Mit großer Bugwelle hat die ARD den neuen Vorabend mit dem Format "Gottschalk Live", das am Montag gestartet ist, vorangetrieben. Gerade die Einbindung in soziale Netze sollte die Sendung von anderen unterscheiden. Lead Digital hat Florian Kerkau, Geschäftsführer von Goldmedia Custom Research, gefragt, ob das Konzept aufgegangen ist.
Wie ist der ARD die Verknüpfung der Sendung "Gottschalk Live" zu sozialen Netzwerken gelungen?
Die ARD wollte einen Brückenschlag zwischen jüngerem Publikum und älteren Zuschauern schaffen. Daher hat der Erklär-Anteil in der Sendung extrem viel Zeit eingenommen. Der erste Eindruck ist hingegen sehr schwach. 17.000 Fans sind aktuell auf Facebook, davon reden 1200 über die Show. Diese Beteiligungsquote ist sehr gering. Im Vergleich: "Berlin - Tag und Nacht" konnte binnen kurzem 500.000 Fans erreichen und liegt jetzt bei mehr als einer Million. Wobei die RTL 2-Zielgruppe natürlich eine andere ist als die von Gottschalk Live. Die ARD bleibt beim klassischen Sender-Emfänger-Schema stecken. Ihre Beiträge sind Programmankündigungen, mit den Kommentatoren treten sie nicht ins Gespräch. Außerdem heißt Facebook nicht umsonst so: Die ARD hat aber nur eine unpersönliche Redaktion zu bieten und kein Gesicht, das dafür verantwortlich ist.
Kommen die User ausreichend in der Sendung vor?
Nein, es gibt deutlich zu wenig Interaktion, wenn dem Gast lediglich eine Frage aus dem Internet gestellt wird. Warum wird die Social-Media-Redakteurin nicht stärker eingebunden? Da hat die ARD zu zurückhaltend agiert. Es braucht eine bessere Verzahnung und direkte Live-Reaktionen auf das Geschehen im Netz.
Welche Inhalte interessieren vor und nach den Sendungen?
Die stärksten Reaktionen gab es auf die Versteigerung der Günther-Jauch-Krawatte. Solche Gewinnspiele langen allerdings nicht, um die Fans bei der Stange zu halten. Auch ein Moderator, der eine halbe Stunde nach der Sendung chattet, klingt überholt. Zwischen den Sendeterminen sind interaktive Elemente notwendig, die bei den Fans jeden Tag aufploppen und sie mit substantiellem Inhalt versorgen. Bei einer Plauderrunde à la Gottschalk fehlen die knackigen Inhalte. Eine Zielrichtung sehe ich noch nicht.
Wie geht es weiter?
Die Redaktion muss vor allem mit der Kritik etwa an den häufigen Werbeunterbrechungen angemessen umgehen. Wenn man der Kritik zu viel Platz lässt oder sie gar provoziert, kann das in einem Shitstorm enden. Anderseits hat das Format zu wenig Aufreger-Potenzial. Das Schlimmste, was passieren kann, ist Desinteresse. Dann melden sich die Fans einfach wieder ab.
Dieser Blogeintrag wurde verfasst von:
Annette
Mattgey