzufinden. In Indien zum Beispiel konnten mithilfe einer Gesichtserkennungstechnologie innerhalb von nur vier Tagen fast 3000 vermisste Kinder ausfindig gemacht werden. Wären sie länger vermisst worden, hätten sie sich optisch natürlich mit der Zeit verändert. An dieser Stelle könnte ein fortgeschrittener Algorithmus zur Altersentwicklung hilfreich sein. Außerdem könnte die künstliche Intelligenz dazu beitragen, Kriminelle aufzuspüren.

Auf der anderen Seite könnten unsere Daten dazu genutzt werden, uns personalisierte Werbung auszuspielen. Laut O'Neill könnten schon bald Anzeigendisplays entwickelt werden, die Kameras oder Sensoren enthalten und deren Mitteilungen an Altersgruppen sowie andere visuell erkennbare Merkmale und Kontexte angepasst werden können. So könnte Werbung zielgerichtet ausgestrahlt werden.

Kritiker dieser Theorien argumentierten etwa unter dem Tweet von O'Neill, dass die Profilbilder und somit die Daten doch ohnehin schon auf Facebook verfügbar seien. Das Unternehmen habe also eine derartige Challenge gar nicht nötig. Es würde im Gegenteil sogar mehr Aufwand für den Konzern bedeuten, sollten er tatsächlich die Ten-Years-Challenge für jegliche Zwecke nutzen. Das stimmt. Jedoch ist zu beachten, dass bei den Profilbildern auf Facebook das Veröffentlichungsdatum für Fotos nicht zwingend dem Datum entspricht, an dem das Foto aufgenommen wurde. Menschen teilen ihre Bilder nicht unbedingt chronologisch. Auf Instagram existiert auch keine vorgegebene Mustervorlage. Dort suchen sich die Nutzer selbst ihre Bilder aus und basteln eine Collage für die Challenge.

Die größte Sorge ist jedoch: Neben den beschriebenen Möglichkeiten gibt es unzählige weitere Bereiche, in denen unsere Daten missbraucht werden könnten. Gegenüber Wired stellte ein Facebook-Sprecher klar, dass das Unternehmen in keinem Fall die Daten der Facebook-Nutzer für andere Zwecke nutzen werde. Dass man dem nicht unbedingt vertrauen kann, zeigte allerdings der Skandal mit Cambridge Analytica.

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