Tagtäglich fluten neue Apps den Markt. Wer die Nase vorn haben will, braucht eine Strategie, seine App mit PR und Werbung auf die vordersten Plätze der Download-Charts zu bringen. LEAD Digital hat dazu mit Karsten Hoppe, Mitgründer und Geschäftsführer der TDUB Kommunikationsberatung, gesprochen. Er und seine Kollegen haben etwa der Navigations-App Skobbler zum Erfolg verholfen.
Warum spricht eine gute App nicht für sich und verlässt sich auf die Weiterempfehlung bisheriger Nutzer?
Weiterempfehlungen sind absolut wichtig! Wenn Ihre App das nicht schafft, entwickeln sie besser weiter, anstatt zu launchen. Das empfehlen wir auch, wenn es angebracht ist und unterstützen dann auch bei der App-Konzeption und bei der Usability. Aber selbst, wenn Ihre App richtig gut ist: An dem Tag, an dem Sie Ihre App launchen, gehen etwa 500 neue Apps an den Start, 200.000 neue iPhone-Apps waren es insgesamt 2011. Ohne Marketing-Maßnahmen werden sie da einfach übersehen. Ein prominentes Beispiel ist Coca-Cola und die App "Snow Ball". Die App hat fünf Bewertungen im iTunes-Store, in den Onlinemedien ist nichts passiert. Die Regel lautet also anscheinend: Im App Store wartet niemand auf Sie - ganz egal, wie bekannt die Marke ist. Sehen Sie sich einmal die 200 meistgeladenen Apps von heute an. Da finden Sie heute genau eine Offline-Marke - Nike auf Platz 161. Die haben sich Gedanken gemacht, ein spannendes Produkt entwickelt und kommunizieren auch dazu. Und genauso muss die Kette aussehen, wenn Sie erfolgreich sein wollen: Gute Idee entwickeln, gut umsetzen und richtig kommunizieren - wenn das nicht ineinander greift, dann werden Sie auch langfristig keinen Erfolg haben.
Was empfehlen Sie vor und zum Launch?
Name, Logo der App und iTunes-Text müssen stimmen. Das Pricing ist eine weitere ganz wichtige Stellschraube im App-Marketing - zum Launch, aber auch später. Zum Start gibt es prinzipiell viele Ansatzpunkte: Natürlich eine Pressemitteilung. Vorab-Tests für Key-Journalisten können zudem sinnvoll sein, spätestens zum Launch sind Tests absolut wichtig. Ein Video, in dem sie die App vorstellen, ist klasse - nur bitte kein Marketing-Blabla, das schreckt die meisten Multiplikatoren eher ab. Medienkooperationen und Redaktionsbesuche sind weitere Möglichkeiten, und auch Facebook sollte man einbeziehen.
Was sind die wichtigsten Zielgruppen, um die Verbreitung auch langfristig zu sichern?
Für die Medienarbeit wichtig sind immer die App- und Smartphone-Multiplikatoren - also Journalisten bei Tageszeitungen und Appmedien sowie Blogger. Wenn sie eigentlich Getränke herstellen, dann haben sie hausintern keine Erfahrungen, wie sie auf diese Multiplikatoren zugehen müssen. Meist gibt es aber noch eine weitere "natürliche" Zielgruppe, zu der im Unternehmen bereits sehr gute Kontakte bestehen. Bei einem Automobilhersteller ist das etwa "AutoBILD", bei einem Modelabel "Gala". Die sollte man immer auf dem Laufenden halten.
Geht es allein um Online-Maßnahmen? Welche?
Online ist insgesamt wichtiger als Print, weil Sie Nutzer ohne Medienbruch mit einem Klick in den App-Store leiten können.Sprechen Sie also mit Bloggern und Online-Journalisten über ihre App. Wenn die App gut ist und sich vor dem Wettbewerb nicht verstecken muss, dann funktioniert das meist sehr gut. Es gibt aber auch wichtige Printmedien, die die Downloads maßgeblich pushen können. Klassische Ads sind eher sekundär, denn letztlich sind Sie immer auf Mouth-to-Mouth-Empfehlungen angewiesen.
Welche Offline-Maßnahmen haben Sie schon mit Erfolg getestet?
Wenn Boulevard- und klassische Tageszeitungen in ihrem Digitalressort über Ihre App berichten, hilft das. Wenn Sie eine Navi haben, wird Ihnen ein Test bei "AutoBILD" nützen. Wenn die "BamS" ein Wander-Special bringt und Ihre Outdoor-App wird da vorgestellt, dürfte Sie das auch glücklich machen.
Kann ich meine App über Jahre statisch lassen oder muss ich sie verändern, um attraktiv zu bleiben?
Die meisten Apps stehen im Wettbewerb zu anderen Apps. Langfristig erfolgreich sind Apps daher nur, wenn Sie das Feedback der Nutzer ernst nehmen und angesprochene Wünsche umsetzen. Und jeder Relaunch bringt die Gelegenheit, von Neuem das Gespräch über die App anzuheizen.
Dieser Blogeintrag wurde verfasst von:
Annette
Mattgey