Der Konkurrenzkampf der Print-Rivalen "Handelsblatt" und "Financial Times Deutschland" tobt auch im Web. Dabei liegt handelsblatt.com klar vorn. Laut IVW kam handelsblatt.com im Januar 2012 auf knapp 15 Millionen Visits, ftd.de verzweichnete 11,8 Millionen. Eine SEO- und Social-Media-Analyse von Lead Digital zeigt, was der Holtzbrinck-Titel besser macht als sein Hamburger Wettbewerber. Die Auswertung wurde mit dem Tool des Berliner Anbieters Searchmetrics durchgeführt. Eric Kubitz, Geschäftsführer und SEO-Experte der Münchner Beratungsfirma Contentmanufaktur, unterstützte die Redaktion dabei.
Was uns zuerst aufgefallen ist:
Die "FTD" setzt auf ein breiteres Themenspektrum jenseits der Finanzen und kann deshalb z.B. bei den News mehr Besucher mitnehmen. Das "Handelsblatt" bleibt sehr stark in seinem Kerngebiet, ist darin aber der "FTD" überlegen.
Beim Output setzt das "Handesblatt" aber auf mehr auf Masse: mehr Seiten im Index, vermutlich also mehr Beiträge und auch mehr Tweets.
Die Strategie des "Handelsblatts" ist weit nach vorne gerichtet: Videos und Mobile Apps spielen eine viel größere Rolle als bei der "FTD". Die täglichen Videos werden sogar beworben - und zuletzt gab es wohl auch eine verbessertes Suchmaschinenoptimierung dafür. Tatsächlich scheint das "Handelsblatt" mehr in digitale Medien zu investieren.
Beide Titel setzen (noch) sehr stark auf ihre aktuellen News und bekommen darüber viele Besucher aus den Suchmaschinen. Flexible Themen-Seiten, die z.B. alles über "Steuerbetrug“ zusammen fassen, sind vor allem bei der "FTD" noch kaum entwickelt.
Die Social Strategie ist bei beiden ähnlich: Viel Push über den Nachrichtenkanal Twitter, aber eine recht verhaltene Fanseite auf Facebook. Die Social Buttons sind - zumindest beim "Handelsblatt" - geradezu versteckt. Man kann nur vermuten, dass das "Handesblatt" durch den viel höheren Output mehr Links und damit mehr Social Buzz erzeugt. Stärkster Beitrag übrigens: "Ukrainische Regierung untersagt Tiertötungen" mit über 14.000 Links. Allerdings ist der von November 2011.
Uns so schneiden die beiden Portale im direkten Vergleich ab:
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| handelsblatt.com
| ftd.de
| Kommentar
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| SEO Visability
| 118.285
| 78.606
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| Rang (in Deutschland)
| 143
| 230
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| Paid Visibility
| 2.267
| 0
| Das "Handelsblatt"bewirbt seine Seite mit Keywords wie "börsenkurse", „zinsentwicklung“ aber auch „libyen news“ und „staatsverschuldung“. Der Schwerpunkt liegt offenbar auf Videos. Die "FTD" ist hier offenbar nicht aktiv.
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| Link- / Domain- Popularität
| 275.107 / 14.884
| 198.854 / 13.889
| Handelsblatt.com hat mehr, aber ftd.de offenbar bessere Links.
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| Branchen
| Nach dem Relaunch 2011 ist vor allem das Verzeichnis "Finanzen" deutlich gestärkt worden.
| Die "FTD" hat eher das Verzeichnis "Unternehmen“ gestärkt. Bei gleichzeitiger Streuung in andere Themengebiete (Autos)
| Die Reihenfolge der Branchen ist identisch - nur die relative Ausprägung ist anders.
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| News
| Im vergangenen Jahr hat das "Handeslblatt" zwar verloren, aber nur leicht und deutlich weniger als die "FTD". Allerdings sind es weniger trafficstarke Themen, mit denen das "Handelsblatt" gut gelistet ist.
| Bei der Zahl der Artikel in Google News gab es im März 2011 einen sehr starken Einbruch, seit dem geht es weiter leicht bergab. Allerdings erwischt die "FTD" häufiger die besseren Positionen.
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| Gemeinsame Keywords
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| Die Schnittmenge ist verblüffend gering.
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| Themenseiten
| Seiten bei Google: 382.000 und Visibility bei 7.854
| Seiten bei Google: 39.200 und Visibility bei 876
| Solche Themenseiten helfen dem Robot (und dem Leser) durch aktuelle Entwicklungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen.
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| Seiten bei Google
| 4.460.000
| 2.000.000
| Deutlicher Vorteil für das "Handelsblatt"
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| Bilder
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| Hier sind beide Portale nicht optimiert.
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| Videos
| Deutliche Steigerung auf der Basis der selbstproduzierten täglichen 99-Sekunden-News.
| Weniger Fokus auf das Bewegtbild.
| Hier investiert das "Handelsblatt" deutlich - auch beim Marketing.
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| Social Visibility
| 1.842.698
| 1.304.434
| Deutlicher Vorteil beim "Handelsblatt". Obwohl "FTD" die Social Links auf den Beitragsseiten deutlicher ins Blickfeld rückt.
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| Social Spread
| Die meisten Links kommen von Twitter (58 %), dann Facebook und schließlich Google+
| Die meisten Links kommen von Facebook, dann erst Twitter und schließlich Google+
| Auf Google+ haben offenbar beide (wie auch fast alle anderen Firmen) noch keine Antwort gefunden.
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| Facebook
| 17.902 Fans
| 19.573 Fans
| Beide bleiben da völlig unter ihren Möglichkeiten.
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| Twitter
| mehrere Accounts, z.B. auf hb_finanzen
| mehrere Accounts
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Im klassischen Print-Geschäft ist der Vorsprung des "Handelsblatts" noch deutlicher als im Web. Die IVW weist für das 4. Quartal 2011 eine Auflage von 147.000 Exemplaren aus, davon knapp 82.000 Abos. Die 2000 gestartete "Financial Times Deutschland" aus dem Hause Gruner + Jahr lag bei 102.000 Exemplaren, davon knapp 44.000 Abos.
Dieser Blogeintrag wurde verfasst von:
Frank
Zimmer